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Hurrikan "Dorian": "So etwas noch nie erlebt" – Bahamas fordern mehr Bestatter, Kühlgeräte für die Toten und Hilfe der WHO an

Das Paradies ist verwüstet: Der schlimmste Hurrikan der modernen Geschichte der Bahamas ist abgezogen, und die Zahl der Todesopfer steigt weiter. Die endgültige Opferbilanz werde "überwältigend" sein, fürchtet ein Minister. 

Hurrikan "Dorian": Ausmaß der Zerstörung wird deutlich – mehr als 30 Tote

Die zerstörerische Wucht des Hurrikans "Dorian" hat nach neuen Erkenntnissen mindestens 30 Menschen das Leben gekostet – vermutlich aber noch vielen mehr. Premierminister Hubert Minnis bestätigte die vorläufige Opferbilanz im US-Fernsehen. Die endgültige Zahl wird nach Einschätzung des Gesundheitsministers Duane Sands deutlich höher ausfallen. "Ich glaube, die Zahl wird überwältigend sein", sagte er dem Sender Guardian Radio 96.9.

Nur bestimmte Personen könnten Menschen für tot erklären, betonte Sands in dem Radio-Interview. Es brauche zusätzliche Bestatter und Kühlvorrichtungen. Die Regierung könne eine Gesundheitskrise dieses Ausmaßes nicht allein bewältigen. Daher habe er unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO um Hilfe gebeten, erklärte Sands. Drei "Mini-Krankenhäuser" und 50 Ärzte würden auf die betroffenen Inseln gebracht. "Ich habe so etwas noch nie erlebt, und ich will auch nie wieder so etwas erleben", sagte der Minister.

Rettungsarbeiten auf Bahamas gehen weiter

Die Rettungseinsätze gingen am Donnerstag auf den beiden am schwersten getroffenen Inseln im Norden des Karibikstaates weiter. Zahlreiche Menschen wurden noch immer vermisst. Bahamaer nutzten soziale Medien, um Vermisste zu suchen und die Verteilung von Hilfsgütern zu koordinieren. Manche Inselbewohner klagten über hinderliche Bürokratie. Die Regierung verlangt, dass Spenden nur über von ihr autorisierte Organisationen laufen.

Aufgewühltes Meer

"Dorian" hatte die Bahamas am Sonntag als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe getroffen – mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde. Er wütete dort fast drei Tage lang. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas und einen der stärksten im Atlantik seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Es kam zu meterhohen Sturmfluten und großflächigen Überschwemmungen. Nach Schätzung des Roten Kreuzes wurden etwa 13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt oder zerstört.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) befand sich "Dorian" vor der Küste des US-Bundesstaats South Carolina. Auch dort kam es in Küstennähe zu Überschwemmungen. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Bäume und Strommasten stürzten um. Obwohl der Sturm zu einem Hurrikan der Kategorie zwei von fünf herabgestuft wurde, brachte er noch immer Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 Kilometer pro Stunde mit sich. Er war Richtung Norden unterwegs und sollte am Freitag vor der Küste North Carolinas vorbeiziehen. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami warnte allerdings, dass der der Sturm bei einer leichten Veränderung seines Kurses in den Carolinas auch noch auf Land treffen könnte.

Kleinstadt Marsh Harbour auf den Bahama von Hurrikan "Dorian" verwüstet

Hier lebten einmal Menschen: Hurrikan "Dorian" zerstörte unter anderem die Kleinstadt Marsh Harbour auf den Bahamas fast vollständig

AFP

Hurrikan "Dorian" zerstört Straßen – und Existenzen

Das Welternährungsprogramm (WFP) bereitete eine Lieferung von mehr als sieben Tonnen fertiger Gerichte für die vielen Obdachlosen auf den Bahamas vor, wie ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres mitteilte. Lebensmittel lieferten auch die Marine Großbritanniens – das Staatsoberhaupt der Bahamas ist die britische Queen Elizabeth II. – und ein Kreuzfahrtunternehmen.

Die über mehrere Tage auf den Bahamas mithelfende US-Küstenwache rettete nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200 Menschen. Nach Worten des UN-Nothilfekoordinators Marc Lowcock benötigten rund 70.000 Menschen – also fast jeder fünfte Einwohner der Bahamas – dringend Hilfe zum Überleben. Die Flughäfen seien überschwemmt oder beschädigt, auch Verbindungsstraßen könnten nicht genutzt werden. Es gebe keine Stromversorgung und nur stark eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten.

wue / DPA