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"Bunker" in Neumünster Erstmals in Deutschland: Legale Cannabis-Produktionsanlage feiert Richtfest

Neumünster: Hendrik Knopp (r.), Geschäftsführer des Betreibers Aphria Deutschland GmbH und Thorsten Kolisch, Baustellenleiter, stehen im Rohbau der Anlage
Neumünster: Hendrik Knopp (r.), Geschäftsführer des Betreibers Aphria Deutschland GmbH und Thorsten Kolisch, Baustellenleiter, stehen im Rohbau der Anlage
© Carsten Rehder / DPA
24 Zentimeter dicke Betonwände, 400 Kameras und Natodraht: In einer Anlage, die einem Hochsicherheitstrakt gleicht, soll bald Cannabis für medizinische Zwecke angebaut werden.

Der Bau von Deutschlands erster legaler Cannabis-Produktionsanlage in Neumünster kommt voran, jetzt feierte man Richtfest. "Hier wird Ende 2020 – wahrscheinlich zum ersten Mal in Deutschland – medizinisches Cannabis produziert", sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz bei der Feier laut dem NDR.

Noch befindet sich die Anlage im Rohbau. Doch schon jetzt lässt sich erkennen, dass in dem Gewerbegebiet von Neumünster eine Art Hochsicherheitstrakt entsteht. 14.000 Tonnen Stahlbeton, 400 Kameras, Natodraht und ein Drohnenabwehrkonzept: Die Anlage könnte laut dem Geschäftsführer Hendrik Knopp sogar zwei Stunden lang einem Angriff mit schwerstem Gerät standhalten. "Wir arbeiten ja mit Betäubungsmitteln. Der Gesetzgeber hat klar definiert, wie dick die Wände sein müssen. Wir arbeiten in einem Tresor", so Knopp.

Gebaut wird der "Bunker" von dem Unternehmen Aphria Deutschland GmbH. Das Geld für die Expansion, inklusive der Cannabisplantage, stammt vom Mutterkonzern aus Kanada. Wirtschaftsminister Buchholz bezeichnete die Ansiedlung als Glücksfall für das Bundesland. Die Nachfrage nach medizinischem Cannabis sei enorm. Dieses komme beispielsweise in der Schmerztherapie zum Einsatz. "Hier geht es nicht um Marihuana für Altona", betonte der FDP-Politiker.

Zwei weitere Firmen bekommen Erlaubnis zum Cannabis-Anbau 

"Wir sind jetzt bei 50.000 bis 60.000 Patienten, die eine Cannabistherapie in Anspruch nehmen, Tendenz steigend", fügte Knopp hinzu. "Und wir müssen die fehlende Versorgung mit Importen abdecken." Die neue Anlage könne aber die vierfache Menge des aktuellen Bedarfs produzieren. verkauft wird nur an den deutschen Staat.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Aphria in Schleswig-Holstein zunächst den Anbau von jährlich einer Tonne für vier Jahre erlaubt. Außerdem dürfen zwei weitere Firmen künftig in Deutschland medizinisches Cannabis anbauen.

Cannabis-Legalisierung? 

Seit März 2017 können sich deutsche Patienten medizinisches Cannabis beim Arzt verschreiben lassen. Ob es allgemein legalisiert werden soll, wie etwa in Kanada, wird seit Jahren diskutiert. In der DISKUTHEK, dem neuen Debattenformat des stern auf Youtube, wurde das Thema ebenfalls thematisiert. Hier sehen Sie die ganze Folge.

ivi

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