Lotsen-Mord Trauer und Angst nach Mord an Kollegen


Bei der Schweizer Flugsicherung skyguide herrschen derzeit Trauer und Verzweiflung, nachdem ihr 36 Jahre alter dänischer Kollege auf dem Balkon seines Hauses erstochen wurde. Einige Mitarbeiter bekamen Polizeischutz.

Trauer und Verzweiflung herrschen bei der Schweizer Flugsicherung skyguide. Wenige Stunden nachdem ihr 36 Jahre alter dänischer Kollege auf dem Balkon seines Hauses bei Zürich erstochen wurde, steht am Mittwoch Ratlosigkeit in den Gesichtern der meisten Mitarbeiter in der Genfer Zentrale der Flugsicherer. In Zürich selbst kamen sieben Kollegen nicht zur Arbeit. "Vollstes Verständnis" zeigten Vertreter der Fluggesellschaft Swiss und des Flughafens Zürich für dieses Verhalten.

Schwere Zeiten für die Mitarbeiter

Skyguide-Chef Alain Rossier konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten, als er bei einer Pressekonferenz über den Fall berichtete. Rossier sprach von schweren Zeiten für seine Mitarbeiter. Die waren schon kurz nach dem Zusammenstoß zweiter Flugzeuge bei Überlingen am Bodensee am 1. Juli 2002 angebrochen. Nach und nach waren damals Einzelheiten über die Arbeit bei der Schweizer Flugsicherung, die auch für den süddeutschen Raum zuständig ist, ans Licht gekommen.

Flugsicherung war unterbesetzt

Der dänische Kollege, der in jener verhängnisvollen Nacht Dienst tat, musste damals kurz vor Mitternacht in Zürich nicht nur die beiden Flugzeuge - eine russische Tupolew und eine Frachtboeing - überwachen, sondern auch noch eine Landung im deutschen Friedrichshafen organisieren. Ein Kollege in Karlsruhe sah, wie gefährlich nahe sich die Flugzeuge gekommen waren, doch konnte er wegen technischer Probleme mit der Telefonanlage in Zürich nicht anrufen. Dann wurde der russische Piloten gewarnt - es war zu spät. Bei dem Crash starben alle 71 Insassen der beiden Flugzeuge, die meisten davon Kinder aus Russland.

Rotstift führte zu enormem Arbeitsdruck

Der betroffene Lotse war seit fünf Jahren im Dienst und galt als erfahren. Nach der Katastrophe über dem Bodensee berichteten die Medien immer wieder über den enormen Arbeitsdruck bei skyguide und dass der Rotstift auch bei dieser hochsensiblen Dienstleistung zu gefährlichen Mängeln führen könnte. Seit Mittwoch herrscht nun der schreckliche Verdacht, dass der Mord an dem ehemaligen Fluglotsen ein Racheakt gewesen sein könnte. Vielleicht war es die Tat eines verzweifelten Vaters, dessen Kind durch den Absturz in den Tod gerissen wurde.

Täter spurlos verschwunden

Die Behörden handelten schnell. Der andere Dienst habende Lotse jener Juli-Nacht wurde von der Polizei in Sicherheit gebracht. Wer es wollte, bekam auch von skyguide Schutz für sich und seine Familie. Ob die Bluttat überhaupt in Zusammenhang mit der Katastrophe vor 18 Monaten steht, liegt im Dunkeln. Der etwa 50-jährige Täter ist spurlos verschwunden.

Heinz-Peter Dietrich DPA

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