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Höhlen-Drama in Thailand: Bewegender Brief der eingeschlossenen Fußballer: "Macht Euch keine Sorgen. Wir sind stark"

Seit 14 Tagen sitzen die zwölf Jugendfußballer und ihr Trainer fest. Inzwischen werden erste Rettungsschächte in den Berg getrieben. In einem Brief machen die eingeschlossenen Kinder ihren Angehörigen Mut.

Von Raphael Geiger, Chiang Rai

Das Höhlen-Drama in Thailand wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Hoffen und Bangen in Thailand: Angehörige der Eingeschlossenen nach einer Gebetszeremonie an der Höhle

AFP

Sie wissen nicht mehr, auf was sie hoffen sollen. Bis jetzt hatten die Familien der eingeschlossenen Jungen noch die Risiken verdrängt, die eine schnelle hätte. Sie haben sich Mut gemacht, es würde schon gutgehen. "Sie sind Athleten, sie sind stark", hatte ihnen der thailändische Premierminister zugerufen, als er sie besuchte.

Der Tod eines erfahrenen Rettungstauchers aber hat ihnen gezeigt, wie gefährlich es in der Höhle ist. Nur ein paar wenige Taucher gibt es auf der Welt, die sich in sie wagen. Sie haben jahrelang trainiert, bewegen sich routiniert und ohne Panik. Die in der Höhle gefangenen Jungen dagegen können kaum schwimmen, jetzt sollen sie auf die Schnelle tauchen lernen.

Die Panik vor der Panik  

Dann, beim stundenlangen Weg ins Freie, sollen sie sich nicht verletzen und vor allem keine Angst bekommen. Wenn nur einer in der Gruppe panisch werde, sagen Experten, gefährde das die ganze Gruppe. Wie sollen Elfjährige schaffen, was selbst nur wenige professionelle Taucher können?

Ein unverantwortliches Unternehmen, eigentlich, aber es fehlt die Alternative. Die Helfer pumpen ständig Wasser ab, die Bauern aus der Gegend lassen freiwillig ihre Felder damit fluten, auch wenn ihnen ihre Ernte entgeht. Aber jetzt, am Abend, fängt es wieder zu regnen an im Norden , der Monsun beginnt. Das Wasser sickert in die Höhle ein und könnte eine Rettung, auch wenn die Helfer das Wasser weiter abpumpen, erst mal auf Wochen, vielleicht auf Monate unmöglich machen.

Die Zeit drängt, das spüren alle 

Noch versuchen Kletterer, von oben einen Zugang zur Höhle zu finden. Damit bliebe den Jungen vielleicht das Tauchen erspart, dafür müssten sie es aber über einen vermutlich steilen und engen Pfad nach oben schaffen. Niemand weiß, ob das weniger gefährlich ist. Der Zugang ist noch nicht mal gefunden, vielleicht gibt es ihn nicht. 

Die Einsatzkräfte haben nun mehr als hundert Rettungsschächte in die Tiefe gebohrt, teilweise seien die Bohrungen bis zu 400 Meter tief, sagte Narongsak Osottanakorn, der Leiter der Rettungsaktion. Der genaue Standort der Jungen in etwa 600 Metern Tiefe sei aber noch nicht gefunden worden, fügte er hinzu.

Wenn die Alternative fehlt, bleibt nur eine schnelle Rettung mit Tauchern oder ein Abwarten. Und damit das Hoffen darauf, dass der Regen doch mal Pause macht. Für die nächsten Tage zumindest zeigt der Wetterbericht nur Gewitter- und Regenwolken. Die Thais wissen, welche Wassermassen der Monsun bringen kann.

"Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark"

Trost spendet den Angehörigen ein bewegender Brief, der ihnen aus der Höhle übermittelt wurde. Ein Rettungstaucher überbrachte den seit Tagen vor der Höhle Campierenden einen handgeschriebenen Zettel mit persönlichen Botschaften der Jungs. "Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark", heißt es in dem Brief, der am Samstag auf der Facebook-Seite der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals veröffentlicht wurde.

"Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich." Der Trainer bat die Familien seiner Schützlinge in dem Brief um Verzeihung und versprach ihnen, sich bestmöglich um die Jungs zu kümmern. "Derzeit geht es ihnen allen gut",  versicherte Ekapol Chanthawong.

Sie sind jetzt Stars, nicht nur in Thailand

Eines versprechen die Behörden den Familien: Es soll bald eine Videoverbindung geben, die Kinder könnten dann ihre Eltern sehen. Die könnten ihnen erzählen, dass die Welt auf sie schaut. Dass sich Hunderte Journalisten auf dem kleinen verschlammten Platz im Dschungel drängeln, der vor dem Eingang zur Höhle liegt.

Oder dass SpaceX-Gründer Elon Musk ihnen helfen will (lesen Sie hier mehr zu dem Thema). Und dass die Fifa sie zum WM-Finale nach Moskau eingeladen hat, sollten sie es bis dahin in die Freiheit geschafft haben. Sie sind jetzt Stars.

DPA / AFP