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Amazonasgebiet Brasilianer überlebt Flugzeugabsturz – und irrt 36 Tage durch den Regenwald

Antonio Sena stürzte in einer Cessna 210 ab (Symbolbild)
Antonio Sena stürzte in einer Cessna 210 ab (Symbolbild)
© Daniel Bockwoldt/ / Picture Alliance
Der Brasilianer Antonio Sena stürzte mitten im Amazonaswald mit seiner Cessna ab und überlebte. Danach folgte ein einmonatiger Überlebenskampf im Regenwald.

Der Brasilianer Antonio Sena war wegen einer Öllieferung mit einer Cessna 210L auf dem Weg zu einer illegalen Goldmine im Amazonasgebiet. Dann fiel das Getriebe des 48 Jahre alten Flugzeugs aus. Obwohl er sich in fast 1000 Metern Höhe befand, bewahrte Sena einen kühlen Kopf und steuerte die Maschine in Richtung einiger Palmen – in der Hoffnung, in der Nähe des Flusswassers zu landen. Noch während das Flugzeug sank, konnte er einen Notruf funken. Das erzählte der 36-Jährige vergangene Woche gegenüber der "New York Times".

Baumkronen retteten Sena

Die Baumkronen jener Palmen, auf die Sena zusteuerte, sollten seine Rettung sein. Denn sie verhinderten, dass sein Flugzeug hart auf den Boden aufknallte. Sobald Sena realisiert habe, dass er wie durch ein Wunder überlebt hatte, griff er sich seiner Erzählung nach ein Taschenmesser, eine Taschenlampe und ein paar Streichhölzer, um den Flieger so schnell wie möglich zu verlassen – schließlich hatte er gut 600 Liter Öl an Bord.

Kurz darauf sei die Cessna wie erwartet in Flammen aufgegangen. In den ersten Tagen habe Sena in der Nähe des Wracks gecampt. Er sei sich sicher gewesen, man würde sich auf die Suche nach dem abgestürzten Flieger machen und somit auch ihn finden. "Sie flogen direkt über mir, konnten mich aber nicht sehen", erzählte Sena der "New York Times". Auch seine Schreie und sein Winken hätten keinen Erfolg gehabt, so der 36-Jährige. Also habe er sich entschieden zu laufen.

Die Sonne wies ihm die Richtung

Senas Smartphone habe ihm gerade noch die Richtung zum Fluss weisen können, als es ausging. Die Sonne habe ihm daraufhin zur Orientierung gedient, um stets in Richtung Osten zu laufen. Nachts habe er meist in Bäumen gecampt, weil die im Regenwald wohnhaften Jaguare ihre Beute nahe dem Wasser suchten. Doch am meisten hätte er sich vor randalierenden Klammeraffen gefürchtet, erzählt Sena: "Sie verteidigen ihr Revier sehr", sagte er. "Ich möchte ihnen nie wieder über den Weg laufen."

Nichtsdestotrotz waren ihm die Affen offenbar sehr hilfreich, denn sie aßen eine kleine pinke Frucht mit dem Namen "Breu". Sena habe daraus geschlossen, dass sie auch für den Menschen bekömmlich seien. An anderen Tagen habe er Vogeleier gesammelt, um sie zu verspeisen.

36 Tage später und nach eigenen Angaben 25 Kilo leichter habe Sena allerdings den Glauben daran verloren, dass er noch überleben würde. Bis er in der Ferne eine Kettensäge hörte. Obwohl er noch immer sehr weit vom nächsten Dorf entfernt war, sei er einer Gruppe Dorfbewohner entgegen gelaufen, angeführt von Maria Jorge dos Santos Tavares. Sie hätten im Wald Paranüsse geerntet. 

Cessna 172 landet auf befahrender Straße

Normalerweise sei die Gruppe nie so tief im Wald. Doch die wirtschaftliche Situation in der Coronapandemie habe dos Santos Tavares nach dem Tod ihres Mannes gezwungen, noch mehr Nüsse zu ernten, so Sena. Die 57-Jährige habe ihm zuerst Essen gegeben und dann ihre Tochter angefunkt. Diese habe Antonio Senas Mutter ausfindig gemacht und ihr die Nachricht überbracht, dass ihr Sohn am Leben sei.

Debatte über illegale Goldminen

So spektakulär die Rettung Senas auch war: In Brasilien löste sie auch eine Debatte um illegale Goldminen aus, die seit Jahren eine Gefahr für indigene Völker und die Natur im Amazonasgebiet darstellen. Der Hobbypilot habe den Job nur widerwillig angenommen, weil seine Bar in seiner Heimatstadt Santarém ihm in der Pandemie Schwierigkeiten bereitet habe. Kleine Flugaufträge hätten ihn über Wasser gehalten, berichtet Sena.

"Ich musste meine eigenen Überzeugungen über Bord werfen, um mich durch diese harte Zeit zu bringen", sagte er und bemerkte auch, dass die Arbeitsbedingungen sehr unsicher gewesen seien. "Ich würde nie wieder für Betreiber illegaler Minen fliegen." Die Tortur im Regenwald habe ihm auch die Liebe zu diesem gezeigt. "Wenn ich irgendwo in einer verlassenen Plantage gestürzt wäre, hätte ich kein Wasser, keine Unterkunft und nichts zu essen gehabt", sagte er. "Der Amazonas ist so wertvoll."

Quelle:  "The New York Times"

yak

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