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Verschmutzung durch Touristen: Karlsbrücke in Prag: Mann entfernt Graffiti und wird zum Helden – doch er hat eine dunkle Geschichte

Touristen haben die berühmte Karlsbrücke in Prag mit Graffiti verschmutzt. Über Nacht war die Schmiererei plötzlich verschwunden. Doch der Mann, der das Graffito entfernte und dafür gefeiert wird, hat eine kriminelle Vergangenheit.

Graffiti an Karlsbrücke in Prag

Das fünf Meter breite und zwei Meter hohe Graffiti an der Karlsbrücke in Prag

DPA

Seit dem 14. Jahrhundert steht die berühmte Karlsbrücke in Prag. Sie ist damit eine der ältesten Steinbrücken in Europa. Tausende von Touristen überqueren jedes Jahr das historische Wahrzeichen, das über die Moldau führt, machen Bilder oder lassen sich vom Flair der tschechischen Hauptstadt verzaubern. Doch leider gehen nicht alle Besucher der Stadt angemessen sorgsam mit der Brücke um.

Zwei deutsche Touristen, 23 und 30 Jahre alt, hatten ein großes Graffiti auf die Brücke gesprüht – illegalerweise natürlich. Die beiden wurden bei ihrer Tat von einer Überwachungskamera gefilmt, festgenommen und zu Geldstrafen und Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 5500 Euro verurteilt. Außerdem dürfen sie fünf Jahre lang nicht mehr nach Tschechien einreisen.

Cizinci se chtěli zapsat do historického rázu města. Zadrželi je strážníci Dva cizinci ve věku 23 a 30 let poničili...

Gepostet von Městská policie hl. m. Prahy am Dienstag, 16. Juli 2019

Prager Karlsbrücke: Plötzlich war das Graffiti verschwunden

Damit war der Schaden an der historischen Brücke aber noch nicht wieder behoben. Die Einwohner der tschechischen Hauptstadt und die Stadtoberen fürchteten um ihr Wahrzeichen. Oberbürgermeister Zdenek Hrib sprach von "kultureller Barbarei" und zunächst war nicht klar, ob sich das fünf mal zwei Meter große Graffiti entfernen ließe, ohne die jahrhundertealten Steine zu beschädigen. Mittlerweile ist die Karlsbrücke wieder sauber – und die Geschichte dahinter könnte kurioser kaum sein.

In Prag wurde der Zustand der Brücke zum Politikum. Experten wurden gehört, eine Art Task Force gebildet, die sich mit der Frage beschäftigen sollte, wie man die Schmiererei am schonendsten von den Steinen entfernen könnte. Nach tagelangen Beratungen entschieden sich die Verantwortlichen schließlich für ein Putzprozedere, das aber zwei Wochen dauern sollte. Anfang August nahm ein Restaurator die Arbeit auf. Doch plötzlich war das Graffito verschwunden.

Reinigungsfachmann entfernt Graffiti über Nacht

"Er arbeitete bis zirka fünf Uhr am Samstagnachmittag und wollte seine Tätigkeit am Sonntagvormittag fortsetzen. Doch als er dann vor Ort eintraf, stellte er fest, dass der Schriftzug entfernt war", zitiert Radio Praha eine Sprecherin des technischen Dienstes in Prag. Offenbar hatten Unbekannte die Brücke über Nacht in einer Art Guerilla-Aktion gesäubert. Dass das unheilvolle Graffiti nun weg war, sorgte nur kurz für Freude – groß war die Sorge, dass die nächtliche Putzkolonne nicht gerade fachmännisch zu Werke ging und die Brücke noch schlimmer beschädigt haben könnte. Die Polizei machte sich auf die Suche nach den "Saubermännern".

Unter dem öffentlichen Druck stellte sich schließlich der Mann der Polizei, der für die nächtliche Putzaktion verantwortlich war: Miloslav Černý verdient mit der Entfernung von Graffiti sein Geld, wurde aber bei den Beratungen nicht hinzugezogen. Der Reinigungsfachmann gab an, dass er schnell habe handeln müssen, da ein längeres Warten die Steine der Brücke noch weiter in Mitleidenschaft gezogen hätte. Tatsächlich erwies sich seine Methode als gleichsam effektiv und schonend für das Prager Wahrzeichen.

Prags neuer Stadtheld saß wegen Mordes im Gefängnis

In Prag wird Černý nun als Stadtheld gefeiert. "Ich habe etwa 2000 Dankesmails erhalten", sagte er dem Portal "Idnes". Der Bürgermeister hielt eine Pressekonferenz mit ihm ab, bei der Černý auch seine Reinigungstechnik vorführte. Eine Belohnung aber wollte der Retter der Karlsbrücke nicht haben – und das hat mit seiner Vergangenheit zu tun. Vor 20 Jahren ermordete Černý seine Frau und ihren Liebhaber. Anschließend versuchte er, sich selbst das Leben zu nehmen. "Dass ich noch lebe, könnte man einen Zufall nennen. Ich glaube eher, dass Gott noch einen Plan für mich hat, deshalb hat er mich auf der Welt gelassen", sagte Černý im Interview mit "Idnes".

Der zweifache Vater wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt und 2012, nach zwölfeinhalb Jahren, aus dem Gefängnis entlassen. Nun, da er im Mittelpunkt des Medieninteresses steht, redet er offen über seine Taten und das Leben nach dem Gefängnis. "Ich will keinen Dank haben, ich will nicht für Orden vorgeschlagen werden oder ähnliches. Heute versuche ich nicht nur, nichts Böses zu tun, sondern anderen zu helfen. Egal ob es ein Mensch oder die Karlsbrücke ist." Das Entfernen von Graffiti an öffentlichen Plätzen ist für ihn ein Weg, um der Gesellschaft zu dienen und seine Verbrechen wiedergutzumachen. Gegen Graffiti an sich hat der neue Prager Stadtheld allerdings nichts einzuwenden: "Wenn es richtig gemacht wird, ist es große Kunst. Aber bitte nicht auf der Karlsbrücke."

Quellen: dpa / Polizei Prag auf Facebook / "idnes.cz" / Anna Shamanska auf Twitter / "lidovky.cz"

epp