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Opfer des Todesflugs AF447: "Schwimm, Matthias, bitte schwimm"

Er war die Liebe seines Lebens. Und er war ein Passagier des Todesflugs AF447. Der Stuttgarter Modemacher Horst Wanschura hat bei dem Absturz des Air-France-Airbus seinen Lebensgefährten Matthias Peter verloren. Hier lesen Sie, wie er vom Tod des Partners erfuhr, wie er trauert - und wie die Fluglinie mit ihm umgeht.

Von Malte Arnsperger

Es ist Pfingstmontag, 16 Uhr. Mit verweinten Augen sitzt Horst Wanschura vor seinem Fernseher und feuert einen Menschen an, den er nicht sieht, der ihn nicht hört: Matthias Peter, seinen Lebensgefährten, einen Passagier des Air-France-Flugs 447 von Rio de Janeiro nach Paris. "Schwimm, Matthias, bitte schwimm", murmelt der Stuttgarter Modemacher. Seit er erfahren hat, dass eine Maschine der französischen Fluglinie vermisst wird, sitzt er vor dem Bildschirm, will wissen, was mit Matthias, was mit dem Airbus A330 geschehen ist. Hat Matthias eine Chance zu überleben? Kann er sich retten? Vielleicht nach einer Notlandung? Vielleicht auf eine Insel?

Neben Wanschuras Stuhl steht eine große, schwarze Vase mit zehn Rosen, fünf rosa-farbenen, fünf weiß-rosé-farbenen, daneben ein frischgebackener Apfel-Käsekuchen. Mit beidem wollte Manschura seinen Lebensgefährten überraschen, ihn willkommen heißen. Eigentlich hätte er schon längst zu Hause sein müssen.

Doch Matthias Peter wird diese Geschenke nie entgegennehmen. Und wahrscheinlich bekam er auch keine Gelegenheit mehr zu schwimmen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der 44-Jährige bei dem Absturz der Air-France-Maschine ums Leben gekommen, gehört zu den vermutlich 228 Opfern. Nach einem zweiwöchigen Urlaub war Peter auf der Rückreise von der brasilianischen Metropole zurück ins heimische Stuttgart. In Rio besaß er gemeinsam mit seinem Partner Wanschura seit fünf Jahren ein Apartment. Am 1. Juni sollte Peter gegen 13.30 Uhr in der schicken dreigeschossigen Wohnung in Stuttgart eintreffen, in der er seit 18 Jahren mit seinem Lebensgefährten lebt. Doch - ebenso wie die Angehörigen von 27 weiteren Deutschen - wartete Wanschura vergeblich auf den Heimkehrer.

Wohnung wird zum Trauerzentrum"

Freitag, 5. Juni. Die zehn Rosen sind verwelkt. Von dem Kuchen sind nur noch zwei Stücke übrig. Den Rest haben Wanschuras trauernde, tröstende Besucher gegessen. Er selbst hat davon nichts angerührt. Wasser, Kaffee, ein bisschen Suppe und eine Brezel. Das war alles, was der drahtige Mann zu sich nehmen konnte, seitdem er von dem Unglück erfahren hat. Die Wohnung des 48-Jährigen ist mittlerweile zum Zentrum der Trauer um Peter geworden. Ständig klingeln Menschen an der Tür, die den Witwer in seinem Schmerz nicht allein lassen wollen, unaufhörlich schellt das Telefon. "Hallo Christina, mein Schatz", begrüßt Wanschura mit leiser Stimme eine Anruferin. Nach einigen Sekunden läuft dem Mann mit den stahlblauen Augen und dem Dreitagebart eine Träne über die Bartstoppel. "Er ist ja bei uns. Er ist ständig bei uns und um uns", tröstet er die Freundin. Dann sagt er mit fester Stimme: "Dem Jens geht's super schlecht, dem müssen wir helfen."

