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In Malaysia: Politiker rät Opfern von Vergewaltigungen, ihren Peiniger zu heiraten

Ein Parlamentarier hat in Malaysia mit verstörenden Aussagen von sich Reden gemacht. Er riet Vergewaltigungsopfern dazu, ihre Peiniger zu ehelichen. Die Empörung ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten.

Malaysia Frau

Eine Frau in Malaysia (Symbolbild)

Ein malaysischer Abgeordneter hat mit mehr als fragwürdigen Aussagen für Empörung gesorgt: Wie der "Guardian" berichtet, schlug der frühere Scharia-Richter Shabudin Yahaya während einer Parlamentsdebatte vor, dass Vergewaltigungsopfer ihre Vergewaltiger heiraten sollten. Zwar habe auch der Politiker Vergewaltigung per se als Kriminaldelikt anerkannt, sein Vorschlag solle jedoch helfen, "soziale Probleme zu lösen".

Shabudin wird in einer Lokalzeitung mit den Worten zitiert: "Vielleicht können sie durch die Heirat ein gesünderes, besseres Leben führen. Und die vergewaltigte Person hat nicht zwangsläufig eine düstere Zukunft. Sie wird wenigstens einen Ehemann haben und das könnte als Abhilfe für wachsende soziale Probleme dienen". 

Empörung bei Politikern und im Netz

Die umstrittenen Äußerungen fielen am Dienstag, während das Parlament über über ein neues Gesetz zur Gewalt gegen Kinder debattierte, das später verabschiedet wurde. Shabudin Yahaya, Mitglied der regierenden Koalition "Barisan Nasional", sagte den Medienberichten nach außerdem, dass auch Mädchen im Alter von zwölf Jahren "geistig und körperlich" reif genug für die Ehe sein könnten. Shabudin selbst beklagte einen Tag später, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Das neue Gesetz enthält nach Reuters-Angaben beispielsweise harte Strafen gegen "Grooming", verbietet aber Kinder-Ehen nicht. Der Begriff "Grooming" beschreibt im Englischen die gezielte Anbahnung einer emotionalen Beziehung eines Erwachsenen zu einem Kind, mit dem Ziel des sexuellen Kontakts. In Malaysia können Minderjährige sowohl nach islamischem wie auch nach staatlichem Recht verheiratet werden. Zwar liegt das gesetzliche Mindestalter bei 18 Jahren, aber auch 16-Jährige können unter bestimmten Umständen heiraten. Oppositionspolitiker begrüßten das neue Gesetz zwar, mahnten aber an, dass es noch nicht weit genug gehe. 

Erwartungsgemäß sorgten Shabudins Aussagen für Empörung, unter anderem bei der Opposition und in seinem Wahlkreis. "Er ist als Parlamentarier ein Anführer der Gesellschaft, es ist besorgniserregend, dass er so denkt", sagte wiederum Sharmila Sekaran, Vorsitzende der Kinder-Lobby-Gruppe "Voice of the Children", zum "Guardian".

Auch im Netz gab es Protest, unter anderem bei Twitter: 


rös