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Hochwassertouristen Hier gibt es nichts zu sehen!


Die Fluthelfer kämpfen nicht nur gegen Hochwasser. Gaffer verstopfen Zufahrtswege und stellen ihre Liegestühle auf Deichen auf. Saftige Bußgelder sollen das jetzt ändern.
Von Katharina Grimm

Noch schnell ein Erinnerungsfoto machen, es ist schließlich die Jahrtausendflut! Oder besser noch, ein Video. Wassermassen, die sich knapp unter der Brücke hindurchdrücken. Überschwemmte Bürgersteige, vollgelaufene Keller, abgesoffene Häuser. Das sieht man nicht alle Tage.

Katastrophentouristen sind für die Einsatzkräfte nicht bloß ein Ärgernis – sondern gefährden ihre Arbeit. Denn die Situation, aktuell vor allem an der Elbe, ist kritisch. Gerade rückt die Flut auf Dresden zu, am Wochenende soll das Hochwasser den Norden Deutschlands erreichen. Tausende Helfer sind im Einsatz: Sandsäcke füllen, auf LKW und Anhänger aufladen und an den Uferregionen aufstapeln. Wenn die Fahrzeuge denn durchkommen – denn Gaffer parken auf Zufahrtswegen, stellen Gartenstühle direkt an den durchweichten Ufern auf, drehen Videos, machen Fotos. Nicht selten müssen Einsatzkräfte die Autos der Fluttouristen aus dem Überschwemmungsgebiet abschleppen oder Straßen für Rettungswagen frei machen. Abenteuerlustige paddeln mit Schlauchbooten durch die Hochwassergebiete – und gefährden sich und andere unnötig.

Dresden bittet zur Kasse

Bereits Anfang der Woche hatte der Vorsitzende des Bayerischen Feuerwehrverbandes, Alfons Weinzierl, hohe Bußgelder für Katastrophentouristen gefordert: "Wenn er weiß, dass er 2000 bis 3000 Euro Strafe zahlen muss, wird es sich der Gaffer vielleicht überlegen." Zwar darf die Feuerwehr einen Platzverweis aussprechen – also Menschen auffordern, den jeweiligen Ort zu verlassen. Bußgelder kann aber nur die Polizei verhängen.

Nun reagieren die Behörden auf die Fluttouristen – und die Forderung der Einsatzkräfte. Seit Mittwoch gilt in Dresden eine Polizeiverordnung, die Schaulustige kräftig zur Kasse bittet. 1000 Euro werden fällig, wenn Gaffer den Einsatz der Helfer behindern. "Diese Polizeiverordnung ist für diejenigen gedacht, die anscheinend kein Verantwortungsgefühl für ihre Mitbürger empfinden," sagt Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. "Das Schlimme ist, dass es nicht nur lebensgefährlich für die Schaulustigen und Gaffer ist, sondern lebensgefährlich auch für die unschuldigen Helfer und Bürger, die sich dahinter befinden, teilweise hunderte Meter entfernt." Auch im niedersächsischen Lüneburg haben die Verantwortlichen reagiert. Wie in Dresden gilt: Wer den Deich betritt oder Rettungskräfte behindert, riskiert ein Bußgeld – in Lüneburg sogar bis zu 5000 Euro.

Strafrechtliche Folgen

In den meisten Fällen werden Gaffer von der Polizei aufgefordert zu gehen – der klassische Platzverweis. Behindern sie massiv die Einsatztruppen, kann das Bußgeld verhängt werden. Strafrechtlich kommen keine Konsequenzen auf die Schaulustigen zu. Nur wer mit Gewalt versucht, Einsatzkräfte an ihrem Job zu hindern, macht sich strafbar. Landen allerdings Fotos von Rettungskräften und Betroffenen im Internet, verstößt der Fotograf gegen das Kunsturheberrecht – und könnte rechtlich belangt werden.


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