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Evakuierung: Doch keine Alien-Sichtung: Warum das FBI ein Observatorium wirklich räumte

14 Tage lang herrschte Funkstille: Das FBI hatte ein Observatorium in New Mexiko vollständig geräumt. Ufo-Gläubige spekulierten wild herum. Doch nun kommen die wahren Hintergründe ans Licht.

Das FBI stürmte am 6.September das Sunspot Solar Observatory

Das FBI stürmte am 6. September das Sunspot Solar Observatory

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Der Polizeieinsatz war filmreif: Sechs FBI-Beamte sprangen aus einem Blackhawk-Helikopter, schwärmte auf dem Gelände des Sunspot Solar Observatory aus. Die Polizisten räumten die komplette Anlage, Computer-Forensiker rückten ein. Der Einsatz ist nun schon zwei Wochen her, doch seitdem schossen die Spekulationen bei Verschwörungstheoretikern ins Kraut. Hatten Wissenschaftler Botschaften von Aliens abgefangen, oder stand gar ein tödlicher Sonnensturm bevor? Warum sonst sollte das FBI eine Forschungsanlage unter ihre Kontrolle bringen und alle Daten sicherstellen?

Nun räumen lokale Nachrichtensender mit all den Gerüchten auf. Nach zwei Wochen der Nachrichtensperre gibt das FBI zumindest zu, dass ein Einsatz stattgefunden hat. Doch es ging wenig überraschend nicht um Aliens. Sondern um Kinderpornographie. Die Bundesbeamten haben den Hausmeister der Anlage im Verdacht, sich entsprechendes Material über das Funknetzwerk der Anlage besorgt zu haben. 

Das FBI beobachtet den Hausmeister in New Mexico schon länger

Einen ersten Tipp bekam die Behörde im August, als der Sicherheitschef des Observatoriums berichtete, er habe einen Laptop sichergestellt auf dem eindeutig Kinderpornos abgespeichert gewesen seien, berichtet der Sender KRQE News 13. Schon zuvor hatten Beamte registriert, dass von einer bestimmten IP-Adresse immer wieder Videos und Bilder heruntergeladen oder verbreitet wurden. Das FBI überwachte nach dem Bericht des Sicherheitschefs das Netzwerk des Observatoriums. Die Zeiten wann Datenströme und das Gerät aktiv waren, hätten nur einen Schluss zugelassen: Es muss der Haumeister sein.

Das FBI konfiszierte den Computer. Der Hausmeister sei daraufhin panisch geworden. Er sei durch die Anlage gerannt, habe fieberhaft nach dem Laptop gesucht, zitiert der Sender KRQE News 13 den Direktor des Observatoriums. Als der Mann dann auch noch von einem Serienmörder schwadroniert habe, der bald auftauchen könnte, habe sich der Leiter dazu entschlossen, die Anlage zu räumen.

Der Sheriff des Landkreises gab zu, über den FBI-Einsatz nicht informiert gewesen zu sein. Der habe ihn völlig überrumpelt. Doch von der Bundesbehörde kam kein Mucks. Auch der Betreiber des Observatoriums – die AURA (Association of Universities for Research in Astronomy) - hielt zunächst dicht. 

Der Leiter der Station muss die wildesten Gerüchte dementieren

Doch damit gaben sie den Verschwörungstheoretikern erst recht Anlass für Spekulationen. Der populäre Youtube-Kanal SecureTeam 10 fabulierte, es gebe Bilder eines unbekannten Flugobjektes. Der Direktor sah sich gezwungen im lokalen Sender KOB, noch mal klarzustellen, dass es keine Aufnahmen von Außerirdischen gebe. Überhaupt mache sein Institut alle Bilder der Öffentlichkeit unverfälscht zugänglich. Die AURA ließ Anfang der Woche verlauten, das FBI untersuche einen Zwischenfall. Doch mehr gab es nicht – auch den eigenen Mitarbeitern und Anwohnern gegenüber.

Immerhin ist das Observatorium seit Montag wieder geöffnet. Wenn auch unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Die Leitung soll den Vertrag mit dem Hausmeisterdienst gekündigt haben.

sos