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stern-Reportage

Uganda: Susan Kigula studierte Jura im Knast von Kampala – und rettete hunderte Gefangene vor dem Galgen

Sie ist als angebliche Mörderin in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, für den Galgen bestimmt. Hinter Gittern beginnt die einfache Ladenbesitzerin Susan Kigula ein Fernstudium. Sie ändert die Gesetze des Landes. Und rettet Hunderten Gefangenen das Leben.

Von Marc Goergen

Knast von Kampala: Jurastudentin rettet sich und andere vor dem Galgen

Susan Kigula am Ufer des Victoriasees nahe Ugandas Hauptstadt Kampala. Hierher, wo es keine Mauern und Zäune gibt, kommt die 40-Jährige gern, um abzuschalten

Zwei Jahre nachdem sie aus dem Gefängnis freikam, steht Susan Kigula in einer Kirche aus Wellblech und feiert den Sieg über den Tod. Eine Stunde schon haben die 300 Besucher der "Healing Arena" in einem Slum von Ugandas Hauptstadt Kampala gebetet, gesungen und getanzt, als Kigula schließlich ihren Auftritt hat.

Es wird still. Gespannt sitzen die Männer und Frauen auf ihren Plastikstühlen; nur der Regen trommelt laut aufs Dach. Sie sind gekommen, um die 40-jährige Kigula zu sehen, jene Frau, die zum Tode verurteilt wurde, es dann mit kaum fassbarem Willen schaffte, sich durch ein Jura-Fernstudium selbst vor dem Galgen zu bewahren – und Hunderte weitere Gefangene gleich mit dazu. Eine Geschichte, sie könnte von Hollywood ersonnen sein.

Verhaftet – wegen Mordes

"Ihr müsst immer an euch glauben, egal, wie schlimm es stehen mag", ruft Kigula in die Menge. Einer nach dem anderen erheben sich die Zuhörer, einige rufen "Halleluja", andere wiegen den Kopf wie in Trance hin und her. Bald gehen die ersten Hände nach oben, und als Kigula schließlich anfängt zu singen, das Keyboard einsetzt, dann Bass und Schlagzeug folgen, wird die Pfingstmesse zur Party. "Gott, nur du weißt, wie ich das überleben werde", singt Kigula, immer wieder und immer lauter.

Es ist das Lied, mit dem sie sich Mut gemacht hat, damals, in jenen düsteren Jahren.

Es begann in der Nacht des 9. Juli 2000. Tagsüber hatte Susan Kigula wie ihr Mann Constantine im Textilgeschäft gearbeitet. Die Läden der beiden lagen nebeneinander. So hatten sie sich auch kennengelernt. Aus Nähe wurde Liebe, aus Liebe eine Patchwork-Ehe, typisch für so viele Beziehungen Afrikas, in denen sich Traditionen und westliche Lebensentwürfe vermengen. Ihr Partner brachte zwei Kinder mit, nach einem Jahr gebar Kigula eine gemeinsame Tochter, und so improvisierte die Familie ihr Leben in einem Zwei-Zimmer-Apartment am Rand von Kampala.

Susan Kigula bei einem Auftritt in einer Pfingstkirche von Kampala. Gemeinsam mit einem heimischen Gospelstar singt sie ein Lied, das ihr im Gefängnis Kraft gegeben hatte: "Gott, nur du weißt, wie ich das überleben werde"

Susan Kigula bei einem Auftritt in einer Pfingstkirche von Kampala. Gemeinsam mit einem heimischen Gospelstar singt sie ein Lied, das ihr im Gefängnis Kraft gegeben hatte: "Gott, nur du weißt, wie ich das überleben werde"

An diesem Abend aßen sie gemeinsam, kurz danach ging's zu Bett, alle fünf in einem Raum, die Haushälterin schlief im Flur. Gegen halb zwei in der Nacht wachte Kigula auf. Sie spürte einen Schmerz in ihrem Nacken. Dann lief schon etwas Warmes ihren Hals herunter. Blut. Panisch kämpfte sie sich aus dem Bett, trat auf ihren Mann, der stöhnend auf dem Boden lag, rannte aus dem Haus, schreiend, nackt, blutend. Im Licht der Straßenlaternen, sagt sie, habe sie noch ein paar Gestalten weglaufen sehen; dann schleppte sie sich vor die Tür einer Nachbarin. Kigula bekam noch mit, wie die Nachbarin versuchte, die Blutung mit einem Bettlaken zu stillen, bis sie schließlich das Bewusstsein verlor. "Ich hatte gar keine Zeit, nachzudenken, was eigentlich passierte", sagt Kigula heute.

