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Leckes Bohrloch am Golf von Mexiko: Sturm "Bonnie" zwingt Helfer zum Abzug

2000 Menschen kämpfen am Golf von Mexiko gegen die BP-Ölpest. Nun zieht Tropensturm "Bonnie" auf, die Helfer müssen in Sicherheit gebracht werden. Ob die Kappe, die das Ölleck derzeit abdichtet, hält?

Wegen eines heraufziehenden Tropensturms sind die Arbeiten am lecken Bohrloch im Golf von Mexiko gestoppt worden. Die US-Behörden ordneten am Donnerstag an, einen großen Teil der Schiffe und des Geräts sowie die Plattform für die Entlastungsbohrung zur endgültigen Verschließung des Lecks in Sicherheit zu bringen. Aufgrund der Evakuierung wird sich die Verschließung des Bohrlochs um mehrere Tage verzögern.

"Wegen des Risikos durch den Tropensturm 'Bonnie' für die Sicherheit der fast 2000 Menschen, die an der Bohrstelle gegen die BP-Ölpest kämpfen, werden sich viele der Schiffe von heute Nacht an darauf vorbereiten, dem Unheil aus dem Weg zu gehen", sagte der für die Bekämpfung der Katastrophe zuständige US-Admiral Thad Allen. "Das beeinhaltet die Plattform für das Entlastungsbohrloch, das die Quelle letztlich verschließen wird, sowie andere Schiffe, die zur Eindämmung benötigt werden." Einige Schiffe könnten möglicherweise vor Ort bleiben. Im Zweifel gehe aber die Sicherheit vor, so Allen.

Arbeiten am lecken Bohrloch werden sich verzögern

Auf Anordnung der US-Küstenwache waren zuvor schon mehrere Spezialschiffe über dem lecken Bohrloch des Ölkonzerns BP in Sicherheit gebracht worden. Der Abzug der Plattform für die Entlastungsbohrung würde die Verschließungsarbeiten nach früheren Behördenangaben um zwölf Tage verzögern. Allen sprach nun von "mehreren Tagen". Die abgezogenen Schiffe und Gerätschaften würden so positioniert, dass sie "sofort, nachdem der Sturm vorbeigezogen ist", wieder mit der Arbeit beginnen könnten.

Das US-Hurrikan-Warnzentrum hatte am Donnerstag eine bisher als Tief bezeichnete Wetterlage zum "tropischen Sturm" heraufgestuft. Aufklärungsflüge ergaben demnach, dass die Windstärke auf 65 Kilometer pro Stunde gestiegen ist. Laut den US-Behörden dürfte der Sturm die Region am Samstagmorgen erreichen und bis Sonntagmorgen weitergezogen sein.

Erst Ende Juni hatte der Sturm "Alex" die Öl-Helfer gezwungen, ihre Arbeit zu unterbrechen. Das Unwetter zog dann aber über die mexikanische Halbinsel Yucatán und weiter nach Westen, wo er die Bundesstaaten Tamaulipas und Nuevo León unter Wasser setzte.

Druck im Zylinder während des Sturms unbewacht

Die auf das lecke Bohrloch aufgesetzte tonnenschwere Abdeckhaube, die in den vergangenen Tagen einen weiteren Ölaustritt verhinderte, soll auch nach dem Abzug von Schiffen und Gerät nicht entfernt werden, wie Allen bekräftigte. Einige Experten hatten dazu Bedenken geäußert, weil während des Sturms der Druck in dem Zylinder nicht überwacht werden kann und nicht auffallen würde, wenn Öl an anderen Stellen am Meeresgrund austreten würde. Allen sagte, er habe BP angewiesen, die Schiffe, von denen aus Untersee-Roboter zur Überwachung des Zylinders gesteuert würden, als letztes vor dem Sturm abzuziehen.

Die Bohrinsel "Deepwater Horizon" war im April nach einer Explosion gesunken und hatte die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Studie fürchten die fünf betroffenen US-Bundesstaaten, dass sie in den kommenden drei Jahren 22,7 Milliarden Dollar (17,7 Milliarden Euro) an Einnahmen aus dem Tourismus wegen der Katastrophe verlieren könnten.

Röttgen will Moratorium für neue Ölbohrungen in Nordsee

Unter dem Eindruck der Katastrophe sprach sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) für einen vorübergehenden Stopp neuer Bohrungen in der Nordsee aus. Von Deutschland sollte eine Initiative für ein Moratorium ausgehen, sagte Röttgen in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko sei Anlass genug zu überprüfen, welche Risiken bei Bohrungen künftig gemieden werden sollten. Es werde aber voraussichtlich schwer sein, das Moratorium bei den Nordsee-Anrainern durchzusetzen.

Vor zwei Wochen hatte schon EU-Energiekommissar Günther Oettinger ein Moratorium als Konsequenz aus der Katastrophe im Golf von Mexiko gefordert. Unter anderem Großbritannien hatte dies aber abgelehnt.

zen/AFP/DPA / DPA