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Mord an Jan Kuciak Der Filz, der Millionär und der Doppelmord

Kuciak-Prozess
Hochsicherheitsankunft: Der Angeklagte K. (r., unkenntlich gemacht) beim Prozessauftakt. In der Mitte, der ebenfalls angeklagte Tomas S.
© Vladimir Simicek / AFP
Jan Kuciak starb durch einen Schuss in die Brust, seine Verlobte durch eine Kugel im Kopf. Grund für ihren Tod waren wohl Recherchen zu Korruption und Filz. Nun steht in Bratislawa der mutmaßliche Auftraggeber des Mords an dem Journalisten vor Gericht.

Unter großer Aufmerksamkeit internationaler Medien und strengen Sicherheitsmaßnahmen hat der Gerichtsprozess im Mordfall Jan Kuciak begonnen. Der Mord an dem Investigativ-Journalisten und seiner Verlobten im Februar 2018 überschattet bis heute die Politik der Slowakei. Vor einem Sondergericht für Organisierte Kriminalität in Pezinok bei Bratislava müssen sich der Unternehmer Marian K. als mutmaßlicher Auftraggeber und drei mutmaßliche Organisatoren und Ausführende des Doppelmordes verantworten.

Recherchen über den Millionär K.

Jan Kuciak und Martina Kusnirova waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Der 27-jährige Kuciak arbeitete investigativ für das Nachrichtenportal "Aktualne.sk" und recherchierte unter anderem über Steuerbetrug sowie zwielichtige Verbindungen zwischen Unternehmern und hohen politischen Kreisen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Geschäftsmann Marian K. vor, den Mord an dem Enthüllungsjournalisten in Auftrag gegeben zu haben, nachdem ein Erpressungsversuch gescheitert war.

Seine nach dem Mord veröffentlichte Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern der Sozialdemokratischen Partei löste Massendemonstrationen gegen Korruption und den Missbrauch von EU-Förderungen aus. Daraufhin traten Langzeit-Regierungschef Robert Fico sowie mehrere Minister und der Polizeipräsident zurück.

K. soll Richter und Politiker gekauft haben

Kuciak hatte vor seiner Ermordung ausführlich über die undurchsichtigen Geschäfte des Millionärs K. geschrieben. Im Zuge der Ermittlungen des Mordfalls wurde inzwischen enthüllt, dass K. offenbar ein Korruptionsnetz geknüpft hatte, über das er Richter, Staatsanwälte und Politiker beeinflusste. Dadurch konnte er seit Jahren erreichen, dass seine Betrugsfälle ungesühnt blieben.

Zudem ließ K. Journalisten bespitzeln, die kritisch über ihn berichteten. Zu den bespitzelten Journalisten gehörte auch Jan Kuciak. Die Informationen, die K. über ihn vermutlich auch von bestochenen Polizisten sammeln ließ, könnten am Ende auch bei der Vorbereitung des Mordplans verwendet worden sein. Der Hauptangeklagte K. trug bei seinem Eintreffen eine kugelsichere Weste und einen Helm. Das Gerichtsgebäude wurde von mehreren Polizisten mit Hunden bewacht.

Laut Polizeipräsident Tibor Gaspar sei Kuciaks Aufklärungsarbeit das wahrscheinlichste Motiv für den Doppelmord. In Bratislava sagte Gaspar, die Indizien wiesen darauf hin, "dass die Ermordung geplant war und nicht bei einer spontanen Auseinandersetzung erfolgte". Der Journalist war durch einen Schuss in die Brust getötet worden, seine Verlobte traf ein Schuss in den Kopf.

nik mit DPA/AFP/tkr

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