Ein paar Stunden später erwachte sie auf der Intensivstation. Die Kinder seien bei Verwandten, sagte man ihr. Ihr Mann aber sei tot. "Ich verstand das nicht. Warum sollte jemand uns beide umbringen wollen? Bis heute hab ich dafür keine Erklärung."

Kigula fuhr zu ihren Eltern aufs Land, ließ dort ihren Mann begraben. Als sie ein paar Tage später von ihrem Vater zu einer Nachsorgeuntersuchung gebracht wurde, stoppten Polizisten das Auto. Sie sei verhaftet – wegen Mordes an ihrem Ehemann. Auf der Wache erfuhr sie, was geschehen war: Ihr kleiner Stiefsohn hatte bezeugt, sie und die Haushälterin hätten Kigulas Mann getötet.

Verurteilt zum Tod durch den Strang

Kigula landete in Untersuchungshaft. Die Zelle, die Polizisten, die Verhöre, all das kam ihr vor wie ein Albtraum, der nicht enden wollte. Warum sagte ihr Stiefsohn so etwas? Und warum glaubten die Polizisten ihm, einem Dreijährigen? "Meine einzige Erklärung ist, dass Constantines Familie ihm das eingetrichtert haben muss. Wir hatten kein gutes Verhältnis", sagt sie. Am 11. September 2002 erging schließlich das Urteil. Kigula wurde für schuldig befunden – und zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Richter ließ die Zuschauer noch ein Gebet für sie sprechen. Dann brachte ein Polizeiwagen Kigula an jenen Ort, den die Justiz für Fälle wie ihren vorgesehen hatte: den Todestrakt des Luzira-Frauengefängnisses von Kampala.

Fast 16 Jahre später ist Susan Kigula wieder auf dem Weg nach Luzira. Am Tag nach ihrem Auftritt in der Kirche will sie ihre Zellengenossinnen besuchen. Seit ihrer Freilassung arbeitet Kigula für das "African Prisons Project", eine Organisation, die Haftbedingungen in afrikanischen Gefängnissen verbessern will. Als der Wagen das Zentrum von Kampala hinter sich lässt, die Einkaufszentren und Hochhäuser, all das, was entstand, als Kigula hinter Gittern saß, wirkt sie nervös. Ihre Hände nesteln an der Bluse, fahren durch die dunklen Locken.

Das Außengelände des Luzira-Gefängnisses am Rande Kampalas

Das Außengelände des Luzira-Gefängnisses am Rande Kampalas

Die Frauenabteilung des Luzira-Gefängnisses liegt auf einem der vielen Hügel am Rand von Kampala, umgeben von Feldern, verfallenden Fabriken und einer Mauer aus unverputztem Stein. Innen wirkt die Anstalt auf den ersten Blick aufgeräumt, fast wie eine Schule. Flache Gebäude mit Wellblechdächern, Wiesen, eingerahmt von gestutzten Hecken. Wäre da nicht der Einheitslook der Frauen – Häftlingskleider in leuchtendem Gelb.

Fünf von ihnen trifft Kigula in einem Besuchsraum; sie auf dem Stuhl, die Frauen auf dem Boden, so ist die Regel. Die Frauen umarmen sich, manchen laufen Tränen über die Wangen. "Wie geht es euch?", fragt Kigula. "Okay, okay, in Ordnung", sagen sie, doch ihre Augen erzählen etwas anderes.

