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Proteste in London Inmitten von Ausschreitungen: Schwarzer Demonstrant rettet mutmaßlichen Rechtsextremisten

Schwarzer rettet Rechtsextremen
Patrick Hutchinson trägt einen verletzten, mutmaßlich rechtsextremen, Demonstranten auf seinen Schultern in Sicherheit
© Daniel Leal-Olivas / AFP
Das Foto von Patrick Hutchinson, einem Schwarzen, der einen verletzten Weißen, wohl ein Rechtsextremist, rettet, ist jetzt schon eines der Bilder des Jahres. Im britischen Fernsehen hat sich der gefeierte Retter nun geäußert.

Das Bild ist jetzt schon eines der eindringlichsten des Jahres: Umgeben von Polizisten und einer Menschenmenge trägt ein Mann einen anderen, offenbar verletzten Mann auf der Schulter davon. Diese Geste der Hilfsbereitschaft ist deswegen bemerkenswert, weil derjenige, dem aus einer misslichen Situation geholfen wird, wenige Augenblicke zuvor noch heftig gegen denjenigen protestiert hat, der ihn nun wegträgt. Kurz gesagt: Am Rande von gewaltsamen Protesten in London rettet ein schwarzer Black-Live-Matter-Demonstrant einen mutmaßlichen Rechtsextremen.

"Er war verletzt, es ging um sein Leben"

"Es gab Leute, die ihn beschützen wollten, aber erfolglos. Er war verletzt, sein Leben war in Gefahr. Und ich dachte, wenn er hierbleibt, wird er es nicht schaffen. Das war hier wie kurz vor einer Massenpanik. Also bin ich hingegangen, habe ihn meine Schultern gehoben und bin zur Polizei marschiert", sagte Patrick Hutchinson dem britischen Sender Channel 4. Nachdem das Bild von seinem Rettungsversuch um die Welt geht, wird der Mann als Held gefeiert, einige Medien nennen ihn gar den "barmherzigen Samariter".

Die Situation wurde von Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters und AFP festgehalten, als an der Waterloo-Station in der Nähe der Themse rechte Gegendemonstranten auf Teilnehmer einer Anti-Rassismus-Kundgebung trafen. Obwohl der ursprünglich für Samstag geplante Protest der Black-Lives-Matter-Bewegung bereits am Freitag stattgefunden hatte, um Auseinandersetzungen mit Rechtsextremen zu vermeiden, zogen am Samstag mehrere Hundert Rechtsextreme zum Parlament, um dort Statuen vor möglichen Angriffen zu "schützen". Mehrere Londoner Denkmäler waren vorsorglich verpackt, nachdem zuvor historische Statuen zur Zielscheibe von Anti-Rassismus-Demonstranten geworden waren.

Rechtsextreme Gruppen für Gewalt verantwortlich?

Auf Fernsehbildern waren gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei zu sehen. Mehr als hundert Menschen wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. 23 Beamte wurden leicht verletzt. Premierminister Boris Johnson verurteilte die Gewalt und sprach von "rassistischem, rücksichtslosem Vorgehen". Londons Bürgermeister Sadiq Khan twitterte, es sei klar, dass rechtsextreme Gruppen für die Gewalt verantwortlich seien.

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Patrick Hutchinson war mit ein paar Bekannten vor Ort, die als "Ark Security" darauf aufpassen wollten, dass vor allem jungen Black-Lives-Matter-Demonstranten nichts passiert. Sein Eingreifen vergleich er mit dem Vorfall in Minneapolis, bei dem George Floyd durch einen Polizisten ums Leben gekommen war. "Wenn die drei Polizisten, die herumgestanden haben, als George Floyd ermordet wurde, ihren Kollegen gestoppt und getan hätten, was wir getan haben, wäre George Floyd heute noch am Leben." Der jetzt gefeierte Retter sagte weiter, dass die Maßstäbe im Moment verrutscht seien, er wolle nur, dass alles fair zugeht.

"Sein Leben und Black Lives Matter retten"

Auch ein ebenfalls anwesender Bekannter von Hutchinson äußerte sich zu der Situation. Der Bodyguard Pierre Noah sagte, er würde jeden helfen, ganz gleich, welcher Hautfarbe. "Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn wir dem armen Kerl nicht geholfen hätten. Wir wollten sein Leben retten, so wie wir die Black-Lives-Matter-Bewegung retten wollen."

Quellen: Channel 4 auf Twitter, Metro.co.uk, "Daily Mirror", DPA, AFP

nik

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