VG-Wort Pixel

Corona-Pandemie Fake News lösen Ansturm auf philippinische Impfstellen aus

Impfung im Vorbeifahren in Manila
Impfung im Vorbeifahren in Manila: Angesichts einer Zunahme der Corona-Neuinfektionen haben die Behörden in der philippinischen Hauptstadt erneut eine strikte Ausgangssperre verhängt.
© Aaron Favila / Picture Alliance
Die Impfkampagne auf den Philippinen kommt nur sehr schleppend voran. Doch nun hat sie kurz einen ungeplanten Schub erhalten – durch die Verbreitung falscher Nachrichten.

Die Corona-Zahlen auf den Philippinen steigen seit Juli wieder an. Die Behörden haben deshalb in der Region um die Hauptstadt Manila und in der benachbarten Provinz Laguna erneut einen Lockdown angeordnet, der an diesem Freitag in Kraft getreten ist. Die Einschränkungen sehen vor, dass nur Mitarbeiter wichtiger Unternehmen und Einwohner, die medizinische Notfälle versorgen oder Lebensmittel kaufen müssen, ins Freie dürfen.

Massenansturm legt Straßenverkehr lahm

Viele Betroffene dachten aber offenbar, dass die Maßnahmen noch deutlich härter ausfallen würden. Schuld daran war die Verbreitung von Fake News, wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet. Einen Tag vor der Abriegelung verbreitete sich demnach in den sozialen Medien die Falschmeldung, dass nicht geimpfte Einwohner entweder ihr Haus nicht verlassen dürften, um zur Arbeit zu gehen, oder dass ihnen eine Beihilfe in Höhe von 1.000 Pesos (20 US-Dollar) entzogen werde. Daraufhin seien große Menschenmassen zu den Impfzentren in den Städten Manila, Las Pinas und Antipolo gestürmt, auch ohne vorherige Anmeldungen.

Tausende Menschen hätten sich über mehrere Blocks in den ausgewiesenen Regierungszentren und Einkaufszentren eingereiht, um sich impfen zu lassen, schreibt AP. Der Andrang habe teilweise zu Streit und Beschwerden geführt und den Straßenverkehr zum Erliegen gebracht.

Allein in Manila versammelten sich der Nachrichtenagentur zufolge bis zu 22.000 Personen bereits vor dem Morgengrauen vor den Impfzentren. Die Menschen seien in Gruppen und in Lieferwagen aus den nahe gelegenen Provinzen gekommen, wobei einige "rüpelhaft Barrikaden entfernten", teilte die Stadtverwaltung demnach unter Berufung auf Polizeiberichte mit. Viele seien nicht im Rahmen des Immunisierungsprogramms von Manila registriert gewesen. Die Polizei habe sich gezwungen gesehen, die Impfungen in mindestens einem Einkaufszentrum zu stoppen und forderte die Menschenmenge auf, nach Hause zu gehen.

"Wir können nicht zulassen, dass unser nationales Impfprogramm zu einem Superspreader-Ereignis wird, insbesondere angesichts der Bedrohung, die von der Delta-Variante ausgeht", erklärte das Gesundheitsministerium laut AP nach den chaotischen Szenen.

Später stellte das Ministerium klar, dass sich auch ungeimpfte Einwohner im Falle eines medizinischen Notfalls nach draußen begeben könnten. Sie könnten auch eine Genehmigung einholen, um Lebensmittel, Medikamente oder andere lebenswichtige Dinge zu kaufen. Die Behörden warnten die Öffentlichkeit davor, auf gefälschte Nachrichten in den sozialen Medien hereinzufallen, und forderten sie auf, den offiziellen Ankündigungen der Regierung zu folgen.

"Von mir aus könnt ihr jederzeit sterben"

Kritiker gaben dem Bericht zufolge Präsident Rodrigo Duterte teilweise die Schuld an der Verwirrung. Der Staatschef hatte die Bürgerinnen und Bürger vergangene Woche gewarnt, dass Impfverweigerer als Schutz gegen die Ausbreitung der Delta-Variante ihre Häuser nicht verlassen dürften. "Wenn Sie rausgehen, werde ich die Polizei bitten, Sie nach Hause zu bringen. Sie werden zurück in Ihr Haus eskortiert, weil Sie ein wandelnder Überträger sind", hatte Duterte gedroht, zugleich aber eingeräumt, dass es kein spezielles Gesetz für eine solche Einschränkung gebe.

An Menschen gerichtet, die eine Immunisierung gegen Covid-19 ablehnen, hatte Duterte gesagt: "Von mir aus könnt ihr jederzeit sterben."

Emotionale Nachricht: Krankenschwester aus den USA beweint Corona-Grauen

Die Philippinen haben große Probleme mit ihrer Impfkampagne, die Bevölkerung ist deshalb kaum geschützt gegen eine mögliche neue Infektionswelle. Nur gut zehn Millionen der 110 Millionen Einwohner sind vollständig geimpft. Experten hatten zuletzt gewarnt, dass ein Anstieg der Infektionen mit der ansteckenderen Delta-Variante das Gesundheitssystem überlasten könnte.

Quellen: Associated Press, CNN, Johns-Hopkins-Universität, AFP

mad

Mehr zum Thema

Newsticker