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Hamburg Ein Baby stirbt kurz vor der Geburt im Krankenhaus – die Eltern erheben schwere Vorwürfe 

Das Hamburger Marienkrankhaus verzeichnet die meisten Geburten der Hansestadt
Das Hamburger Marienkrankhaus verzeichnet die meisten Geburten der Hansestadt. Im Jahr 2018 erblickten hier 3565 Kinder das Licht der Welt
© Angelika Warmuth / DPA
Der Fall eines kurz vor der Geburt gestorbenen Babys wühlt Hamburg auf. Die Mutter soll laut Zeugen sogar schon im Kreißsaal gelegen haben und musste ihn dann wieder verlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Fall ist erschütternd: In einem Hamburger Krankenhaus ist vor wenigen Tagen ein Junge kurz vor der Geburt gestorben. Die Todesursache ist bislang unklar, die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.

Die tragischen Ereignisse, die sich im Marienkrankenhaus zugetragen haben, sind bislang nur aus der Sicht der Betroffenen bekannt. Demnach seien die Mutter und ihre Schwester am Stichtag ins Krankenhaus gefahren, aber wieder nach Hause geschickt worden, "weil es noch nicht soweit war", wie die Schwester der "Hamburger Morgenpost" sagte. In der Nacht sei dann die Fruchtblase geplatzt und sie seien zurück ins Krankenhaus gefahren.

Der Notkaiserschnitt kam zu spät

Wie üblich sei die 32-jährige Mutter, die in der Vergangenheit bereits zwei Fehlgeburten erlitten habe, in der Klinik an den Wehenschreiber (CTG) gelegt worden. Die Werte seien normal gewesen, das Herz des kleinen Jungen habe kräftig geschlagen und am frühen Morgen sei die Schwangere in den Kreißsaal verlegt worden. Auch die folgenden zwei CTGs sollen vollkommen in Ordnung gewesen sein. Der Herzschlag des Jungen war bis zu diesem Zeitpunkt einwandfrei.

Dann habe sich die Situation geändert, wie die Schwester erzählt, die gegenüber der "Mopo" angab, die ganze Zeit an der Seite der Schwangeren gewesen zu sein. Diese habe Blutungen bekommen und die Wehen hätten eingesetzt. Trotzdem hätten sie den Kreißsaal verlassen müssen: "Die Station war total überfüllt und es gab zu wenig Personal, um die Gebärenden angemessen zu betreuen", erzählt die Schwester ihre Sicht der Dinge. Ihre Schwester habe sich vor Schmerzen gekrümmt. Beim nächsten CTG seien keine Herztöne mehr zu hören gewesen. Die Ärzte hätten noch versucht, das Kind per Notkaiserschnitt zu retten, aber es war vergebens. Der Junge war tot.

Die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, bestätigte dem stern, dass ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden ist: "Zuerst muss die genaue Todesursache geklärt werden, davon hängt ab, ob weiter ermittelt wird und möglicherweise ein Fremdverschulden vorliegt", bestätigte sie. Neben der Obduktion müssten zudem weitere Untersuchungen, etwas Gewebeuntersuchungen, durchgeführt werden, um festzustellen, ob Vorerkrankungen beim Jungen oder der Mutter vorgelegen hätten, sagte Frombach weiter. Wann mit ersten Ergebnissen zu rechnen sei, könne sie nicht sagen.

Marienkrankenhaus äußert sich bislang nicht 

Die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) dringt auf eine schnelle Aufklärung. Sie sei im regelmäßigen Kontakt mit dem Marienkrankenhaus, sagte sie. Die Eltern haben sich einen Anwalt genommen und Klage gegen das Krankenhaus eingereicht. 

Das Marienkrankenhaus, das die größte Geburtsstation in Hamburg betreibt, hat bislang nur eine allgemeine Stellungnahme abgegeben: "Unabhängig von allen Einzelfragen möchten wir den Eltern und der Familie unser tiefes Mitgefühl aussprechen. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir Presseanfragen aktuell nicht beantworten können. Derzeit werden alle relevanten Vorgänge sorgfältig überprüft, da wir sehr an einer transparenten Aufklärung interessiert sind."

Quellen: "Hamburger Morgenpost" "NDR 90,3", "Hamburger Abendblatt", "Focus" 

tis

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