1989 begegnen sich Wanschura und Peter zum ersten Mal. Dem Modedesigner fällt der athletische Sonnyboy auf, der nebenan in einem Kleidergeschäft arbeitet. Wanschura betreibt seine Modeboutique "Fashion Room" schon damals sehr erfolgreich - mittlerweile ist sie eine der exklusivsten Adressen in der Stuttgarter Innenstadt. Eine von Wanschura maßgeschneiderte Hose kostet mindestens 300 Euro, eine Wanschura-Jacke gibt's ab 900 Euro aufwärts. 1990 werden die beiden ein Paar, ziehen bald danach zusammen. Im August 2008 heiraten sie, inzwischen arbeitet Peter in Wanschuras Geschäft. "Er ist ein toller Modeberater", sagt Horst Wanschura und blickt auf ein Foto seines Partners, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Wanschura spricht von Peter in der Gegenwartsform. Für ihn ist er noch da.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das letzte Telefongespräch und Horst Wanschuras Wut auf die Air France

Am 15. Mai sehen sie sich das letzte Mal. Wanschura bringt Peter das Frühstück ans Bett, selbst gemachtes Quittengelee, dunkles Weizenbrot und den gewohnten Milchkaffee. Wanschura schlürft seinen dünnen Earl-Grey-Schwarztee. Das Frühstück im Bett ist ein Ritual der beiden, egal wo sie sind. Während Wanschura sich für die Arbeit im Modegeschäft fertig macht, kann Peter noch faulenzen. Er fliegt erst um 16 Uhr nach Paris und von dort nach Rio. Wanschura bleibt in Stuttgart, einer muss sich ja um den Laden kümmern. "Ich vermiss' dich schon jetzt", bekennt Peter beim Abschied.

"Ich liebe dich" sind die letzten Worte

Am 31. Mai ruft Peter aus Rio an. Er habe die gemeinsame Wohnung geputzt - "Sie ist tipptopp in Ordnung!", die Koffer seien schon gepackt, erzählt der 44-Jährige. Bevor er zum Flughafen zum Check-In für den Flieger nach Paris muss, will er noch bei "Elos" einkaufen, ihrem Lieblings-Modegeschäft. Peter sagt noch: "Ich liebe dich."

Peter hat große Flugangst. "Er hat mir immer gesagt, dass er sich vor einem Absturz fürchtet", erinnert sich Wanschura und fährt sich durch die kurzen braun-grauen Haare. Doch Fliegen gehörte zu ihrem Leben dazu – die beiden flogen gemeinsam zu Modemessen nach Paris oder Mailand oder eben in den Urlaub nach Brasilien. "Ich habe ihm dann stets gesagt: 'Matthias, diese Flugzeuge sind so modern, du stürzt nicht ab. Er hat aber immer starke Beruhigungsmittel genommen. Ich hoffe, auch bei diesem Flug, sodass er nichts gemerkt hat von dem Absturz."

Wieder klingelt das Telefon. Es ist die Fluglinie. Ein Air-France-Mitarbeiter fragt, ob Wanschura psychologische Hilfe in Anspruch nehmen will. Er will nicht. Überhaupt ist er schlecht zu sprechen auf die französische Fluglinie. Tagelang habe sich niemand bei ihm gemeldet, ständig habe er seine Daten und die seines Partners durchgeben müssen. "Die sagten mir jedes Mal: Ihren Namen haben wir noch gar nicht auf der Liste." Zornig macht ihn das. "Ich habe eine enorme Wut auf die Air France und wie die mit den Menschen umgehen. Das sind zusätzliche Schmerzen", sagt er. Schmerzen hat Wanschura schon genug, ihn quält die Ungewissheit. "Ich wüsste schon gerne, was auf dem Flug passiert ist. Aber eins weiß ich: Ich hege einen Hass auf den Piloten, der in dieses Unwetter geflogen ist. Das war unverantwortlich."

Kriminalpolizei sucht Spuren

Wanschura geht die Treppe in den zweiten Stock seiner Wohnung hinauf. Auf einem Treppenabsatz hat er eine bronzene Christus-Figur aufgestellt, davor eine Kerze. Sein kleiner Gedenkaltar. Die Kerze brennt nicht mehr. "Ich habe sie ausgemacht, weil gerade die Polizei da war", sagt er und zündet die Kerze wieder an.

Die Kriminalpolizei hat Spuren in Wanschuras Wohnung hinterlassen. Die Beamten haben Parfum-Flaschen und Haarbürsten im Badezimmer eingepudert mit Kohle, um Fingerabdrücke und DNA-Material von Peter zu finden. Das Material soll bei der Identifizierung der Leiche helfen, wenn die denn einmal gefunden ist. Auf dem Rand der Badewanne steht ein großer schwarzer Bilderrahmen. Das Bild zeigt einen Mann im Schneidersitz mit Badekappe auf dem Kopf.

Matthias Peter war ein begeisterter Schwimmer.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
  • Malte Arnsperger