Erdbeben in China Soldaten kämpfen gegen Katastrophe


Nach dem schwersten Erdbeben der vergangenen 30 Jahre hat China seine Armee in Bewegung gesetzt, um den Verschütteten zu helfen. 100 Hubschrauber sind in der Katastrophenregion im Einsatz, dazu kommen 116.000 Soldaten. Den Überlebenden droht weiterhin Gefahr durch beschädigte Staudämme.

Die chinesische Führung hat die Öffentlichkeit um Hilfe für die Erdbebenopfer gebeten. Konkret ging es um Ausrüstungsgegenstände - angefangen von Hämmern und Schaufeln bis hin zu Kränen und Gummibooten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Das Staatsfernsehen hatte gezeigt, wie Retter oft mit ihren bloßen Händen nach Verschütteten graben mussten.

Unterdessen wurden 101 weitere Hubschrauber in die von dem schweren Erdbeben verwüstete Provinz Sichuan entsandt. Die 71 militärischen und 30 zivilen Helikopter sollen die Bergungsarbeiten unterstützen. Derzeit sind über 116.000 Angehörige von Armee und Polizei für Rettungs- und Bergungsarbeiten aufgeboten.

Die Zahl der offiziell bestätigten Toten ist mittlerweile auf fast 20.000 gestiegen. Das berichtete die Provinzregierung von Sichuan. Es wurde davon ausgegangen, dass die Zahl der tatsächlichen Opfer aber noch weit höher liegt. Betroffen von dem Beben der Stärke 7,8 in der Provinz Sichuan vom Montag sind nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua insgesamt rund zehn Millionen Menschen.

Den Überlebenden droht neue Gefahr durch beschädigte Staudämme. Oberhalb der Stadt Beichuan, wo tausende Verschüttete noch unter Trümmern liegen, hatte ferner ein großer Erdrutsch den Jianjiang-Fluss blockiert. Das Wasser staute sich an der Barriere aus Geröll und Felsen zu einem See. Die Behörden warnten vor einer Flutwelle und haben die Bergungsarbeiten in der Stadt zeitweise eingestellt, wie chinesische Medien berichteten.

Rettungstrupps und Bewohner suchten Zuflucht in höher gelegenen Gebieten, berichtete die Zeitung "Guangzhou Ribao". Einige Retter, darunter Feuerwehrleute mit speziellem Bergungsgerät kehrten später aber ungeachtet der Gefahr in die Stadt zurück. "Wenn die Blockade im Fluss bricht, wird eine Flutwelle die Stadt überschwemmen", warnte ein Experte. "Die Verschütteten werden alle umkommen." Eine "beträchtliche Zahl" von Wasserprojekten ist durch das Erdbeben in der Provinz Sichuan beschädigt. "Dammbrüche können zu massenhaft Opfern führen, wenn die Inspektionen und die Rettungsarbeiten nicht rechtzeitig erfolgen", warnte der Vizeminister für Wasserressourcen laut "China Daily" in einer Telefonkonferenz mit Behörden in Sichuan und anderen betroffenen Provinzen.

An mehr als 400 Staubecken im Land sind Sicherheitsprobleme aufgetreten. Dies habe eine Überprüfung von Wasserspeichern, Wasserkraftwerken und Dämmen in fünf Provinzen ergeben, berichtete das staatliche chinesische Fernsehen.

Im Landkreis Maoxian waren zwei Staudämme so "schwer beschädigt", dass Evakuierungen angeordnet wurden, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Auch von einem der beiden großen Staudämme im Erdbebengebiet in Zipingpu drohte zunächst Gefahr für die Stadt Dujiangyan. Die Staumauer zeigte Risse. Um den Druck zu verringern, wurde Wasser aus dem Reservoir abgelassen. Nach einer Inspektion teilten die Behörden aber später mit, dass der Staudamm sicher sei.

Auch ein Deutscher ist in der südchinesischen Stadt Deyang ums Leben gekommen, sein Tod stehe aber nicht im Zusammenhang mit dem Erdbeben, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zu weiteren Einzelheiten wollte sie sich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht äußern.

Nach Informationen des chinesischen Außenministeriums in Peking starb der Mann offenbar an den Folgen einer nicht näher beschriebenen Krankheit. "Vielleicht war es eine Herzkrankheit", sagte der Sprecher des Außenministeriums. "Ich weiß nicht, welche Krankheit es war." Der Mann war nach diesen Angaben in Deyang beschäftigt.

DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker