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Nach Chaos am Flughafen in London: Gatwick und der mysteriöse Shutdown-Fall: Die irritierende Kommunikation der Polizei

Wer ist für die Drohnenflüge am englischen Airport Gatwick verantwortlich - und was ist das Motiv? Der Fall bleibt mysteriös. Rund 200 Drohnen-Sichtungen sollen der Polizei gemeldet worden sein. Die Ermittler stehen stark in der Kritik.

Verzweifelte Passagiere während der Gatwick-Sperrung - Polizei spricht von "zahlreiche Drohnensichtungen"

Verzweifelte Passagiere während der Gatwick-Sperrung - Polizei spricht von "zahlreiche Drohnensichtungen"

Getty Images

Drohnen? Keine Drohnen? Doch, Drohnen! Etwa eine Woche nach den Drohnen-Störaktionen über dem Londoner Großflughafen Gatwick tappt die Polizei bei der Suche nach den Tätern und dem Motiv im Dunkeln. Die Ermittler stehen stark in der Kritik, die Polizei gibt einen so schlechten Eindruck ab, dass Mitglieder des Parlaments nun fordern, Scotland Yard solle die Ermittlungen übernehmen.

Die Polizei entschuldigte sich bereits für ihre "schlechte Kommunikation". Bisher sah die Arbeit so aus: Die Polizei nahm ein verdächtiges Paar fest, die Identitäten der beiden gelangten an die Presse, wurden veröffentlicht, dann stellte sich heraus, der Mann habe nur Interesse an Drohnen, ein Motiv gab es nicht, die Polizei ließ das Paar gehen. Der Mann und die Frau waren unschuldig.

Polizei zu Gatwick: Doch keine Drohnen? Doch, Drohnen!

Gleich im Anschluss verkündete die Polizei, es habe vielleicht gar keine Drohnen gegeben, bei einem Einsatz in der Nähe sei man auf die Warnlichter eines Krans gestoßen, nicht auf Drohnen. Doch mittlerweile geht die Polizei wieder von Drohnen aus. Knapp 200 Sichtungen soll es gegeben haben, berichtet die britische Nachrichtenagentur PA.

Aktuell heißt es, die Ermittler hätten dazu schon Dutzende Aussagen - darunter auch vom Flughafenpersonal - eingeholt. Die Polizei selbst sprach öffentlich bislang nur von "zahlreichen Sichtungen", die sich auf "37 Ereignisse" beziehen. Es wurde gar eine zerstörte Drohne am siebtgrößten Flughafen Europas entdeckt. Die Ermittler erhoffen sich neue Hinweise.

Zudem gaben sie einen Hinweis raus: Wer zu Weihnachten eine Drohne geschenkt bekommen habe, sollte auf keinen Fall das Gerät in der Nähe eines Airports ausprobieren, warnte die Polizei. Bei einem Verstoß drohten eine Geldbuße und eine Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren.

Parlamentsmitglieder: Scotland Yard soll übernehmen

Die undurchsichtige Polizeiarbeit ruft bereits die ersten Parlamentsmitglieder auf den Plan. Mehrere Abgeordnete, darunter John Woodcock forderten, Scotland Yard solle zu den Ermittlungen herangezogen werden oder den Fall gar komplett von der Polizei Sussex übernehmen. Auch der Labour-Politiker Lord Harris of Haringey aus dem House of Lords forderte, solch einen Fall den Eliteermittlern des Landes zu überlassen.

Das festgenommene Paar war offenbar nur unter Verdacht geraten, weil der Mann begeistert von Drohnen war. Nach seiner Freilassung sprachen die beiden mit der Presse. "Wir fühlen uns total verletzt", sagte der 47-Jährige weinend. Er und seine Partnerin seien nun in ärztlicher Behandlung. Nachbarn und sein Arbeitgeber hatten ihn zuvor als absolut zuverlässig beschrieben.

Belohnung für Hinweisgeber

Der Airport war wegen des Drohnen-Alarms vor den Weihnachtsferien geschlossen worden; etwa 1000 Flüge mit 140.000 Passagieren fielen aus. Am Wochenende startete dann wieder der Normalbetrieb.

Airport-Geschäftsführer Stewart Wingate hatte von einer "präzise geplanten Aktivität" gesprochen, die den Flughafen lahmlegen sollte. 

Um in dem mysteriösen Fall weiterzukommen, gibt es für wichtige Zeugen oder Hinweisgeber eine Belohnung von insgesamt 60.000 Pfund (umgerechnet etwa 66.000 Euro): Der Flughafen Gatwick stellte 50.000 Pfund in Aussicht und ein Mitglied des Parlaments 10.000 Pfund.

Quellen: DPA, "Telegraph", "Daily Mail", "Mirror"

feh / DPA