Hintergrund Wie finden Ermittler die Brandursache?


Nach dem verheerenden Wohnhausbrand in Ludwigshafen sind Kriminaltechniker auf der Suche nach der Brandursache. stern.de erklärt, wie eine solche Suche vor sich geht und wie die Ermittler in den verkohlten Trümmern überhaupt noch Spuren finden.

Der Brandherd ist entscheidend. Sucht der Kriminaltechniker der Polizei nach einem Großfeuer nach den Ursachen, muss zu allererst der Brandherd ausfindig gemacht werden. Dann geht die Suche nach dem Auslöser los - in den meisten Fällen handelt es sich um einen technischer Defekt oder um Brandstiftung.

Bevor die Suche nach der Brandursache beginnen kann, muss allerdings sichergestellt sein, dass die Ermittler den Brandort gefahrlos betreten können. Die Statik des Gebäudes ist hierbei der entscheidende Faktor. Denn die Experten sollen auf keinen Fall durch herabstürzende Gebäudeteile, einstürzende Böden oder Treppen gefährdet werden.

Metalle geben entscheidende Hinweise

Als Hinweise, wo das Feuer ausgebrochen ist und wie es sich durch das Gebäude gefressen hat, können unterschiedliche Metalle und deren Schmelzpunkte dienen. Geschmolzene Kupferkabel deuten oft auf einen technischen Defekt an einem Elektrogerät oder einer Steckdose hin. Aber auch Türklinken, Garderobenhaken oder sonstige Gegenstände aus Metall lassen durch ihren Zustand und den Schmelzpunkt ihres Materials Rückschlüsse auf die Brandtemperatur zu. Experten sprechen von der Brandlast.

Ist eine Zimmertür von einer Seite stärker verkohlt als von der anderen? Ist an einer Stelle ein Loch in sie gebrannt? Wo war sie der größten Brandlast ausgesetzt? Mit all diesen Hinweisen rekonstruieren Experten die Brandentwicklung und die Richtung, in die sich das Feuer ausgebreitet hat. Auch an verkohlten Resten von Möbeln lässt sich die Brandrichtung ablesen.

Hunde erschnüffeln Brandbeschleuniger

Die Experten bedienen sich aber auch unterschiedlicher Hilfsmittel. Speziell ausgebildete Hunde können trotz des enormen Brandgeruches noch Reste von Brandbeschleunigern erschnüffeln. Aber auch mit Laboranalysen lassen sich chemische Rückstände von Benzin, Spiritus und anderen brennbaren Stoffen - und mit ihnen eine Brandstiftung - nachweisen. Für einen kriminellen Hintergrund gibt es aber noch ein viel klareres Indiz: mehrere Brandherde. Können die Experten von Feuerwehr und Polizei nachweisen, dass das Feuer sich von mehreren Stellen aus in einem Gebäude ausgebreitet hat, ist eine Brandstiftung sehr wahrscheinlich.

In jedem Fall aber müssen die Gutachter sehr akribisch vorgehen. Je größer das niedergebrannte Gebäude und der Zerstörungsgrad sind, desto schwieriger und somit zeitaufwändiger ist die Suche nach der Brandursache.

Thomas Krause

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