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Festnahme: Weil seine Kirche angeblich alle Viren tötet: Pastor hält trotz Coronakrise Gottesdienste ab

Auch im US-Bundesstaat Florida gelten wegen der Coronakrise Kontaktbeschränkungen. Ein Pastor in Tampa hat diese mehrfach ignoriert – mit haarsträubenden Begründungen.

Netzvideos sollen zeigen, wie die Corona-Toten in New York abtransportiert werden.

Im US-Bundesstaat Florida ist ein Pastor wegen mehrfacher Verstöße gegen die staatlichen Anordnungen in der Coronakrise vorübergehend festgenommen worden. Der evangelikale Geistliche Rodney Howard-Browne wurde in Gewahrsam genommen, weil er zuletzt am Sonntag zwei Gottesdienste vor mehreren hundert Gläubigen in der Stadt Tampa abgehalten hatte, wie aus Dokumenten der örtlichen Gefängnisverwaltung hervorgeht. Er habe damit gegen die Versammlungs- und Ausgangsverbote verstoßen, heißt es in den Unterlagen.

Spezialausrüstung tötet laut Pastor alle Viren

Der Pastor habe sich "absichtlich und wiederholt" über die geltenden Anweisungen zum Schutz vor der Pandemie hinweggesetzt, schrieb der örtliche Polizeichef Chad Chronister auf Twitter. Auf einer Pressekonferenz am Montag kritisierte Chronister laut der US-Zeitung "Huffington Post", mit seiner "rücksichtslosen Geringschätzung von Menschenleben" habe Howard-Browne nicht nur seine Gemeindemitglieder, sondern auch diejenigen, die in den kommenden Tagen mit ihnen in Kontakt kämen, dem Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus ausgesetzt.

Staatsanwalt Andrew Warren wies Howard-Browne dem Bericht zufolge mit einer Bibelstelle zurecht: "Ich möchte den guten Pastor an Markus 12, Vers 31 erinnern, der besagt, es gibt kein wichtigeres Gebot als seinen Nächsten genauso zu lieben wie sich selbst", erklärte Warren. "Den Nächsten zu lieben bedeutet, ihn zu beschützen und nicht seine Gesundheit zu gefährden, indem man ihn diesem tödlichen Virus aussetzt."

Howard-Browne glaubt entgegen der Warnungen der medizinischen Fachwelt allerdings nicht daran, dass das neuartige Coronavirus gefährlich sein kann. Nach Angaben der "Huffington Post" hatte der 58-Jährige außerdem damit geprahlt, dass seine Kirche über eine spezielle Ausrüstung zur Abtötung des Virus verfüge.

"Wenn jemand zur Tür hereinkommt, ist es, als ob sie alles an ihm abtötet. Wenn er niest, schießt sie mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Meilen pro Stunde und neutralisiert es in Sekundenbruchteilen", sagte er demnach vergangene Woche in einem Video, das von der Internetseite "Right Wing Watch" veröffentlicht wurde. "Wir haben also das sterilste Gebäude in, ich weiß nicht, ganz Amerika."

Seine Gottesdienste bezeichnet der Pastor zudem als essenzielle Dienstleistungen. Folglich dürften sie auch trotz der geltenden Restriktionen des öffentlichen Lebens fortgeführt werden.

Pastor ist überzeugter Donald-Trump-Fan

"Right Wing Watch" zufolge hat Howard-Browne auch Verschwörungstheorien über das Coronavirus verbreitet und es als "Phantom-Plage" bezeichnet. Diese sei von China erschaffen und von "Kommunisten" in den Medien gepusht worden. Der Pastor sei ein überzeugter Anhänger von US-Präsident Donald Trump und habe im Jahr 2017 an einem Treffen von evangelikalen Gemeindeleitern mit Trump im Oval Office teilgenommen.

Howard-Browne hatte sich selbst der Polizei gestellt, nachdem ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war. Er kam gegen eine Kaution von 500 Dollar nach weniger als einer Stunde wieder auf freien Fuß. In einem Facebook-Video beschwerte er sich, dass er "wegen der Verkündigung des Evangeliums verhaftet" worden sei.

Polizeichef Chronister erklärte, Beamte hätten sich vor dessen Festnahme mehrfach erfolglos mit Howard-Browne und Gemeindevertretern getroffen, um die Kontakbeschränkungen des Bezirks zu erklären und vor der Abhaltung von Gottesdiensten zu warnen. "Schande über diesen Pastor, die Leiter dieser Kirche und ihre juristische Abteilung, dass sie uns gezwungen haben, unsere Arbeit zu tun", sagte Chronister. "Das ist nicht das, was wir während eines erklärten Ausnahmezustands tun wollten."

In Florida gab es bis Montag rund 5400 bestätigte Corona-Infektionsfälle und 63 Todesopfer.

Quellen: "Huffington Post""Right Wing Watch", Hillsborough County Sherrif's Office, AFP

mad