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Mehrere Stunden unentdeckt Flüchtling aus Nordkorea schwimmt nach Südkorea – und kommt durch Abwasserkanal an Land

Südkoreanische Soldaten patrouillieren in der entmilitarisierten Zone
Südkoreanische Soldaten patrouillieren in der entmilitarisierten Zone (Archivfoto)
© Ahn Young-Joon/AP / DPA
Eine spektakuläre Flucht ist einem Nordkoreaner gelungen. Offenbar mehrere Stunden ist er durchs Meer in das Nachbarland Südkorea geschwommen. Durch einen Abwasserkanal sei er dann an Land gekommen, wo es mehrere Stunden dauerte, bis er gefunden wurde.

Ein nordkoreanischer Flüchtling hat schwimmend die Grenze nach Südkorea überwunden. Der Mann, der einen Taucheranzug und Schwimmflossen trug, wurde erst Stunden nach seiner Ankunft nördlich des Küstenorts Goseong von Grenzschützern entdeckt, wie ein Vertreter der Militärführung in Seoul am Dienstag der Nachrichtenagentur Yonhap sagte. Laut Yonhap ereignete sich der Vorfall bereits am 16. Februar.

Er habe vermutlich sechs Stunden gebraucht, um die schwer bewachte Demilitarisierte Zone zwischen beiden Ländern zu umschwimmen. Unter seinem Taucheranzug habe er eine gefütterte Jacke getragen, so dass er nicht ausgekühlt sei. Schließlich gelangte er den Angaben zufolge durch einen Abwasserkanal unter dem Stacheldrahtzaun auf südkoreanischer Seite an Land. 

Verteidigungsminister räumt Versäumnisse ein

Obwohl der Mann mehrfach von Überwachungskameras der südkoreanischen Armee erfasst wurde und Alarm ausgelöst wurde, blieb er mehr als drei Stunden unentdeckt. Als dann eine Fahndung eingeleitet wurde, dauerte es nochmals drei Stunden, bis Soldaten den schlafenden Mann schließlich aufgriffen. Der Geflüchtete habe geäußert, dass er nach Südkorea überlaufen wollte.

Wie es vom südkoreanischen Militär weiter hieß, sei der Nordkoreaner ein Zivilist, der in der Fischereiindustrie gearbeitet habe. Nach Angaben von Yonhap ist der Mann in seinen Zwanzigern und es wurden bisher keine Hinweise auf Spionage gefunden.

Südkoreas Verteidigungsminister Suh Wook räumte bei einer Anhörung im Parlament Versäumnisse der Grenzschützer ein. Zudem seien die Überwachungskameras in der betreffenden Region veraltet und störanfällig. Er kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen. 

Weniger Fluchten von Nord- nach Südkorea wegen Corona

Nur wenige Überläufer aus dem Norden überqueren direkt die schwer bewachte Demilitarisierte Zone oder erreichen über den Seeweg den Süden. Die meisten Flüchtlinge reisen zunächst nach China und versuchen dann über Drittstaaten nach Südkorea zu gelangen.

Nord- und Südkorea befinden sich seit dem Ende des Korea-Krieges formell weiter im Kriegszustand. Mehr als 30.000 Nordkoreaner flohen in den vergangenen Jahrzehnten in den Süden. Im Jahr 2019 erreichte ein Holzboot mit vier Nordkoreanern unentdeckt einen südkoreanischen Hafen. Nach den Grenzschließungen wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr sank die Zahl Geflohenen im vergangenen Jahr auf 229.

rw AFP

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