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Appell in Großbritannien Mutter fordert in Brief, ihrem obdachlosen Sohn nicht mehr zu helfen

Ein Obdachloser
"Ihr denkt, ihr könntet den Menschen damit helfen. Doch in Wirklichkeit drängt ihr die Menschen in ihre Drogenabhängigkeit und bringt sie damit um", so der Appell einer Mutter, deren Sohn auf der Straße lebt (Symbolbild)
© Jan-Philipp Strobel/DPA
In einem verzweifelten Brief hat sich in England die Mutter eines Obdachlosen an die Öffentlichkeit gewandt. Geld-, Essens- und Kleidungsspenden würden ihrer Meinung nach viele Obdachlose am Ende umbringen, statt ihnen zu helfen. Auch ihren Sohn.

Es schneit, es ist kalt und das ohnehin schon harte Leben auf der Straße wird in diesen Tagen zum reinen Überlebenskampf. Warme Kleidung oder ein heißer Kaffee scheinen da eine menschliche und naheliegende Geste, doch die Mutter eines 22-jährigen Obdachlosen aus England hat sich nun mit einem überraschenden Appell auf der Nachrichtenseite "Wales Online" an die Öffentlichkeit gewandt. Man solle ihrem Sohn weder Geld noch warme Kleidung noch etwas zu essen geben, denn diese Zuwendungen würden ihn am Ende ins Grab bringen.

Es ist ein herzzerreißender Bericht einer Frau, die zusehen musste, wie ihr Sohn immer tiefer in eine Spirale von Drogen und Obdachlosigkeit hinabrutschte. Aber es ist auch der Brief einer ratlosen und verzweifelten Mutter, die sich selbst nicht erklären kann, wie es soweit kommen konnte. Die sich rechtfertigt, alles ihr Mögliche unternommen zu haben. Sie habe ihn angefleht, keine Drogen zu nehmen, ihm versucht finanziell oder mit Rat zu helfen, ihn aus dem Gefängnis abgeholt, sich für ihre eigenen Fehler entschuldigt, sie habe selbst nach Rat gesucht – ohne Erfolg. Ihr Sohn lebt noch immer auf der Straße. Nimmt Drogen. Und das seit nunmehr neun Jahren.

Mit 13 Jahren begann er Drogen zu nehmen

Ausführlich erzählt sie seine Geschichte. Eine Geschichte von einem Jungen, der Mountainbiking, Schwimmen und Skifahren liebte. Es sei sicherlich nicht alles perfekt gewesen. Aber er hätte ein liebevolles Zuhause gehabt.

Mit 13 Jahre habe ihr Sohn begonnen Cannabis zu nehmen. Er habe es von älteren Jugendlichen bekommen. Sie selbst habe lange nichts davon gewusst, bis er ihr Weihnachten vor ein paar Jahren gestanden hätte, dass er Heroin nehmen würde, bald darauf, dass er auf der Straße leben würde. Der Kontakt zu ihm wurde immer schlechter. Die Mutter, die ihren Brief anonym schreibt, weiß sich inzwischen nicht mehr zu helfen.

Es gibt nur eine richtige Art Obdachlosen zu helfen

Sie sieht nur noch einen Ausweg: "Wenn ihr meinem Sohn Kleidung gebt, dann wird er es ein paar Tage warm haben. Wenn ihr ihm etwas zu essen gebt, wird er eine Weile satt sein. Wenn ihr ihm Geld gebt, wird er für eine Weile Drogen haben", schreibt sie. Aber nichts würde ihrem Sohn auf lange Sicht helfen. Man würde ihrem Sohn also nur helfen, seinen aktuellen Lebensstil weiterzuführen. Ein Teufelskreis. "Ihr denkt, ihr könntet den Menschen damit helfen. Doch in Wirklichkeit drängt ihr die Menschen in ihre Drogenabhängigkeit und bringt sie damit um."

Für die Mutter gibt es nur eine Möglichkeit, drogenabhängigen Obdachlosen wie ihrem Sohn zu helfen: "Gebt ihm keine Kleidung oder Essen, sondern gebt es Organisationen, die Obdachlosen helfen, sie von der Straße zu holen."

Flehentlich beendet sie ihren Appell: "Bitte sorgt dafür, dass mein Sohn nächstes Weihnachten nicht im Grab liegt."

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