Kampf auf hoher See Stahlglocke soll Ölpest kontrollieren


Der für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortliche Energiekonzern BP bemüht sich um Schadensbegrenzung. Der Konzern will eine 65 Tonnen schwere und über zehn Meter hohe Kuppel über das offene Bohrloch stülpen.

Der für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortliche Energiekonzern BP bemüht sich um Schadensbegrenzung. Der Konzern will eine 65 Tonnen schwere und über zehn Meter hohe Kuppel über das offene Bohrloch stülpen. Damit soll das austretende Öl aufgefangen und kontrolliert an die Oberfläche geleitet werden.Während weiter 800.000 Liter Öl ins Meer sprudeln und die Umweltkatastrophe von Tag zu Tag schlimmer wird, schweißen Arbeiter an einer Stahlglocke, die Rettung bringen soll.

Erfahrungen damit haben die Experten nicht: Bis jetzt wurde diese Methode nur in flachem Wasser angewandt. Das offene Bohrloch liegt aber in 1500 Metern Tiefe. Unterdessen versichert der BP-Konzern, dass er alles unternehme, "um den Öl-Ausfluss am Meeresgrund zu kontrollieren, das Öl auf hoher See zu bekämpfen und die Küsten in einem massiven Aufwand zusammen mit den Behörden und lokalen Gemeinden zu schützen", wie BP-Chef Tony Hayward sagte.

Der Geologe Lorenz Schwark von der Universität Kiel hält den Einsatz der Metallglocke für die einzige Möglichkeit, den Ölfluss relativ rasch unter Kontrolle zu bekommen. "Kurzfristige Möglichkeiten sind extrem begrenzt", sagte Schwark. Auch dies helfe aber nur für den Übergang: "Man muss ein zweites Loch bohren", sagte er.

Die große Stahlglocke, die von den Ingenieuren als "Dome" (Kuppel) bezeichnet wird, ist bereits fertig. Zwei weitere, kleinere sind ebenfalls in Arbeit. Schiffe sollen sie in den kommenden Tagen an die Unglücksstelle bringen und dort wahrscheinlich Ende der Woche direkt über den Lecks in die Tiefe lassen. Zeitgleich hätten Bohrungen für einen "Nebenzugang" zu der ursprünglichen Ölquelle begonnen, teilte BP mit. Mit Chemikalien werde weiterhin versucht, das Öl nahe des ursprünglichen Lecks am Meeresboden zu vermischen, damit es sich zersetzt. Auch Roboter sind weiterhin Unterwasser im Einsatz, um die Lecks zu schließen.

Wie ein umgekehrter Trichter sehen die Metallkuppeln aus, mit denen die Lecks abgedeckt werden sollen. Das aus dem Meeresboden strömende Öl soll mit ihnen abgefangen und in Rohren zur Wasseroberfläche geleitet werden. Dort könnten es Spezialschiffe abpumpen.

Mit dem Bau dieses Kolosses betreten die Ingenieure des texanischen Unternehmens Wild Well Controll, das die Kuppeln für BP anfertigt, Neuland: Es ist die bis jetzt Größte ihrer Art. Ob sie auf das Bohrloch passt, muss sich noch zeigen. Eine Herausforderung ist es auch, sie in der Tiefe zu befestigen - über einem Leck, aus dem das Öl mit hohem Druck herausgepresst wird.

Die Ölplattform "Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und gesunken. Seitdem bedroht eine Ölpest die amerikanische Südküste. BP-Chef Tony Hayward räumte die Verantwortung des Konzerns für die Katastrophe ein. "BP ist verantwortlich für dieses Leck. BP wird die Rechnung begleichen", sagte Hayward nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC. Britische Zeitungen errechneten, dass dem Ölkonzern Kosten von bis zu acht Milliarden Dollar (gut sechs Milliarden Euro) drohen könnten - Schadenersatz für die Fischerei- und Touristikbranche eingeschlossen.

DPA/lea DPA

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