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Malaysia Airlines: Wurde die Maschine aus Versehen abgeschossen?

Der Absturz von Flug MH 17 gibt Grund für Spekulationen: Experten vermuten, dass die Maschine von prorussischen Separatisten abgeschossen worden sein könnte – und das aus Versehen.

Von Dominik Brück

Die abgestürzte Maschine MH 17 - wurde sie aus Versehen abgeschossen?

Die abgestürzte Maschine MH 17 - wurde sie aus Versehen abgeschossen?

Nach dem Absturz einer Passagiermaschine von Malaysia Airlines im Osten der Ukraine, bei dem am Donnerstag 298 Menschen gestorben sind, gibt es Spekulationen über einen möglichen Abschuss des Flugzeugs durch prorussische Separatisten. Experten vermuten, dass die Maschine durch eine Boden-Luft-Rakete russischer Bauart getroffen worden sein könnte. In Frage käme dabei die sogenannte "9K37 Buk", Nato-Bezeichnung "Gadfly" (Quälgeist, Störenfried). Das Waffensystem war in den 1980ern durch die Sowjetunion entwickelt und in Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes exportiert worden. Neben den russischen Streitkräften verfügt auch die ukrainische Armee über Luftabwehrraketen diesen Typs.

MH 17 war in Reichweite der "Buk"

Auch wenn die Absturzursache des Fluges MH 17 bisher nicht zweifelsfrei geklärt ist, wird ein Beschuss durch einfachere Raketen, die von der Schulter des Schützen abgefeuert werden, ausgeschlossen. US-Verteidigungsexperte Edward Hunt sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass die Reiseflughöhe von MH 17 mit zehn Kilometern außerhalb der Reichweite solcher Waffen liege. Mit solchen Raketen waren jedoch bereits ukrainische Militärflugzeuge von den Separatisten abgeschossen worden, die in einer geringeren Höhe unterwegs waren.

Als einziges Waffensystem, das in der Region um die Absturzstelle im Einsatz ist, hat die "Buk" eine Reichweite, mit der die Maschine von Malaysia Airlines hätte beschossen werden können. Die Raketen können Ziele in einer Höhe von bis zu 25 Kilometern bekämpfen. Ein ehemaliger Offizier der ukrainischen Luftwaffe erklärte dem Militärwissenschaftsmagazin "Janes", dass ukrainische "Buk"-Einheiten Ende Juni durch Truppen der Separatisten erbeutet worden waren. Auch im Internet waren Bilder aufgetaucht, die prorussische Kräfte mit den Flugabwehrraketen zeigten. Diese Aufnahmen wurden gelöscht, kurz nachdem klar war, dass es sich bei der abgestürzten Maschine um ein ziviles Flugzeug handelt. Verteidigungsexperte Hunt bezweifelt aber, dass die erbeuteten "Buk" ordnungsgemäß bedient werden können: "Sie sind normalerweise nicht bei Aufständischen oder Separatisten zu finden, da sie ziemlich viele Männer zur Bedienung, viel Übung und viele Ersatzteile erfordern."

Eine russische "Buk" bei einer Militärparade.

Eine russische "Buk" bei einer Militärparade.

Abschuss aus Versehen?

Der Raketenexperte Doug Richardson von "Janes" bestätigt die Einschätzung von Hunt, bemerkt jedoch auch, dass Wehrpflichtige in der ukrainischen Armee den Umgang mit dem System gelernt haben könnten. Im Normallfall besteht eine "Buk"-Batterie aus drei Fahrzeugen: einem Radarsystem, einem Kommandostand und dem Raketenabschusssystem. Alle Komponenten arbeiten bei der Luftverteidigung zusammen und ermöglichen es einer ausgebildeten Mannschaft gut zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden.

Die Raketen können jedoch auch ohne Radar- und Kommandofahrzeug abgefeuert werden. Dabei ist es möglich, dem System zu befehlen, automatisch alle Ziele anzugreifen, die durch das eingebaute Radar erkannt werden. Obwohl dabei auch ein Freund-Feind-Erkennungssystem genutzt wird, kann der Computer nur erkennen ob es sich um ein freundliches Flugzeug handelt, wenn ein entsprechender Code gesendet wird. Alle Ziele ohne diesen Code werden als feindlich eingestuft.

"Es ist am wahrscheinlichsten, dass die Separatisten glaubten, auf ein weiteres militärisches Ziel zu schießen", sagte ein Nato-Experte gegenüber "Janes". "Als sie erkannten, dass sie stattdessen eine zivile Maschine getroffen hatten gerieten sie in Panik und versuchten alle Beweise wie die Bilder im Internet zu löschen", so der Experte weiter. Es gebe jedoch Beweise, die man nicht so leicht verstecken könne, so wie die Signale, die zwischen Rakete und Abschusssystem ausgetauscht werden. Lange werde es nicht dauern, derartige elektronische Fingerabdrücke zu analysieren, so der Nato-Experte.