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Nordrhein-Westfalen: Anschlag auf ICE

Ein mit 230 Reisenden besetzter ICE ist bei Oberhausen schwer beschädigt worden. Der Zug fuhr mit etwa 130 Stundenkilometern über eine absichtlich auf den Schienen befestigte Metallplatte. Es war nicht der erste Anschlag dieser Art.

Auf einen ICE-Zug ist in der Nacht zum Montag bei Oberhausen ein Anschlag verübt worden. Unbekannte hatten nach Angaben der Polizei eine Metallplatte auf dem Gleis befestigt, auf die der Zug dann mit hoher Geschwindigkeit auffuhr. Auf der Verbindung Amsterdam - Frankfurt/Main war der ICE 223 mit 130 Stundenkilometern unterwegs, als er gegen 21:00 Uhr in Höhe einer kleinen Bahnstation die Platte mitriss. Das Metall richtete am Fahrgestell größere Schäden an. Der Zug blieb aber auf den Gleisen und kam mehrere hundert Meter weiter an einem Übergang zum Stehen. Verletzt wurde von den 230 Passagieren niemand, teilte die Bundespolizei mit. Die Fahrgäste mussten allerdings auf offener Strecke den Zug verlassen. Sie konnten auf dem Gegengleis der gesperrten Strecke in einen Ersatzzug umsteigen.

Vierter Anschlag in NRW

Die Bundespolizei geht von einem "Attentatsversuch" aus. Die verschraubte Metallplatte soll Ähnlichkeit mit früheren Fällen aufweisen. Es war der vierte Anschlag innerhalb von zwei Jahren auf Bahnstrecken in Nordrhein-Westfalen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen versuchter Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Essen. Konkrete Hinweise auf Täter lägen noch nicht vor.

Gesucht werden derzeit Zeugen, die etwa zwischen 20:30 und 21:00 Uhr Verdächtiges beobachtet haben. Im schlimmsten Fall hätte der Zug durch die Metallplattezum Entgleisen gebracht werden können, wie der Polizeisprecher sagte. Der entstandene Sachschaden an dem Zug lag nach ersten Schätzungen bei etwa 10.000 Euro.

Andere Fälle aus 2004

Vor zwei Jahren hatten Unbekannte im Ruhrgebiet in Kamen, Castrop-Rauxel und Wesel bereits Anschläge verübt. In Castrop-Rauxel war im Juni 2004 ein Regionalexpress mit 120 Stundenkilometern über Metallplatten gefahren. Der Zug wurde beschädigt, verletzt wurde niemand. Ein psychisch Kranker hatte die Tat zugegeben und erklärt, er sei durch die Berichte über die Fälle von Kamen und Wesel auf die Idee gebracht worden. Zwei Monate zuvor hatten Unbekannte bei Kamen in einer Baustelle drei Metallplatten auf Schienen geschraubt, über die ein ICE mit 90 Stundenkilometern fuhr. Mitte April gab es einen ähnlichen Anschlag auf eine Strecke bei Wesel. In beiden Fällen wurde niemand verletzt.

mit DPA, Reuters / Reuters