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Malinggei: Geisterinsel voller Leichen

Nur einige anrührende Hinterlassenschaften inmitten der Trümmer auf der Insel Malinggei vor Sumatra erinnern an die früheren Bewohner. Bis zu 20 Meter hohe Wellen sollen sich über die Küste hinweg gewälzt haben.

Eine Leiche liegt am Strand. Starker Verwesungsgeruch deutet darauf hin, dass unter den überall verstreuten Trümmern noch zahlreiche andere Tote verschüttet sind. Vor der Flutkatastrophe haben etwa 500 Einwohner auf der kleinen Insel Malinggei 50 Kilometer nördlich von Sumatra vor der indonesischen Küste gelebt. Jetzt ist Malinggei eine Geisterinsel ohne Menschen. Lediglich ein paar Hunde streunen noch herum.

Wie viele Bewohner Malinggeis der Tsunami in den Tod riss, ist unbekannt. Wer überlebt hat und aus eigener Kraft fliehen konnte oder evakuiert wurde, befindet sich jetzt vermutlich in einem der Flüchtlingslager rund um Banda Aceh, der Provinzhauptstadt im Norden Sumatras.

Anrührende Hinterlassenschaften

Ein paar anrührende Hinterlassenschaften inmitten der Trümmer auf Malinggei erinnern an die früheren Bewohner: ein Kinderfahrrad, einige Schulbücher, ein durchnässtes Fotoalbum. Malinggei und eine Reihe anderer kleiner Inseln lagen noch näher am Zentrum des verheerenden Bebens vom 26. Dezember und waren damit der zerstörerischen Wucht des Tsunamis noch unmittelbarer ausgesetzt als die Küste Sumatras.

Bis zu 20 Meter hoch wälzte sich die todbringende Flutwelle über die Küste Malinggeis hinweg, wie anhand von Spuren an übrig gebliebenen Kokospalmen abzulesen ist. Das Wasser zerschmetterte die einfachen Holzhütten und die Boote der Fischer in dem einzigen Dorf auf der Insel. Vier primitive Behausungen stehen noch inmitten der Trümmer.

Aufgeknackte Kokosnussschalen und ein sorgfältig in Plastik eingewickelter Koran sind die letzten Spuren von Überlenden. Ob die einstigen Bewohner je wieder an die Stätte des Grauens heimkehren, ist fraglich. Für Muhammad Yusuf jedenfalls, einen 55 Jahre alten Fischer von der ebenfalls verwüsteten Nachbarinsel Nasi, steht nach der Katastrophe fest: "Es gibt für mich keinen Grund, wieder zurückzugehen. Meine Insel ist ein Trümmerhaufen mit zu vielen Erinnerungen."

"Das ist ein Teil des Lebens"

Nach Schätzungen der indonesischen Behörden wurden von den 6.000 Bewohnern der Inselkette vor Sumatras Nordwesten rund 4.000 getötet. Auch der indonesische Sozialminister Alwi Schihab geht nicht davon aus, dass die Überlebenden wieder auf ihre zerstörten Inseln zurückkehren werden. "Die Leute haben ihre schlechten Erfahrungen mit dem Tsunami gemacht", sagte er. "Das ist die Situation an der Küste. Inseln verschwinden manchmal oder gehen unter. Das ist ein Teil des Lebens."

Chris Brummitt/AP / AP
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