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Grubendrama von Chile Das Martyrium des "Schriftstellers"


Er ist einer der bekanntesten der 33 Bergleute von Chile: Victor Segovia führte Tagebuch über das quälenden 69 Tage im Bergwerk San José. Mit dem stern sprach der Kumpel über das Leben unter Tage und gestand: "Ich habe daran geglaubt, dass ich sterben werde."

Er ist einer der 33 Helden von Chile – und wurde als "Schriftsteller" bekannt: Victor Segovia führte Tagebuch über das Martyrium in der Grube von San José. Mit dem stern sprach der Bergmann über die 69 Tage unter der Erde.

"Die ersten Minuten hat keiner von uns ein Wort gesagt. Die Jungen, weil sie ja gar nicht wussten, was ihnen drohte. Und wir Älteren, weil wir niemandem Angst machen wollten", schildert Segovia in der neuen Ausgabe des Magazins die ersten Momente nach dem Einsturz der Grube. Nach zwei Tagen hätten sich die Männer aufgemacht, die Mine zu erkunden und nach einem Ausgang zu suchen. Doch: "Es war aussichtslos. Irgendwann stand man wieder vor einer Wand aus Fels."

"Immer wieder hat irgendeiner geweint"

Es bildete sich danach schnell eine Hierarchie im Bergwerk, der 40-jährige Mario Sepulveda übernahm die Chefrolle, Schichtleiter Luiz Urzua schwieg die meiste Zeit. "Wir alle waren froh, dass da überhaupt jemand die Initiative übernommen hat", sagte Segovia dem stern. Viele Bergleute seien mit der "Situation überhaupt nicht zurecht" gekommen. "Immer wieder hat irgendeiner geweint. Auch ich. Die Jungen haben sich noch besser gehalten als wir Alten. Vielleicht auch, weil wir ja besser wussten, was uns drohen könnte."

Ziemlich früh begann er dann Tagebuch zu führen – und hielt die Stufen des größer werdenden Elends fest. So gingen, wie er notierte, nach einer Woche die Thunfischreserven zur Neige. Von dem abgestandenen Wasser bekamen die meisten Kumpel Durchfall. Juckende Pickel und Ausschläge quälten die Truppe. Dazu die psychischen Qualen. Segovia gesteht im stern: "Ich hab fest daran geglaubt, dass ich sterben werde. Und ich habe mir gewünscht, dass es einfach so im Schlaf passiert." Sein Tagebuch, um das sich jetzt Verlage reißen, half Segovia zu überleben, schildert er im stern. Er sei sich aber "nicht ganz sicher, ob ich das Ganze veröffentlichen will". Fast hätte er keine Wahl gehabt: Seine Aufzeichnungen vergaß der Bergmann zunächst im Stollen – ein Kumpel brachte sie ihm mit.

ben

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