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Nach Massaker in Parkland: Wie US-Waffennarren die Suspendierung eines Schülers missbrauchen

Als seine Mitschüler auf den Hof gingen, um für härtere Waffengesetze zu demonstrieren, blieb Jacob Shoemaker im Klassenraum. Danach wurde er suspendiert. Aber nicht weil er nicht an dem Streik teilnahm. Die Waffenfans kümmert es wenig.

USA, Florida, West Palm Beach: Schüler demonstrieren mit Schildern gegen die aktuellen Waffengesetze in den USA

 USA, Florida, West Palm Beach: Schüler demonstrieren mit Schildern gegen die aktuellen Waffengesetze in den USA

DPA

Einen Monat nach dem Massaker an einer Schule in Florida haben Kinder und Jugendliche in den USA am vergangenen Mittwoch landesweit für eine Verschärfung des Waffenrechts demonstriert und der 17 Todesopfer des Blutbades gedacht. In zahlreichen Schulen im ganzen Land wurde ab 10 Uhr Ostküstenzeit der Unterricht für 17 Minuten unterbrochen. Auch an der Hilliard Davidson High School in Hilliard im Bundesstaat Ohio.

Als seine Mitschüler das Gebäude jedoch verließen, um an dem Streik teilzunehmen, blieb Jacob Shoemaker im Klassenzimmer. Es folgte seine Suspendierung. 

Das entsprechende Schreiben der Schule landete im Netz und verbreitete sich in der digitalen Welt. "Der Schüler hat sich geweigert, Anweisungen zu befolgen, nachdem er wiederholt von mehreren Administratoren gewarnt worden war", ist in dem Brief zu lesen.

"Es sollte keine Politik im Klassenzimmer geben"

Wie die Anweisungen aussahen, steht jedoch nicht in dem Schreiben. Shoemaker wurde nicht suspendiert, weil er sich geweigert hatte, an dem Streik teilzunehmen, sondern weil er das Klassenzimmer nicht verlassen wollte. "Es gab für unsere Schüler zwei Möglichkeiten: Sie konnten entweder an der Demo teilnehmen oder sich in der Lesehalle aufhalten", erklärte die Schulsprecherin Stacie Raterman der lokalen Nachrichtenseite "IndeOnline". "Wir sind für die Sicherheit unserer Schüler verantwortlich. Wir konnten nicht zulassen, dass Schüler unbeaufsichtigt sind."

Shoemaker weigerte sich jedoch, in die Lesehalle zu gehen. Warum? Er habe kein politisches Statement setzten wollen, erklärte sein Vater Scott Shoemaker in einem Facebook-Post. Sein Sohn habe weder zu den Demonstranten noch zu den Nicht-Demonstranten gehören wollen. Also habe er den Mittelweg gewählt. "Es sollte keine Politik im Klassenzimmer geben", habe sein Sohn ihm gesagt.

Waffennarren nutzen den Fall für sich

Doch warum genau Shoemaker von der Schule beurlaubt wurde, interessierte im Netz viele nicht. Für Waffennarren und konservative Republikaner stand fest: Der Schüler wurde suspendiert, weil er an dem Streik nicht teilnehmen wollte. Das Schreiben der Schule wird mit Hashtags wie #GunControlNever (Niemals Waffenkontrolle) und #LiberalismIsAMentalDisorder (Liberalismus ist eine psychische Krankheit) versehen. 

Von dieser Darstellung distanziert sich die Familie von Shoemaker. "Es gibt viele Gruppierungen da draußen, die die Angelegenheit benutzen, um eine eigene Agenda zu pushen. Das befürworte ich nicht", sagte sein Vater.

ivi