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Großbrand in Israel: Einsatzkräfte kämpfen um Rest der "grünen Lunge"

Früher war das Karmel-Gebirge in Israel ein landschaftliches Kleinod. Zwei Tage nach Ausbruch eines verheerenden Waldbrandes gleicht jetzt ein Viertel einer Wüste. Die Einsatzkräfte hoffen, den Rest der "grünen Lunge" mit der Hilfe aus dem Ausland zu retten.

Es ist ein ökologisches Desaster. Seit mehr als zwei Tagen wütet der Waldbrand im israelischen Karmel-Gebirge. Weite Teile gleichen inzwischen einer Wüstenlandschaft - verkohlte Bäume und überall eine dicke weiß-gräuliche Schicht aus Asche.

Gleich nach Tagesanbruch um 06.00 Uhr (Ortszeit) haben die Löschflugzeuge am Samstag abgehoben. Die Piloten der acht ausländischen Maschinen aus Frankreich, Griechenland, Russland, der Türkei und Zypern fliegen einen Einsatz nach dem anderen. Besonders die russische Iljuschin 76 macht den Unterschied. Mit nur einer Ladung kann dieses extrem große Löschflugzeug mehr als 40 Tonnen Löschmittel versprühen.

Der massive Einsatz zeigt erste Erfolge. Aus der Luft sehe alles nicht mehr so schlimm aus wie an den beiden Vortagen, schätzt die israelische Armee ein. Auch die mehr als 3000 Feuerwehrleute und Soldaten stellen fest, dass die Flammen schwächer werden.

Augenzeugen berichten, dass die Feuerwalze, die sich am Donnerstag rasend schnell in das Gebirge gefressen hat, verschwunden ist. Auch die Rauchwolke sieht nicht mehr so gefährlich aus. Aber überall gibt es noch Brandnester. Mal geht hier ein ausgedörrter Busch plötzlich in Flammen auf, mal züngelt an anderer Stelle eine Flamme durchs knochentrockene Unterholz.

"Ein Erfolg hängt vor allen von den Temperaturen und vom Wind ab", sagt Polizeisprecher Mickey Rosenfeld. Mit 27 Grad Celsius ist die Temperatur seit Tagen nahezu gleich. Erst für Montag sagen die Meteorologen einen Temperatursturz und Regen voraus.

Auch der Wind schlägt den Feuerwehrleuten immer wieder ein Schnippchen. Alle 20 Minuten weht er aus einer anderen Richtung. Neben der allgemeinen Großwetterlage machen noch andere Kalamitäten den Einsatzkräften zu schaffen. Zum einen können die Löschflugzeuge während der Nachtstunden nicht fliegen. Zum anderen zeigen sich nicht alle der 17 000 Menschen einsichtig, die vor dem Flammenmeer geflüchtet waren. Viele sind zurückgekehrt im Glauben, dass ihr Haus verschont blieb. Und plötzlich dreht dann das Feuer wieder.

Und dann gibt es noch eine Spezies Mensch, hinter der die Polizei besonders her ist. Die Brandstifter. Zwar haben erste Ermittlungen nach den Worten von Polizeisprecher Rosenfeld ergeben, dass der Großbrand nicht gelegt wurde, aber die Polizei hegt den Verdacht, dass Unbekannte immer wieder kokeln und neue Brandherde legen wollen.

Die Polizei vermutet, dass Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit hinter dem bislang schwersten Waldbrand in der Geschichte Israels stecken. Ein Problem sind beispielsweise wilde Mülldeponien. Dort könnte sich Hausmüll entzündet haben.

Abgesehen vom ökologischen Schaden trifft der verheerende Waldbrand auch die israelische Tourismusindustrie. Die Pinien- und Kiefernwälder im Karmel-Gebirge haben Wanderer wie Tagestouristen gleichermaßen angezogen. Der Hummus, ein Gericht aus pürierten Kichererbsen, schmeckt in den Dörfern der Drusen besonders lecker.

Mindestens ein Viertel der Fläche des Karmel-Gebirges sei verbrannt, sagt Rosenfeld. Aus Erfahrungen mit bisherigen Waldbränden schätzt die Forstbehörde, dass es mindestens 40 bis 50 Jahre dauern, bis die Landschaft wieder so aussieht, wie vor Ausbruch des Feuers am Donnerstag.

Hans Dahne, DPA / DPA