Bremerhaven Kühlschiff steht in Flammen


In Bremerhaven ist ein Kühlschiff in Brand geraten - die Feuerwehr bekämpft das Feuer bereits seit Stunden. Allerdings erweisen sich die Löscharbeiten als schwierig, der Brandherd ist im verwinkelten Schiffsrumpf kaum zu erreichen.

Bei einem Großfeuer ist ein 174 Meter langes Kühlschiff auf der Bremerhavener Lloyd Werft schwer beschädigt worden. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers ist der Brand auch 15 Stunden nach dem Ausbruch in den Laderäumen noch nicht unter Kontrolle.

"Die Visiere der Helme schmelzen

Der rostrote Rumpf der "Cala Palma" im Trockendock der Werft war in dicke Rauchschwaden gehüllt. Die Löscharbeiten gestalteten sich nach Angaben der Feuerwehr schwierig. Derzeit bekämpfen zwei Löschzüge mit 32 speziell ausgebildeten Wehrleuten die Flammen. Die Isolierung der Laderäume soll fast über die volle Ausdehnung in Flammen stehen. Da die brennende Isolierung in dem verwinkelten Schiffsrumpf aber kaum zu erreichen ist, gestalten sich die Löscharbeiten derzeit äußerst schwierig. Auch die enorme Hitzeentwicklung behindert die Feuerwehrmänner.

Die Feuerwehr setzte vor allem Schaum zur Brandbekämpfung ein. Um ein weiteres Ausdehnen der Flammen zu verhindern, wurden einzelne Laderäume geflutet. "Die Löscharbeiten werden noch Stunden, wenn nicht sogar mehrere Tage andauern", sagte ein Sprecher der Bremerhavener Feuerwehr. Die 42 Einsatzkräfte seien vor allem damit beschäftigt, das Schiff von außen zu kühlen und eine Brandausdehnung zu verhindern. "Drinnen ist es teilweise so heiß, dass die Visiere der Helme schmelzen", so ein Sprecher.

Fenster und Türen geschlossen halten

Zwei Beschäftigte der Werft wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert, ein verletzter Feuerwehrmann musste ambulant behandelt werden. Auch drei Menschen, die sich in einem angrenzenden Einkaufszentrum aufhielten und über Kopfschmerzen und Übelkeit klagten seien vorsorglich in eine Klinik gebracht worden.

Neben den Einsatzkräften vor Ort sind weitere Experten mit vier Messfahrzeugen in Bremerhaven unterwegs, um die Luft ständig auf mögliche Giftstoffe zu kontrollieren. Obwohl der Brandgeruch in der ganzen Stadt wahrzunehmen ist, besteht angeblich keine Gefahr für die Bevölkerung. Dennoch wurden die Einwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Brandursache unklar

Die brennende "Cala Palma" ist das erste von vier unter italienischer Flagge fahrenden Schwesterschiffen, die auf der Lloyd Werft im Auftrag der niederländischen Reederei Seatrade Gronningen verlängert werden sollen. Wie es zu dem Brand kommen konnte, ist derzeit noch genauso unklar wie die Schadenshöhe. Möglicherweise sind Schweißarbeiten die Ursache.

Die "Cala Palma" war Mitte Juli im Trockendock auseinandergeschnitten und um ein 15 Meter langes Mittelstück verlängert worden. Zur Zeit wurden Restarbeiten zum Zusammensetzen der Schiffsteile vorgenommen. Die "Cala Palma" war Anfang Juli in Bremerhaven eingetroffen und sollte Bremerhaven Mitte August wieder verlassen.

Nicht das erste Unglück

Der Brand ist das zweite schwere Schiffsunglück auf der Lloyd Werft innerhalb weniger Jahre. Anfang Januar 2004 war das amerikanischen Kreuzfahrtschiff "Pride of America" kurz vor der Fertigstellung am Werftkai in Schräglage geraten und in den unteren Decks voller Wasser gelaufen. Dabei entstand ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.

Durch den Unfall und die um mehrere Monate verspätete Abgabe des Neubaus an die Reederei Norwegian Cruise Line geriet die Werft seinerzeit in Insolvenz. Nach der erfolgreichen Sanierung des Unternehmens stiegen in diesem Sommer die italienische Staatswerft Fincantierie und eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Bremen als Gesellschafter bei der Lloyd Werft ein.

DPA DPA

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