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Mitwisser, Planung und Motiv: Hatte Paddock Helfer? Wie schleppte er die Waffen hoch? Die Fragen zum Vegas-Massaker

Die US-Ermittler tappen nach den tödlichen Schüssen von Las Vegas weiter im Dunkeln: Was war das Motiv von Stephen Paddock? Nur eine der Fragen, die nach der Bluttat noch offen sind.

Die Trauer in Las Vegas ist weiter groß - und die Menschen suchen nach Antworten

Die Trauer in Las Vegas ist weiter groß - und die Menschen suchen nach Antworten

US-Präsident Donald Trump hat Las Vegas besucht. Den Ort, an dem Stephen Paddock mindestens 58 Menschen kaltblütig erschossen hat. Der Präsident würdigte den Einsatz von Polizisten, Rettungskräften und anderen Helfern und fand nach Einschätzung von Beobachtern die richtigen Worte: "Wir sind eine Nation in Trauer", "Wir stehen an eurer Seite, um zu helfen, euren Schmerz zu tragen", sagte Trump.

Doch Antworten konnte auch er, der mächtigste Mann der Welt, nicht geben. Antworten auf die Fragen, die sich die Menschen in Las Vegas und die Polizei seit dem Massaker stellen.

Was ist das Motiv für die Wahnsinnstat in Las Vegas?

Das ist die vielleicht am schwierigsten zu beantwortende Frage der Ermittler. Einen Abschiedsbrief hat Stephen Paddock vor dem Massenmord und seinem Suizid nach derzeitigem Stand nicht geschrieben, so muss sich die Polizei mit dem Umfeld und der Person des 64-Jährigen auseinandersetzen. Doch auch da gibt es so gut wie nichts, was auch nur ansatzweise eine Erklärung für dessen fürchterlichen Entschluss liefern könnte. Paddock soll ein Einzelgänger, aber nicht unbeliebt gewesen sein. Er führte eine Beziehung, galt als wohlhabend. Psychische Krankheiten, ein Hang zur Gewalt oder extremistische Ansichten waren nicht bekannt, so sagte es auch Paddocks Bruder Eric. Auch eine militärische Schießausbildung habe der 64-Jährige nicht genossen. Viel hatten sich die Ermittler von der Befragung der Lebensgefährtin des Todesschützen versprochen - Marilou Danley ließ jedoch nach der Vernehmung durch das FBI über ihren Anwalt ausrichten, dass sie sich die Tat nicht erklären könne.

Eine von der Propagandaabteilung der Terrorgruppe des sogenannten Islamischen Staates veröffentlichte Selbstbezichtigung für die Bluttat stuft die Polizei derzeit als nicht glaubwürdig ein.


Hatte Stephen Paddock Mitwisser oder Helfer?

Trotz der Aussage von Marilou Danley glaubt der in Las Vegas zuständige Bezirkssherriff Joseph Lombardo nicht, dass Paddock als "einsamer Wolf" und völlig unbemerkt von seinem Umfeld handelte. Er sei überzeugt, dass der Todesschütze Hilfe gehabt haben müsse und verwies unter anderem darauf, dass der 64-jährige im Verlauf der vergangenen Jahre ein riesiges Waffenarsenal angelegt habe. Insgesamt fanden die Ermittler nach den Morden fast 50 Schusswaffen im Hotelzimmer und in den Häusern des Täters, zudem Sprengstoff. Marilou Danley hingegen erklärte, Paddock habe niemals etwas gesagt oder getan, was sie als Warnzeichen hätte verstehen können.

Wie hat der Mörder seine Tat vorbereitet?

Vieles deutet den Ermittlern zufolge darauf hin, dass Paddock die Morde "umfassend" und akribisch vorbereitet und geplant habe. Zum einen habe er zwölf Waffen so manipuliert, dass sie quasi im Dauerfeuer schießen können (ein Waffenexperte sprach bei CNN von bis zu 900 Schuss pro Minute), zum anderen habe er insgesamt mehr als 20 Waffen nach Las Vegas gebracht und mit in seine Suite im 32. Stockwerk des "Mandalay Bay"-Hotels genommen, in die er Medienberichten zufolge bereits drei Tage vor der Tat einzog. Zehn Koffer soll Paddock dafür genutzt haben.

Laut Bezirkssherriff Lombardo hatte der Täter auch im Hotelzimmer und auf dem Hotelflur umfangreiche Vorbereitungen getroffen und mehrere Kameras installiert, so dass er sehen konnte, wer sich ihm näherte. Offenbar wollte er die Situation bis zum Ende beherrschen - als Elitepolizisten die Suite stürmten, lag er schon tot auf dem Boden. Ob tatsächlich niemand etwas von den aufwendigen Vorbereitungen für den Massenmord mitbekommen oder sie gar unterstützt hat, sollen die Ermittlungen zeigen.

Was bedeutet das Massaker für die Debatte um die US-Waffengesetze?

Die Tat von Las Vegas mit mindestens 58 Toten ist der blutigste Angriff mit Schusswaffen in der jüngeren US-Geschichte. Das Land wird immer wieder von Amokläufen heimgesucht, auch in der Alltagskriminalität spielen Schusswaffen eine große Rolle - doch die Diskussion um eine Verschärfung der Waffengesetze ebbt nach den Taten meist genauso schnell wieder ab wie sie aufflammt.

Auch nach der Bluttat von Stephan Paddock wurde der Ruf nach härteren Regeln für den Schusswaffenbesitz in den Vereinigten Staaten wieder laut. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Charles Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer "vernünftige Reformen". Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. "Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen." Ihm schlossen sich auf viele Prominente an.

Das Weiße Haus erklärte hingegen, eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze sei "verfrüht", solange die Hintergründe nicht geklärt seien. Der republikanische US-Präsident Donald Trump sagte: "Wir werden mit der Zeit über Waffengesetze sprechen." Er hatte sich in der Vergangenheit - vor seiner Bewerbung ums Präsidentenamt - für "vernünftige begrenzte" Waffenkontrollmaßnahmen ausgesprochen. Danach schwenkte er aber um, wohl auch mit Blick auf die mächtige Waffenlobby-Organisation NRA.

Auch das wirft Fragen auf.


mit Material von AFP und DPA