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"Dorian" verwüstet Bahamas: Vater und Sohn klammern sich zwei Tage lang an einen Baum - und überleben so den Hurrikan

Hurrikan "Dorian" ist von den Bahamas abgezogen. Hinterlassen hat er Tod und Verwüstung. Überlebende erzählen, wie sie den schweren Wirbelsturm überstanden haben.

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Nach dem Abzug von Hurrikan "Dorian" kämpfen die Menschen auf den Bahamas mit den Folgen des schweren Wirbelsturms. In dem karibischen Inselstaat, wo "Dorian" vor etwa einer Woche zuerst Land erreicht hatte, forderte das Unwetter laut offiziellen Angaben mindestens 43 Todesopfer. Die Regierung rechnet allerdings mit einem weiteren Anstieg der Zahl. Hunderte - manchen Berichten zufolge sogar Tausende - gelten noch als vermisst.

"Dorian" wütete zwei Tage über den Bahamas

Überlebende der Naturkatastrophe schilderten der britischen Zeitung "The Telegraph", wie sie den gewaltigen Hurrikan überstanden haben. Der Pastor Joey Saunders berichtet, er sei mit seinem 25 Jahre alten Sohn Jeremi daheim gewesen, als eine Wand aus Wasser das Dach ihres Hauses wegfegt und ihn mit sich gerissen habe. "Irgendwie bekam ich eine Kiefer zu fassen und hielt mich einfach daran fest", zitiert das Blatt Saunders. "Ich habe mich zwei Tage lang an den Baum geklammert. Es regnete und ich hatte Salzwasser in meinen Augen und ich konnte nicht sehr gut sehen, aber ich fühlte mich in Frieden."

"Dorian" hatte sich nur sehr langsam vorwärtsbewegt und deshalb zwei Tage lang über den Bahamas gewütet. Der Pastor habe in dieser Zeit auf dem Baum weder gegessen noch geschlafen, berichtet der "Telegraph". Als die Regenfälle endlich aufgehört hätten, habe er nach seinem Sohn gerufen. Von einem Baum nur wenige Meter entfernt habe ihm dieser geantwortet. Vater und Sohn hätten eigentlich beide gedacht, dass der andere tot sei.

Joey Saunders ist nicht der einzige, der einem Baum sein Leben verdankt. Der 37 Jahre alte Pedro Baillou hielt sich der Zeitung zufolge zwei Tage lang an einem Mango-Baum fest, während um ihn herum die Wassermassen anschwollen. Pedros Onkel Eric Baillou verbarrikadierte sich dagegen mit seiner Tochter Tiffany im Badezimmer, wie der 64-Jährige dem "Telegraph" berichtete. Währenddessen sei das Dach des Hauses eingestürzt und in Tiffanys Schlafzimmer gefallen. Da dieses nun voller Trümmer sei, verbringe die 39-Jährige die Nächte noch immer im Bad.

"Wir sangen die ganze Nacht"

Auch Iona Kamp schilderte der Zeitung ihren Überlebenskampf: "Ich saß auf dem Mikrowellenofen, als das Wasser durch mein Haus kam, aber ich hatte keine Angst", sagte sie. "Ich hatte keine Angst, weil wir gesungen haben. Mein Mann, mein Sohn und alle anderen saßen auf der Arbeitsplatte in der Küche und wir sangen die ganze Nacht, jedes Kirchenlied, an das wir uns erinnern konnten."

"Dorian" hatte die nördlichen Inseln der zwischen Kuba und Florida liegenden Bahamas am vergangenen Sonntag als Hurrikan der kraftvollsten Kategorie fünf getroffen und war erst am Mittwoch komplett über den Karibikstaat hinweggezogen. Nach seinem Durchzug sind auf der Inselgruppe nach einer Schätzung der Vereinten Nationen  70.000 Menschen auf Soforthilfe angewiesen. Die Europäische Union stellte 500.000 Euro zur Verfügung. Die Bundeswehr beteiligt sich mit 70 Soldaten an den Hilfsaktionen.

Quelle: "The Telegraph"

mad