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Nordsee: Unfall-Katamaran legte bei zu hohen Wellen ab

Der Hochgeschwindigkeits-Katamaran "Polarstern" ist bei zu heftigem Seegang von der Insel Helgoland aus gestartet. Die Wellen waren zum Zeitpunkt des Auslaufens über drei Meter hoch - das Schiff ist aber nur für eine Wellenhöhe von 2,50 Meter gebaut. Die Reederei will nun klären, ob der Kapitän davon wusste.

Die verunglückte Fähre "Polarstern" hat die Insel Helgoland bei zu hohem Wellengang verlassen. Wie das Hamburger Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mitteilte, waren die Wellen zum Zeitpunkt des Auslaufens des Hochgeschwindigkeits-Katamarans im Schnitt 3,20 Meter hoch. Die höchsten Brecher hätten mehr als fünf Meter erreicht. Nach Angaben der "Polarstern"-Reederei AG Ems sind 2,50 Meter hohe Wellen die Höchstgrenze für ein Auslaufen. "Wir müssen noch klären, ob der Kapitän diese Werte kannte", hieß es bei der AG Ems.

Die Reederei AG Ems hatte nach ersten eigenen Angaben kein Versagen ihres Kapitäns gesehen. Am Dienstag hatte die Reederei erklärt, die Vorhersagen für Montagnachmittag hätten "nordwestliche Winde der Stärke 6 bis 7 mit signifikanten Wellenhöhen bis 2,50 Meter" erwartet. Nach Angaben des Germanischen Lloyd, der die "MS Polarstern" klassifizierte, ist das Schiff für eine maximale Wellenhöhe von 2,50 Meter gebaut. Laut Reederei nahm der Seegang auf der Rückreise zu und der Kapitän passte die Geschwindigkeit dem Wetter so an, dass er nur noch mit etwa halber Fahrt entsprechend rund 18 Knoten unterwegs war.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Aurich hat die Ermittlungen aufgenommen. Sie richteten sich derzeit noch gegen Unbekannt, sagte Behördensprecher Werner Kramer. Es werde aber wohl darauf hinauslaufen, dass gegen den Kapitän ermittelt werde. Nicht auszuschließen seien auch Ermittlungen gegen die Reederei. Die Untersuchungen stehen laut Kramer noch ganz am Anfang. Sie werden wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Seeverkehr geführt.

Bei der Suche nach der Ursache für das Unglück gab es Verzögerungen. "Die Polizei hat uns erst Dienstagmorgen informiert", sagte der stellvertretende Leiter der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU), Jürgen Albers, in Hamburg. Anders als angenommen verlieren die Ermittler dadurch aber keine Informationen. "Wir hatten zunächst befürchtet, dass der Datenschreiber des Katamarans nach zwölf Stunden bereits gelöscht ist", sagte Albers. Die "Polarstern" habe ein solches System aber nicht. Die Polizei wollte sich zur Kritik der BSU nicht äußern.

Derweil wurde das Hochgeschwindigkeitsschiff "MS Polarstern" von Experten untersucht. Am Montagabend hatte auf offener See eine große Welle die vordere Reling losgerissen und so stark gegen eine Panoramascheibe geschlagen, dass diese zerborsten war. Der zeitweilig kritische Zustand eines der drei schwer verletzten Passagiere hat sich nach Angaben der Wasserschutzpolizei Emden inzwischen stabilisiert.

Fahrgäste kämpften mit Übelkeit

Bei dem Unglück am Montagabend auf der Rückfahrt von Helgoland nach Ostfriesland waren laut der Reederei AG Ems 357 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder an Bord. 24 von ihnen wurden verletzt, drei davon schwer. Viele Fahrgäste hatten offenbar wegen der starken Bewegungen des Schiffs mit Übelkeit zu kämpfen.

DPA/AP / AP / DPA