Massaker in Blacksburg Täter war der Polizei bekannt


Bislang waren es hauptsächlich Gerüchte und Mutmaßungen. Nun aber bestätigt die Polizei, dass Cho Seung Hui, der an der Virginia Tech 32 Menschen erschossen hat, schon früher aufgefallen ist - unter anderem wegen Belästigungen von Studentinnen.

Der Massenmörder von Virginia war der Polizei bekannt und anderthalb Jahre vor seiner Tat in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Mit diesen Angaben bestätigte die Polizei des US-Bundesstaates die Berichte von Lehrkräften und Kommilitonen, wonach der 23-jährige Täter seit langem auffällig gewesen war. Virginia will die Umstände des größten Schulmassakers in der Geschichte der USA nun von einer Sonderkommission untersuchen lassen.

Die örtliche Dienststelle habe Ende 2005 Kontakt mit dem südkoreanischen Studenten gehabt, teilte die für die Hochschule zuständige Polizei mit. Anlass waren demnach Beschwerden von Studentinnen wegen Belästigungen. Aus Sorge, Cho Seung Hui wolle Selbstmord begehen, hätten Beamte den Studenten damals in eine psychiatrische Klinik gebracht.

"Es gab früh Warnsignale", sagte auch der Gouverneur Tim Kaine zwei Tage nach dem Massaker. "Wir müssen in einer sehr klaren und gründlichen Untersuchung prüfen, wie darauf reagiert und was unternommen wurde." Kaine stellte die geplante Sonderkommission unter Leitung des ehemaligen Polizeichefs von Virginia, W. Gerald Massengill. In dessen Amtszeit fielen unter anderem die September-Anschläge 2001 und der Amoklauf zweier Scharfschützen ein Jahr später.

Bei der Polizei hieß es, sie habe mit der Prüfung der "umfangreichen Schriften" des Todesschützen begonnen. Zugleich wies sie Berichte zurück, der Südkoreaner habe einen hasserfüllten Abschiedsbrief hinterlassen. Der "Chicago Tribune" zufolge hatte sich Cho in einer Notiz über reiche Kommilitonen, die Sittenlosigkeit auf dem Campus und hinterlistige Scharlatane unter den Lehrkräften ausgelassen. Der Student hatte in zwei Gebäuden der Hochschule 32 Kommilitonen und Professoren erschossen, bevor er die Waffe schließlich gegen sich selbst richtete.

Von Mitgliedern der Hochschule wurde der Täter als unnahbar und Einzelgänger beschrieben. In Texten, die er in seinem Studienfach Englische Literatur verfassen musste, fiel Cho zudem mit einem aggressiven Tonfall sowie obszönen Szenen voller Gewaltphantasien auf. Einzelne Lehrkräfte verweigerten deswegen bereits vor zwei Jahren, den Studenten weiter zu unterrichten, und versuchten Psychologen und die Universitätsleitung einzuschalten. Ehemalige Mitbewohner des Südkoreaners schilderten, dass sie die Polizei über Selbstmordankündigungen Chos informiert hätten.

Die Sonderkommission soll zudem die Reaktion von Polizei und Universitätsleitung auf die Ereignisse überprüfen. Studenten und Eltern werfen den Behörden vor, zu spät vor dem Amokschützen gewarnt und das Gelände nicht ausreichend gesichert zu haben. „Man muss sich solche Dinge auch noch einmal in kaltem Tageslicht anschauen und diese Fragen stellen“, sagte Kaine dem Fernsehsender CBS. Angaben der Polizei zufolge hatte der Täter zwei Pistolen, die er auf legale Art und Weise erworben hatte.

Wie angespannt die Nerven in Blacksburg sind, zeigte sich am Mittwochmorgen, als ein Fehlalarm einen Großeinsatz der Polizei auf dem Universitätsgelände auslöste. Den Sicherheitskräften seien "verdächtige Vorkommnisse" aus dem direkten Nachbarhaus des Vorlesungsgebäude gemeldet worden, in dem Cho 30 seiner Opfer erschossen hatte, sagte eine Sprecherin. "Dies hat sich aber als unbegründet herausgestellt." Die Universität hat den Lehrbetrieb für den Rest der Woche eingestellt.

Andrea Hopkins, Patricia Zengerle/Reuters Reuters

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