Hochwasser in England 100.000 Menschen ohne Trinkwasser


In den Hochwassergebieten im Süden und Westen Englands steigt das Wasser weiter. Drei Milliarden Euro Schaden hat die Sintflut bisher angerichtet. Mehr als 100.000 Menschen haben immer noch kein Trinkwasser, die Stromversorgung konnte aber wieder hergestellt werden.

In einigen Hochwasserregionen im Westen und Süden Englands gibt es seit Dienstagmorgen wieder Strom. Die Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht und konnten 48.000 Haushalte wieder mit Elektrizität versorgen, berichtete die Nachrichtenagentur PA. Mehr als hunderttausend Bewohner in Tewkesbury, Gloucester und Cheltenham waren aber immer noch ohne Trinkwasser. Im Laufe des Tages sollten 900 Tankwagen eingesetzt werden, um die Menschen zu versorgen.

In der Grafschaft Gloucestershire, einer der am schlimmsten betroffenen Gegenden, gingen die Pegelstände langsam zurück. Das Zentrum der Stadt Gloucester entging in einer befürchteten Überflutung, als der Anstieg des Flusses Severn nur fünf Zentimeter unterhalb der fünf Meter hohen Flutschutzmauer stoppte.

In der Nacht war befürchtet worden, 250.000 Haushalte könnten von der Wasserversorgung abgeschnitten werden, wenn ein Wasser- und Elektrizitätswerk in Gloucester überschwemmt würde. Ein Sprecher sagte am Morgen, die Situation sei inzwischen unter Kontrolle.

Die Lage ist "kritisch"

Die Umweltbehörde teilte mit, dass die Flut in Oxford und Abingdon in der Nacht weniger schlimm ausgefallen war als erwartet. Am Morgen wollte das Notfall-Komitee der britischen Regierung, COBRA, zusammenkommen und über die Lage und das weitere Vorgehen beraten.

In den vergangenen Tagen waren die größten Flüsse Themse und Severn nach heftigen Regenfällen extrem angestiegen und hatten sogar den Pegelstand der bisher schlimmsten Flut vor 60 Jahren überschritten. Nach den sintflutartigen Regenfällen vom Wochenende gab die Umweltbehörde acht höchste Hochwasserwarnungen heraus. Die Lage sei "kritisch". Besonders betroffen sind neben Gloucestershire die Regionen Herefordshire, Lincolnshire, Oxfordshire and Berkshire.

Am Montag kam es bereits zu Massenevakuierungen, zahlreiche Menschen wurden mit Hubschraubern aus ihren Häusern gerettet. Anwohner mussten in Notunterkünften ausharren. Unternehmen spendeten Millionen Wasserflaschen. Die Behörden rechneten nicht damit, dass die Versorgung mit Trinkwasser in den kommenden Tagen wieder hergestellt werden kann.

Drei Milliarden Euro Schaden

Die Versicherer gehen von einem Schaden von umgerechnet rund drei Milliarden Euro aus. Premierminister Gordon Brown machte den Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich. Er versprach die Hochwasserhilfe von 600 Millionen auf 800 Millionen Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro) zu erhöhen. Es ist bereits die zweite große Flut, die Großbritannien in diesem Sommer heimsucht.

Die Luftwaffe sprach von ihrem größten Einsatz in Friedenszeiten. Soldaten und Feuerwehr waren im Dauereinsatz. Die Menschen fuhren mit Schlauchbooten auf den überfluteten Straßen, Feuerwehrwagen steckten im Wasser fest. Straßen wurden gesperrt und Zugverbindungen waren unterbrochen. Und Entwarnung ist nicht in Sicht: Für diesen Mittwoch sagten die Meteorologen erneut kräftigen Regen voraus.

DPA DPA

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