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Kölner Stadtarchiv: "Er hatte null Chancen"

Die Kölner Verkehrsbetriebe haben sich bei den Opfern und Betroffenen des Einsturzes des Kölner Stadtarchivs entschuldigt. Am Morgen hatten die Rettungskräfte die Leiche des 17-jährigen Bäckerlehrling Kevin geborgen. "Er hatte null Chancen", sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff.

Der Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), Jürgen Fenske, sprach Opfern, Angehörigen und betroffenen Bewohnern die Entschuldigung des Unternehmens aus. Die KVB würden sich an dem öffentlichen Gedenken beteiligen, sagte er. Den 33 Betroffenen, deren Wohnungen komplett zerstört sind, soll ein begleiteter Besuch auf dem Trümmerfeld Mitte nächster Woche ermöglicht werden. Ein Teil der Bewohner aus umliegenden Gebäuden könnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Stadt Köln plant eine Gedenkfeier für die Opfer des Häusereinsturzes. Oberbürgermeister Fritz Schramma sagte, die Gedenkstunde werde voraussichtlich in der Woche nach dem 15. März stattfinden. Dazu werde Trauerbeflaggung angeordnet. Der Oberbürgermeister sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Die schlimmen Befürchtungen seien traurige Gewissheit geworden. "Ich bin bestürzt über diese tragischen Ereignisse", sagte er. Schramma dankte zugleich den Rettungskräften und der Polizei für ihre Arbeit, die sie unter schwierigsten Umständen leisteten. Sie hätten zum Teil mit bloßen Händen nach den Toten gesucht.

Opfer wohnte im Nachbarhaus

Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist ein 17- jähriger Bäckerlehrling ums Leben gekommen. Einsatzkräfte bargen seine Leiche am frühen Sonntagmorgen. Der Jugendliche sei anhand seiner Fingerabdrücke zweifelsfrei identifiziert worden, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer. Dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge sei der junge Mann durch die herabfallenden Trümmer sofort getötet worden. Nach dem zweiten Vermissten, einem 24 Jahre alten Designstudenten, werde weiterhin gesucht.

Die beiden jungen Männer hatten in Dachgeschosswohnungen eines ebenfalls eingestürzten Wohnhauses gewohnt. Sie waren seit dem Unglück verschwunden. Die Ermittler gehen nicht davon aus, dass noch mehr Menschen verschüttet wurden. Es lägen keine weiteren Vermisstenmeldungen vor, sagte Clauer. Der 17-Jährige habe wahrscheinlich geschlafen, als das Haus einstürzte. Er hatte zuvor die ganze Nacht in der Bäckerei gearbeitet. Gefunden wurde seine Leiche unterhalb des Keller-Niveaus. Nach Angaben der Retter war er so schwer verletzt, dass er sofort tot gewesen sein muss. "Er hatte null Chancen", sagte der Kölner Feuerwehrchef Stephan Neuhoff.

Unterdessen haben die Spürhunde auf dem Trümmerfeld nach der Bergung des ersten Opfers erneut angeschlagen. Daraus dürften aber keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, sagte Kriminaldirektor Tobias Clauer. Beim ersten Opfer hätten die Hunde an einer anderen als der Fundstelle angeschlagen, erklärte Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff. Die Gerüche zögen durch schmale Lücken durch das dichte Trümmerfeld, daher die Verschiebung.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben ihres Sprechers die Ermittlungen ausgeweitet. Sie ermittelt nach Angaben eines Sprechers nun auch wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Das vierstöckige Kölner Stadtarchiv war am Dienstag eingestürzt. Große Teile zweier benachbarter Häuser wurden mitgerissen. Als Ursache des Unglücks wird der Bau einer U-Bahn nahe der Häuserzeile vermutet.

DPA / DPA