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Mysteriöser Fund in Polen: Drei Parteien streiten schon jetzt um den Schatz im Nazi-Zug

70 Meter unter der Erde soll ein Nazi-Zug geortet worden sein. Ob er tatsächlich existiert oder was er geladen hat, weiß noch niemand. Doch der Streit um das Erbe des angeblichen Nazi-Schatzes ist bereits ausgebrochen.

Rekonstruktion des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg: Das Original ging während des Zweiten Weltkriegs verloren. Könnte es nun gefunden worden sein?

Rekonstruktion des Bernsteinzimmers im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg: Das Original ging während des Zweiten Weltkriegs verloren. Könnte es nun gefunden worden sein?

Auf dem Sterbebett soll ein Mann ein Geheimnis verraten haben, das er sein ganzes Leben lang gehütet hat: Das Versteck eines sagenumwobenen Zugs voller Nazi-Gold. Seit 70 Jahren soll der unermessliche Schatz in einem Tunnelsystem nahe der polnischen Stadt Walbrzych versteckt liegen, dort wo einst tausende Zwangsarbeiter kilometerlange Stollen in die Felsen trieben. Unterirdische Rüstungsfabriken und ein bombensicheres Führerhauptquartier sollten hier von der Außenwelt verborgen werden. Doch als der Zweite Krieg verloren ging, sollen die Nazis in dem Stollen einen Zug voller geraubter Schätze verschüttetet haben.

Seit Tagen wird nun über den angeblichen Fund des Nazi-Zuges spekuliert. Ein Pole und ein Deutscher meldeten die Entdeckung eines gepanzerten Nazi-Zugs in der Gegend von Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien. Geo-Radarbildern sollen den über hundert Meter langen Zug zeigen. Der polnische Vizekulturminister Piotr Zuchowski ist sich "zu 99 Prozent sicher", dass es sich um den "Goldzug" der Nazis handelt. 

Sagenhafte Schätze soll der Zug geladen haben - 300 Tonnen Gold, Diamanten, Schmuck, Kunstschätze. Einige hoffen sogar, das legendäre Bernsteinzimmer finden zu können. Obwohl noch nichts bestätigt ist, melden mehrere Parteien schon jetzt Anspruch auf den Schatz.

1. Russland

In einem Beitrag für das Nachrichtenportal "Sputnik" forderte der russische Jurist Michail Ioffe, dass der Schatz Russland übergeben werden muss, falls er auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zusammengeraubt worden ist. In Übereinstimmung mit internationalem Recht gehöre der Schatz in diesem Fall Moskau. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Ioffe: "Falls Eigentum vom Territorium der Sowjetunion entfernt wurde, muss es Russland übergeben werden."

2. Jüdischer Weltkongress

Robert Singer, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, wies hingegen darauf hin, dass die Schätze an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden müssen - unter der Voraussetzung, dass das Nazigold von ermordeten Juden stammt. Sollte es keine Erben geben, sollten die polnischen Holocaust-Überlebenden damit entschädigt werden. "Wir hoffen, dass Polen die angemessenen Schritte unternimmt", mahnte er.

3. Polen

In den polnischen Medien sorgten diese Äußerungen für Aufregung. "Russen und Juden strecken die Hand nach dem Schatz aus!", titelte die Boulevardzeitung "Super Express". Der polnische Vize-Kulturminister sagte dem Radiosender "Jedynka": "Die Analyse, die wir mit unseren Anwälten durchgeführt haben, kam zu dem Ergebnis, dass der Zug, wenn er gefunden wird, zum polnischen Staatsschatz gehört." Der Chef der niederschlesischen Bezirksverwaltung Cezary Przybylski betonte, dass auch wenn die Existenz des Zuges von manchen Behörden noch angezweifelt wird, der Zug auf jeden Fall in Niederschlesien bleiben soll.



Ellen Ivits