Bad Reichenhall Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft


In den Trümmern der eingestürzten Eishalle in Bad Reichenhall wurde das 15. Todesopfer geborgen. Die Staatsanwaltschaft macht sich nun auf die Suche nach der Unglücksursache.

Am frühen Donnerstagmorgen wurde eine weitere Leiche aus der eingestürzten Eissporthalle geborgen. Dabei handelt es sich um die noch vermisste 40 Jahre alte Frau, wie die Polizei bestätigte. Rettungskräfte hatten die Leiche beim Graben in einem Schneehaufen auf einem geräumten Teil der Eisfläche gefunden. Damit erhöht sich die Opferzahl auf 15. Bereits am Mittwoch hatten die Einsatzkräfte die Leichen zweier Jungen und eines Mädchens im Alter zwischen 12 und 16 Jahren geborgen.

Auch nach dem Fund der Leiche gingen die Rettungsarbeiten weiter. Die Eisfläche und der Schutt sollten vorsorglich noch einmal abgesucht werden, teilten die Behörden mit. Auch der Katastrophenalarm galt weiter. "Der Katastrophenalarm wird solange aufrechterhalten, bis wir sicher sind, dass sich kein weiteres Opfer mehr auf dem Eis in den Trümmern befindet", sagte Landratsamtssprecher Christian Abreß. Gut 100 Einsatzkräfte räumten im Licht starker Scheinwerfer mit Spezialbaggern und Schaufeln weiter Schutt beiseite.

Die meisten der 15 Opfer sind Kinder und Jugendliche. Krisen-Interventionsteams kümmerten sich um die Betreuung der Angehörigen. Am Dienstag kommender Woche soll es in Bad Reichenhall einen Trauergottesdienst von Freistaat, Landkreis und der Stadt geben.

Bundesweit wurde nach dem Unglück der Ruf nach einem "Bau-TÜV" für öffentliche Gebäude lauter. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte die Länder auf, einen solchen TÜV zu prüfen. In der Debatte um mögliche bauliche Mängel der Reichenhaller Eishalle wiesen die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD und Freier Wählergemeinschaft alle Vorwürfe zurück.

"Das Dach war nicht sanierungsbedürftig"

"Sicherheitsrelevante Mängel waren im Stadtrat nicht bekannt", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Fraktionen. Bei der Diskussion um die Sanierung der Eislauf- und Schwimmhalle sei es einzig um die Schwimmbad- und Kältetechnik gegangen. Die Fraktionen stellen sich damit hinter Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier (Freie Wähler). Auch er hat stets betont: "Das Dach war nicht sanierungsbedürftig."

Städte und Gemeinden halten verstärkte Kontrollen öffentlicher Gebäude bundesweit derzeit nicht für sinnvoll. "Es gibt bereits eine Vielzahl an Bauvorschriften", sagte das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Auch das bayerische Innenministerium sieht derzeit keine Notwendigkeit für einen verbindlichen "Gebäude-TÜV". Zuerst müsse die Ursache des Unglücks geklärt werden, dann erst könne man über Konsequenzen reden, sagte der für Bauwerkssicherheit zuständige Bauingenieur Wolfgang Schubert.

Spekulationen um Versäumnisse

Die Kriminalpolizei stellte Unterlagen sowie einzelne Bauteile aus dem zusammengestürzten Gebäude sicher. Die Bauteile der eingestürzten Halle würden nummeriert und für die Ermittlungen sichergestellt. In den nächsten Tagen wolle die Anklagebehörde zusammen mit Polizei und Sachverständigen entscheiden, was mit dem Abbruchmaterial weiter geschehen soll, erläuterte Ziegler. Bisher wurden ein Bausachverständiger und ein Statiker hinzugezogen. Möglicherweise sind noch andere Fachleute für die Klärung der Unglücksursache nötig. Zudem müssten zahlreiche Zeugen vernommen werden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Traunstein konzentriert sich auf die Klärung der Unglücksursache. "Dann erst können wir prüfen, ob es persönliche Verantwortlichkeiten gibt", sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Volker Ziegler. Die Untersuchungen könnten sich Monate hinziehen. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung richteten sich derzeit gegen unbekannt. Vor dem Unglück war ungewöhnlich nasser und schwerer Schnee gefallen. Zwar wurde die Belastung des Daches kurz vor dem Einsturz noch überprüft, dennoch gibt es Spekulationen über Versäumnisse der Behörden am Unglückstag.

"Wir ermitteln nicht gegen konkrete Personen, solange wir nicht wissen, was die Unglücksursache ist", sagte Ziegler. Die Ermittler hätten bereits umfangreiches Material sichergestellt. "Wir schauen, dass wir alles bekommen, was in Zusammenhang mit der Halle stehen kann."

DPA DPA

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