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New Mexico: Horror-Camp in der Wüste: Das sagen die Väter der Verdächtigen über die Wahnsinnstat

Was trieb zwei Männer zu diesem Verbrechen? Über Monate pferchten sie zwölf Kinder in ein unterirdisches Gefängnis ein, sollen sie gar zu Terroristen ausgebildet haben. Nun melden sich die Väter der Tatverdächtigen zu Wort.

In diesen Baracken hauste Siraj ibn Wahhaj mit seinem Komplizen

In diesen Baracken hauste Siraj ibn Wahhaj mit seinem Komplizen

DPA

Sind sie religiöse Fanatiker oder Aussteiger, deren Projekt in einer Katastrophe endete? Die Meinungen über Lucas Morton und Siraj ibn Wahhaj gehen weit auseinander. Völlig unstrittig ist aber, dass beide Männer mit drei Komplizinnen zwölf Kinder über Monate in einem Wohnwagen festhielten. Der war mitten in der Wüste von New Mexico vergraben. Ein unterirdisches Gefängnis, in dem ihre Söhne und Töchter fast ohne Nahrung und in Lumpen gekleidet hausen mussten.

Am vergangenen Freitag machte ein Ermittler-Team dem Horror ein Ende. Einsatzkräfte stürmten das Areal und nahmen die fünfköpfige Gruppe fest. Die sitzt nun in Untersuchungshaft und muss sich wegen Kindesmissbrauch und Entführung verantworten. Der örtliche Sheriff hält sie für muslimische Extremisten. Immerhin konnten seine Männer ein Sturmgewehr, vier Pistolen und Munition sicherstellen.

Der lokale Nachrichtensender KOB4 berichtet gar, Lucas Morton und Siraj ibn Wahhaj hätten die Kinder an den Waffen trainiert, um Anschläge auf Schulen zu verüben. Beide Männer schweigen sich in den Anhörungen aus: Kein einziges Wort dazu, was sie in die Wüste trieb und warum sie zwölf Kinder lebendig begruben. Zumindest ihre Väter geben etwas über deren Seelenleben Preis.

Waffen hätten zur Selbstverteidigung gedient

Gerard Jabril Abdulwali erklärte gegenüber dem Radiosender KOB4, er hätte seinen Sohn Lucas Morton seit Dezember nicht mehr gesehen. Ein gefährlicher Spinner sei der aber nicht.  "Er wollte sich von der Gesellschaft abgrenzen und ein friedliches Leben auf einer Farm führen". Die Waffen, die sein Sohn hortete, seien eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um die Gruppe verteidigen zu können.  

Auch der Vater von Wahhaj erklärte gegenüber dem Sender CNN, er habe von einem Schießtraining nichts gewusst. Doch muss Wahhaj senior in großer Sorge um seinen Enkel gewesen sein. Den hatte Wahhajn junior im Dezember 2017 zu einem Ausflug mitgenommen, kehrte mit ihm aber nicht mehr nach Georgia zurück. Seine damalige Frau berichtet, er sei überzeugt gewesen, ihr körperlich behindertes Kind sei vom Teufel besessen. Er wolle einen Exorzismus durchführen.

Nach Recherchen des Senders NBC News hatte Wahhaj senior Anfang des Jahres eine Vermissten-Anzeige auf Facebook geschaltet. Dort warnte er auch eindringlich vor seinem Sohn. Sollten Passanten ihn mit dem Kind sehen, sollten sie umgehend die Polizei kontaktieren.

Die Fahndung rettete den Jungen nicht

Allerdings ist Wahhaj senior selber kein unbeschriebenes Blatt. Laut NBC und CNN soll er mit den vereitelten Anschlägen auf das World Trade Center 1993 in Verbindung stehen. Er steht als Imam einer Moschee in Brooklyn vor, die von Ermittlern argwöhnisch beobachtet werde. Inwieweit er seinen Sohn religiös radikalisierte, ist völlig unklar. Doch gemessen an dem Facebook-Post argwöhnte er wohl das Schlimmste.

Auch die Ex-Frau von Wahhaj junior wandte sich an die Polizei in Georgia. Sie brachte mit ihrer Anzeige erst die Fahndung ins Rollen. Es vergingen Monate, bis die Ermittler Siraj ibn Wahhaj und seinen Sohn in der Wüste von New Mexico aufspürten. Für den Jungen kam die Erstürmung des Camps zu spät. Ermittler fanden seine Gebeine am Montag. Der Vater hat bisher auch dazu kein Wort verloren.

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