Die Frauen sind seit 10, 15 Jahren im Gefängnis, vier von ihnen wurden verurteilt wegen Ermordung ihres Ehemanns. Häufig sind solche Taten Notwehr während einer Vergewaltigung, doch kaum eine Frau kann einen Anwalt bezahlen, der einen Freispruch herausholen würde. Schuld und Unschuld, diese absoluten Kategorien, sind hier Variablen, deren Wert mit ugandischen Shilling oder noch besser mit amerikanischen Dollar bestimmt wird.

Gefangenenchor und Gospellieder

Susan Kigula verspricht ihnen zu helfen, mit Seife und Deo, dann ist die Zeit abgelaufen. Sie blickt den Frauen nach, wie sie sich noch mal umdrehen, wie sie winken, wie sie verschwinden zwischen den Zellentrakten, die auch sie 16 Jahre ihres Lebens ihr Zuhause nannte.

Gerade einmal 23 Jahre alt war sie damals, als sich das Tor hinter ihr endgültig schloss. "Ich dachte, mein Leben ist jetzt vorbei", sagt sie. Sie erhielt ein weißes Häftlingskleid, die Standardkleidung für zum Tode verurteilte Frauen. Die letzten Hinrichtungen in Uganda lagen nur wenige Jahre zurück; der Gedanke an den Galgen war anfangs immer da. "Jeden Morgen hab ich mir vorgestellt, dass dieser Tag mein letzter sein könnte", sagt sie heute.

Kigula im Schlafsaal des Gefängnisses. Sie verbrachte 16 Jahre in der Anstalt, nachdem sie des Mordes an ihrem Mann Constantine für schuldig befunden wurde

Kigula im Schlafsaal des Gefängnisses. Sie verbrachte 16 Jahre in der Anstalt, nachdem sie des Mordes an ihrem Mann Constantine für schuldig befunden wurde

Die ersten Monate waren eine Zeit der Verzweiflung. Kigula hatte ihre dreijährige Tochter Laetitia bei ihren Eltern zurückgelassen. Zwei- oder dreimal pro Jahr wurde Laetitia mit dem Bus nach Kampala gebracht, um die Mutter zu besuchen. Für mehr reichte das Geld nicht. Kigula teilte sich die Zelle mit drei weiteren Frauen, sie schliefen auf einer Matte; als Toilette diente ein Eimer. Sie weinte ständig. Immer wieder peinigten sie die Fragen, vor allem die eine: Wie konnte das alles nur passieren?

Doch nach und nach, jeden Monat ein wenig mehr, wich die Verzweiflung dem Mut, noch etwas mit dem Leben anzufangen – wie kurz es auch sein möge. "Ich konnte ja nicht nur auf den Tod warten!" Kigula gründete einen Gefangenenchor, stellte eine Tanztruppe zusammen, schrieb Gospellieder. Als sie hörte, dass die Männer im benachbarten Trakt zur Schule gingen, bearbeitete sie die Gefängnisleitung so lange, bis das auch den Frauen gestattet wurde. Jeden Nachmittag saßen nun Frauen unter den Bäumen und wurden von Mitgefangenen unterrichtet.

Kigula lehrte Lesen und Schreiben. Und büffelte gleichzeitig für ihr eigenes Abitur.

Praktikum in Kampalas Gefängniskrankenhaus

So vergingen die Wochen, die Monate, die Jahre; aus der verzweifelten Susan Kigula wurde unter den Frauen im Luzira-Gefängnis eine Führungspersönlichkeit.

Fünf Jahre nach Kigulas Verurteilung besuchte ein englischer Jurastudent das Gefängnis. Alexander McLean hatte während eines Praktikums in einem Gefängniskrankenhaus von Kampala die menschenunwürdigen Zustände kennengelernt, die Enge, den Schmutz, und er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Bedingungen zu verbessern. Die Behörden erlaubten ihm, in Luzira eine Bibliothek aufzubauen. Als Übersetzerin teilte man ihm jene Gefangene zu, die sich als engagierteste hervorgetan hatte: Susan Kigula.

