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Erste Evakuierung in Brandenburg: "Das ist kein gewöhnliches Hochwasser"

Während sich die Hochwasserlage in Sachsen entspannt hat, hat sich die Lage in Brandenburg verschärft. Teile der Innenstadt von Elsterwerda müssen geräumt werden. Mehrere Tausend Menschen sind betroffen. Auch in anderen Städten könnten Evakuierungen nötig werden.

Die Hochwasserlage im Süden Brandenburgs hat sich am Mittwoch zugespitzt. Für den Landkreis Elbe-Elster wurde Katastrophenalarm ausgelöst. "Besonders kritisch ist die Lage an der Schwarzen Elster", sagte Wolgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus am Morgen. Teilweise sind dort die Deiche überspült worden. Seit dem Nachmittag werden auf Anordnung des Katastrophenstabes Teile der Innenstadt von Elsterwerde geräumt. Rund 2500 Menschen sind betroffen.

Patienten eines Klinikums werden derzeit auf andere Häuser in der Umgebung verteilt. Bereits am Morgen mussten die Schüler des Elsterschloss-Gymnasiums das Gebäude verlassen. "Der Schulbetrieb wurde eingestellt", sagte ein Polizeisprecher. Auch in Bad Liebenwerda bedroht das steigende Wasser der Schwarzen Elster die Innenstadt. Hier ist ebenso mit einer Evakuierung zu rechnen. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit Stunden. Der Wasserstand hatte die Schwelle der höchsten Alarmstufe 4 schon am Vormittag deutlich überschritten.

Schwarze Elster führt Rekordhochwasser

Hunderte Feuerwehrleute und andere Helfer waren am Mittwoch im Einsatz, um mit Sandsäcken Deiche zu stabilisieren und von den Wassermassen bedrohte Gebäude zu schützen. Ein mehrere Meter langer Deichriss der Schwarzen Elster konnte nur mit Mühe geflickt werden. In manchen Gebieten wurden überflutete Straßen leergepumpt. Die zeitweise wegen Hochwassers voll gesperrte Autobahn A 13 Dresden-Berlin konnte inzwischen in Richtung Berlin teilweise wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Die Situation an der Schwarzen Elster sei jetzt sehr kritisch und dramatischer als bei der Flut vor sieben Wochen, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). "Wir haben dort die historisch höchsten Wasserstände, die je gemessen wurden", äußerte er bei einem Besuch in Spremberg (Spree-Neiße). Am Pegel Bad Liebenwerda übertraf der Wasserstand den kritischen Wert der Stufe 4 um mehr als 30 Zentimeter und näherte sich der Marke von 3,50 Meter. Sonst ist der Wasserstand des kleinen Flusses dort nur etwa halb so hoch. Dagegen fiel der Wasserstand des Nebenflusses Pulsnitz am Pegel in Elsterwerda wieder unter die Marke für die Stufe 4.

Nach wenigen Wochen erneut eine Flut

Regierungschef Platzeck bezeichnete das Hochwasser in der Lausitz als das bislang schlimmste des Jahres. "Die Situation bereitet mir Sorgen", bemerkte er. Zugleich lobte Platzeck die Professionalität der Hilfskräfte, die gut trainiert seien. "Das ist kein gewöhnliches Hochwasser", sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, der Nachrichtenagentur DPA.

Umweltministerin Anita Tack (Linke) äußerte Verständnis für die Sorgen und Ängste der Bewohner. "Im Augenblick sieht es aber so aus, dass alles hält", sagte sie in Spremberg. In der Stadt war der Pegelstand der Spree über die kritische Höchstmarke 4 gestiegen, die bei vier Meter liegt. Häuser in Uferbereichen wurden durch zwei Notdeiche geschützt.

Wasser aus Talsperre soll kontrolliert ablaufen

Nach Angaben des Innenministeriums sind mehr als 800 Helfer im Einsatz, rund 150.000 Sandsäcke wurden in die Hochwassergebiete gebracht. In der Region bemühten sich bis zu 240 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk um das Abpumpen von Wasser an besonders gefährdeten Stellen.

Unterdessen ließ die Hochwasserwelle aus Sachsen die Neiße bei Klein Bademeusel (Spree-Neiße) auf die Stufe A 2 anschwellen, Tendenz steigend. Die Baustelle an der Talsperre Spremberg sollte bis Mittwochabend geräumt sein. Dann könnten etwa 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus dem Stausee kontrolliert in Richtung Cottbus und Spreewald abgelassen werden. Zurzeit fließt mehr als doppelt so viel Spreewasser aus Sachsen in die Talsperre. An der Oder steigen ebenfalls die Wasserstände.

dho/DPA/AFP / DPA