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Höhlen-Drama in Thailand Warum eine Rettungsbohrung viel schwieriger ist als 2010 bei den Kumpel in Chile

Experte: Eine Rettungsbohrung wäre viel schwieriger als 2010 in Chile
Jorge Galleguillos, damals 55, ist der elfte gerettete Kumpel von Chile. Im Hintergrund zu sehen: die "Fenix"-Kapsel im Rettungsschacht. (Archivbild)
© Hugo Infante/government Of Chile/ / Picture Alliance
Zwei Wochen sind die Jugendfußballer in einer Höhle in Thailand eingeschlossen. Ein Rettungsschacht, wie 2010 bei den Kumpel in Chile, sei laut einem Experten unrealistisch: Es gebe zu viele Überraschungen und zu wenig Daten.

Das Drama um die in einer thailändischen Höhle eingeschlossene Jugendgruppe erinnert an das Schicksal der 2010 in einer chilenischen Mine verschütteten Bergleute. Die 33 Kumpel mussten damals 69 Tage lang in einem Schutzraum in 700 Metern Tiefe ausharren. Nach 17 Tagen ohne Kontakt nach außen werden sie über Rohre versorgt. Letztlich wurden sie in einer spektakulären Rettungsaktion durch einen aufwendig gebohrten Rettungsschacht mit einer Zugkapsel an die Erdoberfläche geholt.

Experte: Eine Rettungsbohrung wäre viel schwieriger als 2010 in Chile
Mit der "Fenix"-Kapsel konnten die Kumpel von Chile aus der Höhle entkommen (Archivbild) 
© HUGO INFANTE/ / Picture Alliance

Auch zur Rettung der zwölf thailändischen Jugendfußballer und ihres Trainers wäre die Bohrung eines rund 600 Meter langen Rettungsschachts in die Höhle denkbar, wo sie seit zwei Wochen ausharren. Allerdings ist diese Option aus Sicht des Geowissenschaftlers und Ingenieurs Suttisak Soralump von der Kasetsart-Universität in Bangkok ziemlich unrealistisch.

Helfer an der Höhle im Norden Thailands
Die Helfer im Norden Thailands arbeiten Tag und Nacht, um die Fußballmannschaft aus der Höhle zu retten
© Ye Aung Thu / AFP

Experte: Zu viele Überraschungen weil zu wenig Daten

Eine Bohrung zur Höhlenkammer der Jungs sei viel komplizierter als beim Minenunglück in Chiles Atacama-Wüste, sagte Suttisak dem thailändischen Nachrichtenportal "The Nation". Anders als das Bergwerk sei die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non im Norden Thailands ein natürlicher Hohlraum. Daher gebe es für Ingenieure nicht genügend geologische Daten. 

Im Fall der chilenischen Mine sei der Untergrund hingegen vollständig vermessen und die Bohrung somit weitgehend frei von Überraschungen gewesen. Die Rettungskräfte konnten damals einen umfänglichen Datenschatz für ihre Zwecke nutzen.

Die Höhle in Thailands Grenzregion Chiang Rai ist hingegen wegen ihrer schwer zugänglichen Lage wenig erforscht und wird vor allem von Einheimischen aufgesucht. Mit einer Ausdehnung von etwa zehn Kilometern zählt sie zu den längsten Höhlen des Landes.

Höhle in Thailand
Tham Luang-Khun Nam Nang Non: Das Höhlensystem mit einigen markanten Wegpunkten 
© Grafik: Patrick Rösing / stern

Über hundert Rettungsschächte in Thailand gebohrt

Einsatzkräfte in Thailand haben nun mehr als hundert Rettungsschächte in die Tiefe gebohrt, um sich auf diesem Weg zunächst einmal Zugang zu den Jungen zu verschaffen. Bei den Bohrungen seien die zwölf Kinder und ihr Trainer bislang aber nicht erreicht worden, wie der Leiter der Rettungsaktion, Narongsak Osottanakorn, am Samstag sagte. Die Bohrungen durch den Berg seien bis zu 400 Meter tief, sagte Osottanakorn. Der genaue Standort der Jungen in etwa 600 Metern Tiefe sei aber noch nicht gefunden worden, fügte er hinzu.

Die zwölf Fußballer im Alter zwischen elf und 16 Jahren waren mit dem Trainer in die kilometerlange Tham-Luang-Höhle gegangen, kurz bevor diese durch anhaltende Monsunregen weitgehend überflutet wurde. Zunächst sollten die Eingeschlossenen selbst zurück zum Höhleneingang tauchen. Allerdings sind die Jungen nach Behördenangaben für den riskanten Tauchgang vorerst zu geschwächt.

fs DPA AFP

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