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Münsterland ohne Strom: RWE lehnt Schadenersatz ab

25.000 Haushalte werden auch die vierte Nacht in Folge ohne Strom auskommen müssen. Verbraucherschützer fordern den Stromversorger RWE deshalb zur Zahlung von Schadenersatz auf - doch der lehnt ab.

Der Bund der Energieverbraucher forderte, dass der Stromversorger RWE für die Schäden durch die Stromausfälle aufkommen soll. "Wer das Geschäft macht, darf sich bei der Haftung nicht drücken", sagte Verbandschef Aribert Peters.

Auf die Frage, ob ihm mögliche Schadenersatzansprüche Sorgen machten, sagte RWE-Chef Zschiedrich im Westdeutschen Rundfunk: "Uns macht momentan nur eins Sorge, und das ist, dass wir alle unsere Kunden ans Netz bekommen." Es gebe jedoch Regelungen, die besagten, dass bei Naturgewalten keine Schadenersatzansprüche bestünden.

Eine Übersicht über die durch das Schneechaos entstandenen Schäden habe der Energieversorger RWE nach eigenen Angaben nicht. "Es ist noch zu früh, um etwas zu Schadenshöhe und möglichen Einnahmeausfällen zu sagen", sagte der Sprecher der RWE-Vertriebsgesellschaft RWE Energy, Sebastian Ackermann. Derzeit arbeiteten unter anderem rund 400 RWE-Beschäftigte daran, die Stromversorgung wieder herzustellen. Nach Abschluss der aktuellen Arbeiten werde man sich ein Bild machen. "Erst dann können wir etwas zu den Kosten sagen."

Reparaturen dauern noch Monate

Die endgültige Reparatur der beschädigten Masten und Leitungen wird nach Angaben von RWE Westfalen-Weser-Ems noch Wochen und Monate dauern. Die Schadenshöhe gehe in die Millionen, sagte Unternehmenssprecher Klaus Schultebraucks. Er sagte, dass sich die Masten auf dem neuesten technischen Stand befunden hätten. Sie kämen auch in Norwegen, Österreich oder Bayern zum Einsatz. "Dort wäre das Gleiche passiert bei so einer Wetterlage."

Laut Ackermann entsprachen die Leitungen einer DIN-Norm. Die Belastung durch den Schnee sei jedoch sieben bis zehn Mal so hoch gewesen wie es die Norm vorschreibe. "Wir sind auf vieles vorbereitet, aber vor Naturkatastrophen ist keiner gefeit."

Alle Masten in dem Gebiet sollen nun auf bislang unentdeckte Schäden kontrolliert werden. Die Stromleitungen waren nach starken Schneefällen am Freitag unter der Last abgerissen. 50 Hochspannungsmasten im Münsterland waren eingeknickt oder stark beschädigt worden.

RWE ist Deutschlands größter Stromerzeuger und betreibt mit rund 12.000 Kilometern Länge das längste Übertragungsnetz in Deutschland.

"Das war ein Jahrhundertereignis"

Der Verband der Netzbetreiber (VDN) besteht trotz der 50 umgeknickten Stromleitungen darauf, dass die deutschen Stromnetze grundsätzlich sicher seien, so ein Sprecher. "Dies war ein Jahrhundertereignis. Da ist extrem viel zusammengekommen", sagte der Sprecher weiter.

Prinzipiell könnten auch die Leitungen zum Endkunden sicherer gemacht werden. Das koste aber deutlich mehr, sagte der VDN-Sprecher. Bau und Instandhaltung der deutschen Stromnetze tragen rund ein Drittel zur Stromrechnung der Verbraucher bei. Viele Versorger begründen ihre hohen Strompreise unter anderem mit diesen hohen Kosten in die Versorgungssicherheit.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters