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Kholoud Bariedah aus Saudi-Arabien: "Einer schlug. Und drei schauten zu"

Kholoud Bariedah hat ein Martyrium hinter sich. Weil sie eine Party besucht hat, wurde die Frau aus Saudi-Arabien zu vier Jahren Haft und 2000 Stockhieben verurteilt. Doch dann lernte sie den Koran auswendig. Im stern erzählt sie ihre Geschichte.

Kholoud Bariedah

Kholoud Bariedah, 32, lebt heute in Berlin

stern

Es ist eine Geschichte wie aus der Vorhölle – eine junge Frau, lebenslustig, wird zur Gefangenen eines religiösen Willkürsystems. Was Kholoud Bariedah vor zwölf Jahren in Saudia-Arabien erlebt hat, ist nach westlichen Maßstäben unfassbar. Als Teenager wurde sie von der saudischen Religionspolizei auf einer Party aufgegriffen. Ihr "Vergehen": mit fremden Männern in einem Appartement gewesen zu sein und dabei Alkohol getrunken zu haben.

Stockhiebe und Gefängnis für einen Party-Besuch

Ein Gericht verurteilt sie daraufhin zu vier Jahren Haft und 2000 Stockhieben. Sie kommt in eine Besserungsanstalt für junge Frauen in Mekka, muss zunächst in Einzelhaft, erlebt dort dann, gemeinsam mit anderen verzweifelten gefangenen Frauen, die Willkür und Schikanen der Wärterinnen - und beschließt in einem beispiellosen Kraftakt, den kompletten Koran auswendig zu lernen, um so die Hälfte ihrer Strafe erlassen zu bekommen. Sie taucht ein in die religiöse Welt, schafft es tatsächlich, kommt vorzeitig frei, um schon wenige Monate später zu erkennen, dass sie sich vom Islam lossagen muss. Das aber kann sie nur im Exil.

Im stern erzählt Kholoud Bariedah erstmals die Geschichte ihrer staatlich verordneten Demütigung ("Einer schlug. Und drei andere schauten zu"), ihrer Flucht in den Koran und ihrer Abkehr vom Islam. Im Gespräch schildert sie dabei "die totale Erniedrigung. Es geht dabei nur um Demütigung. Man wird beleidigt, herabgesetzt." Jeden zweiten Freitag war Prügeltag. Jeweils 50 mal wurde sie dann geschlagen – ein Martyrium, das schweigend erduldet werden musste, andernfalls hätten die Hiebe von vorn angefangen.

"Ich kann mein Leben nicht nach dem Koran ausrichten" 

Und doch bezeichnet Kholoud Bariedah weniger die Prügel als vielmehr das totale Ausgeliefertsein aller gefangenen Frauen als das Schlimmste, was sie im Knast erlebt hat. Viele Mädchen und Frauen seien über Jahre im Gefängnis festgehalten worden, einzig und allein, weil sie von ihrem männlichen Vormund nicht abgeholt worden seien. Mittlerweile kämpft die heute 32-Jährige aus dem deutschen Exil "gegen die männliche Vormundschaft für jede Frau in meiner Heimat – es ist ein Relikt aus dem Mittelalter". Bariedah hat deshalb ein Buch geschrieben – "Keine Tränen für Allah" (Knaur-Verlag, 320 Seiten, 16,99 Euro) – das in diesen Tagen auf den Markt kommt. Im sagt sie: "Ich liebe den Koran. Er ist ein besonderes Buch. Aber ich kann mein Leben nicht nach diesem Buch ausrichten."

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