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Ingenieurkorps verantwortlich: "Katrina"-Opfer erhalten Entschädigung

Vier Jahre nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" erhalten einige Opfer Entschädigungen. Ein Richter machte das Ingenieurskorps der Armee dafür verantwortlich, einen Abflusskanal nicht gewartet zu haben. Dadurch seien einige Stadtteile überflutet worden. Nun werden weitere Klagen erwartet.

Juristischer Erfolg für Opfer des Hurrikans "Katrina": Ein US-Bezirksgericht sprach sechs Klägern eine Entschädigung von zusammen 720.000 Dollar (etwa 482.000 Euro) zu. Richter Stanwood R. Duval machte am Mittwoch das Ingenieurkorps der US-Streitkräfte für die zerstörerischen Überflutungen von New Orleans nach dem Wirbelsturm verantwortlich. Das Korps sei für den Bau eines Abflusskanals verantwortlich gewesen, habe diesen aber nicht ausreichend gewartet, so dass "Katrina" freie Bahn gehabt habe, sagte Duval.

Fünf Anwohner und ein Unternehmen hatten das Korps für ihnen durch den Hurrikan entstandene Schäden verantwortlich gemacht. Laut Richter Duval führte die mangelhafte Wartung des Abflusskanals zwischen dem Mississippi und dem Golf von Mexiko zur Flutung der Bezirke Lower Nith Ward und St. Bernard Parish. Dagegen könne das Ingenieurkorps nicht für die Überschwemmung des Ostteils der Stadt verantwortlich gemacht werden. Auch für die fehlerhafte Konstruktion des Abwasserkanals könne das Korps nichts. Vertreter des Korps erklärten vor Gericht, die Dämme von New Orleans seien generell problematisch gewesen, der Gewalt eines Sturms wie "Katrina" hätten sie niemals standhalten können.

Versäumnisse der Armee bestätigt

Ein Anwalt der Kläger lobte das Urteil. Es bekräftige die langjährigen Versäumnisse der Armee, die Region angemessen zu schützen. "Es ist höchste Zeit, dass wir uns genau ansehen, wie die Jungs ihre Arbeit machen", sagte Joe Bruno. Richter Duval meinte in seiner Urteilsbegründung, der Armee sei die Gefahr bewusst gewesen, sie habe auch über Abhilfe nachgedacht, diese aber aus Kostengründen verworfen. Da die Lage nach Eintreten der Katastrophe zunächst völlig unterschätzt wurde, geriet seinerzeit auch die US-Regierung unter Präsident George W. Bush unter Druck. Es dauerte Tage, bis umfassende Bundeshilfe für New Orleans anrollte.

Die Entscheidung des Gerichts könnte einen Präzedenzfall schaffen. Anwälte sagten, das Urteil könne zu Klagen von mehr als 100.000 Anwohnern und Geschäftsleuten führen. "Katrina" wütete im August 2005 in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötete mehr als 1800 Menschen. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verloren ihre Existenz. Mit 125 Milliarden Dollar Gesamtschaden ist "Katrina" der bislang zerstörerischste Sturm.

DPA/AP / AP / DPA