Kigula mit ihrem Mann Constantine und der gemeinsamen Tochter Laetitia

Kigula mit ihrem Mann Constantine und der gemeinsamen Tochter Laetitia

McLean lebt heute als Anwalt in London, aus seinem damaligen Einsatz ist das "African Prisons Project" hervorgegangen, die Organisation, für die jetzt auch Kigula tätig ist. Er erinnert sich gut an den ersten Kontakt: "Sie war die Chefin. Und ich eher der kleine Junge", sagt er.

Mehrere Monate arbeiteten Kigula und McLean zusammen. Schließlich hatte der Engländer eine verwegene Idee: Ausgewählte Häftlinge sollten per Fernstudium Jura studieren können, so wie es einst Nelson Mandela getan hatte. Und er hatte auch schon genau die richtige Kandidatin dafür.

Wenn alle schlafen, lernt sie Jura

Woche für Woche erreichten Kigula nun Audiodateien von der University of London mit juristischen Vorlesungen. Die Lehrbücher dazu stapelte sie neben ihrer Matte in der Zelle. Jede Nacht zwischen eins und vier holte Kigula sie hervor, lernte im Licht der nicht ausschaltbaren Zellenlampe. "Am Anfang bin ich verzweifelt. Strafrecht! Familienrecht! Und ich hatte niemanden, mit dem ich die ganzen Sachen diskutieren konnte."

Kigula hielt durch. Bald half sie mit ihrem Wissen auch Mithäftlingen. Sie schrieb Anträge auf Bewährung, Dutzende Gefangene kamen frei. Selbst Wärterinnen fragten sie um Rat bei Scheidungsangelegenheiten. Doch ihre Todesstrafe galt nach wie vor. Und der Rechtsweg war erschöpft.

Je mehr Susan Kigula von Recht verstand, desto klarer wurde ihr, dass sie neu denken musste. Größer. Grundsätzlicher. Sie sammelte Unterschriften und Aussagen von anderen Todeskandidaten und reichte schließlich Verfassungsklage ein: Die Todesstrafe sei unmenschlich – und daher verfassungswidrig.

Diskussion unter Fachleuten: Gemeinsam mit anderen Anwälten wirkt Susan Kigula (l.) heute im "African Prisons Project". Es will die Haftbedingungen im Land verbessern. Viele Gefangene in Uganda verbringen Jahre in Untersuchungshaft, ohne ihre Rechte zu kennen

Diskussion unter Fachleuten: Gemeinsam mit anderen Anwälten wirkt Susan Kigula (l.) heute im "African Prisons Project". Es will die Haftbedingungen im Land verbessern. Viele Gefangene in Uganda verbringen Jahre in Untersuchungshaft, ohne ihre Rechte zu kennen

Über mehrere Monate hinweg tauschte Kigula nun morgens die Sträflingskluft gegen ein Kleid und wurde zum Verfassungsgericht gefahren. Sie gab Interviews, Fernsehteams besuchten sie im Gefängnis. Die Richter prüften, befragten, wägten ab, und als sie am 21. Januar 2009 im Fall "Susan Kigula und 417 andere gegen den Generalstaatsanwalt" ihr Urteil verlasen, war das eine Sensation: Es verstoße gegen die Verfassung, bei Mord automatisch die Todesstrafe zu verhängen. Und wenn ein Todesurteil nicht innerhalb von drei Jahren vollstreckt werde, sei die Strafe automatisch in lebenslänglich umzuwandeln. Susan Kigula, die Ladenbesitzerin ohne höheren Schulabschluss, die angebliche Mörderin und Todeskandidatin, hatte Rechtsgeschichte geschrieben – und war selbst dem Strang entkommen.

Wer Susan Kigula heute begleitet, merkt bald, wie sehr all das, ja die ganzen Jahre hinter Gittern noch ihr Leben bestimmen. Im Büro des "African Prisons Project" gleicht sie einer Geschäftsfrau. Sie kümmert sich um juristische Hilfe für Gefangene; die wenigsten kennen überhaupt ihre Rechte. Kigula trägt ihren Laptop in der Handtasche, sie hört zu, wirft ein, kann Runden charmant moderieren.

