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Er wollte ein Foto machen "Sie sind so viel schneller, als man denkt" - Mann schildert brutale Grizzlybär-Attacke

Jordan Carbery, ein Facebook-Foto seiner Kopfwunde und ein Grizzlybär
Zu seinem 50. Geburtstag Ende Juli wollte Jordan Carbery unbedingt wieder aus dem Krankenhaus sein. Das ist ihm gelungen, obwohl er Anfang Juli von einem ausgewachsenen Grizzly angefallen wurde. Abgebildet ist ein Exemplar aus einem Tierpark in Sachsen.
© Facebook/Jordan Carbery, Wolfgang Thieme / DPA
Jordan Carbery ist eigentlich naturerfahren. Doch ein Moment des Leichtsinns kostete ihn fast das Leben. Der 49-Jährige hat eine Grizzly-Attacke überlebt und berichtet von dem schockierenden Erlebnis.

"Es ging mir schon mal besser, aber ich bin der größte Glückspilz überhaupt, also kann ich mich nicht beschweren", sagt Jordan Carbery der kanadischen CBC an seinem Krankenhausbett. Und schaut man sich die Bilder auf der Facebook-Seite des 49-Jährigen an, so kann man ihm nur zustimmen. Carbery hat die Attacke eines ausgewachsenen Grizzlybären überlebt. Das Tier fiel ihn in seinem eigenen Garten an, skalpierte ihn teilweise und biss ihm mehrfach in den Bauch. Obwohl das nicht viel mehr als zwei Wochen her ist, ist Carbery bereits auf dem Wege der Besserung und kann von dem schockierenden Erlebnis berichten.

Grizzly fotografieren - "Was für eine dumme Idee"

Das Unglück ereignete sich bereits Anfang Juli an Carberys abgelegenen Haus im kanadischen Bella Coola. Direkt nach dem Aufwachen bemerkte der leidenschaftliche Naturfotograf etwas in seinem Garten, schnappte seine Kamera und ging hinaus. In der Nähe eines Kirschbaumes fielen ihm mehrere Grizzlybären auf und er näherte sich ihnen, um Fotos zu machen. "Was für eine dumme Idee, normalerweise bin ich so vorsichtig", bewertet er diesen Einfall heute. 

Was Carbery zunächst nicht merkte: Bei den Bären handelte es sich um Jungtiere - und die Mutter war nicht weit entfernt. Als eines der Kleinen beim Klettern vom Baum fiel, muss das irgendetwas in der Mutter ausgelöst haben. Plötzlich sah er im Augenwinkel das gewaltige Raubtier anstürmen. "Sie sind so viel schneller, als man denkt", sagt Carbery. Es waren nur rund 13 Meter bis zum Haus. Doch kurz vor der Tür packte der Grizzly ihn, biss ihm in den Kopf, riss einen Teil der Kopfhaut ab und schleuderte den Mann durch die Luft. Mehrfach verbiss sich das Tier noch in Carbery, packte ihn am Oberschenkel, am Hintern und am Bauch. Mehrere Fleischwunden zeugen davon. "Ich dachte das war's", sagt er der CBC.  

Der Grizzly riss Jordan Carbery einen Teil der Kopfhaut ab - mit den Zähnen
Der Grizzly riss Jordan Carbery einen Teil der Kopfhaut ab - mit den Zähnen
© Screenshot Facebook/Jordan Carbery
Auch an Oberschenkeln und Bauch wurde der 49-Jährige vom Grizzly erwischt
Auch an Oberschenkeln und Bauch wurde der 49-Jährige vom Grizzly erwischt. Fotos davon postete er im Anschluss auf Facebook.
© Screenshot Facebook/Jordan Carbery

Carbery wehrte sich nach Kräften, trat dem Tier ins Gesicht, schlug um sich. "Ich kämpfte um mein Leben", fasst er es zusammen. Als der Bär kurz von ihm abließ, schaffte er es aufzustehen und ins Haus zu gelangen. Doch der Einsiedler lebt zurückgezogen, ohne Internet, Telefon oder Handyempfang. Hilfe rufen ging also nicht. Schwer verletzt und stark blutend schnappte er sich seine Autoschlüssel und rannte wieder raus. Der Bär setzte erneut zum Angriff an, doch dieses Mal schaffte er es rechtzeitig ins Auto. Rund 10 Kilometer fuhr er sich ins nächste Krankenhaus und wurde letztlich per Hubschrauber nach Vancouver transportiert. Dort im Krankenbett erzählte er Medienvertretern seine Geschichte. 

Schwer verletzt, aber mit dem Leben davon gekommen

Von der Attacke trug er schwere Verletzungen davon: Teile seiner Kopfhaut waren abgerissen, ihm fehlt ein Stück vom Ohr, er hatte Fleischwunden an Brust, Hintern und Oberschenkel sowie eine klaffende Wunde am Bauch samt Gewebeschäden dahinter, die operiert werden mussten. Aber er lebt. Und fühlt sich "fan-freaking-tastic", wie er sagt. Mittlerweile hat er das Krankenhaus verlassen und ist wieder in seinem kleinen Häuschen in Bella Coola, wo er bald seinen 50. Geburtstag feiern will.

Attackieren Bären Menschen, ist es nicht unüblich, dass die Tiere von den Behörden anschließend gejagt und getötet werden, um eine weitere Gefährdung auszuschließen. Das wird in diesem Fall nicht geschehen, wie die CBC berichtet. Das Verhalten der Bärenmutter sei als verteidigend eingestuft worden. "Dem stimme ich von ganzem Herzen zu", sagt Carbery, der den Fehler bei sich sucht, nicht beim Tier. Ob er der Bärenmutter aber unbedingt wiederbegegnen möchte, da ist er sich noch nicht so sicher.

Er wollte ein Foto machen: "Sie sind so viel schneller, als man denkt" - Mann schildert brutale Grizzlybär-Attacke
fin/wue

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