Zu teure Resozialisierung

Redet man mit ihr aber abends beim Bier über die Mordnacht, die erste Zeit im Gefängnis, dann stocken irgendwann ihre Worte, sie beginnt zu weinen, ihre Stimme bricht. Der Knast ist Teil von ihr. Und die Solidarität mit den Mitgefangenen wichtiger als das nächste Meeting. Noch immer.

Ein paar Tage später besucht Kigula eine ihrer besten Freundinnen aus der Haftzeit. Die Fahrt geht entlang an Abwassergräben und Buden, die geröstete Heuschrecken anbieten, in einen Slum von Kampala. Vor einem Bretterverschlag steht eine dürre Frau mit ausgemergeltem Gesicht und verschlissenem Kleid. Justine Nankya ist 56, wirkt aber deutlich älter. Sie saß zwei Jahrzehnte lang im Gefängnis, verurteilt wegen bewaffneten Raubüberfalls. Während dieser Zeit starben zunächst ihr Mann, dann ihre Eltern, und nach der Freilassung war da niemand mehr, der sie hätte auffangen können.

Kigula mit einer ehemaligen Zellengenossin. Justine Nankya verbrachte 20 Jahre im Gefängnis. Nach der Freilassung kommt sie mit dem Leben nicht mehr zurecht

Kigula mit einer ehemaligen Zellengenossin. Justine Nankya verbrachte 20 Jahre im Gefängnis. Nach der Freilassung kommt sie mit dem Leben nicht mehr zurecht

Kigula quetscht sich zu Nankya in die Hütte. Nebeneinander sitzen sie auf dem fleckigen Sofa. Kigula lauscht den Klagen ihrer Freundin. Das Geld, das fehlt. Die Welt, die ihr fremd geworden ist. Die Frauen nehmen sich in den Arm, weinen, wiegen sich.

"Im Gefängnis haben wir Nankya geachtet. Mit dem Leben draußen kommt sie nicht zurecht", sagt Kigula nach dem Treffen. "Und keiner hilft ihr."

Justine Nankya ist Produkt eines Systems, das allein auf Bestrafung setzt, auch weil Resozialisierung für Uganda, wie für die meisten Staaten Afrikas, schlicht zu teuer ist. Wo es an Schulen mangelt – wie sollen da Bücher oder Werkstätten für Gefangene finanziert werden? Und, so fragen auch hier gern Populisten, warum überhaupt?

Urteil als Präzedenzfall

Umso erstaunlicher der Kampf der Susan Kigula, umso verrückter ihr Sieg. Nachdem das Verfassungsgericht die Todesstrafe gekippt hatte, wurde ihr Fall, wie andere auch, neu verhandelt. Das Urteil wurde zwar nicht aufgehoben, die Strafe allerdings verkürzt. Und so konnte sie am Morgen des 26. Januar 2016 nach einer durchwachten Nacht das Gefängnis verlassen. "Es hat in Strömen geregnet. Daran erinnere ich mich gut, denn die Wärterin hat mich mit dem Schirm zum Tor gebracht!"

Noch im Gefängnis hatte Kigula zuvor ihr Examen abgelegt, als eine der besten des Fernkurses überhaupt. Das von ihr erstrittene Urteil ist zum Präzedenzfall geworden; das Verfassungsgericht im Nachbarland Kenia hat sich bei Abschaffung der obligatorischen Todesstrafe in Mordfällen daran orientiert. Kigula selbst will demnächst eine Kanzlei eröffnen, auch und gerade für Klienten hinter Gittern ohne Geld. Es fehlt noch die Zustimmung der Anwaltskammer. Deren Regularien verbieten bislang Vorbestraften, vor Gericht zu arbeiten. Auch deswegen versucht Kigula, nach der Freiheit ihre vollständige Rehabilitation zu erreichen: Sie sei unschuldig, das Urteil soll formell aufgehoben werden. Nach alldem – vielleicht eher eine kleine Hürde.

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