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Sherpas auf dem Mount Everest: Das Geschäft mit der tödlichen Gefahr

Ohne Sherpas würden viele Bergsteiger den Aufstieg auf den Mount Everest nie schaffen. Der Tourismus am Berg sichert den Einheimischen die Existenz - dafür riskieren sie aber auch ihr Leben.

Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde - die Berge sind das Kapital der Menschen

Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde - die Berge sind das Kapital der Menschen

Einmal mehr hat es Einheimische getroffen: 16 nepalesische Bergführer, die den ausländischen und gut zahlenden Touristen den Weg zum höchsten Berg der Welt ebneten, wurden am berüchtigten Khumbu-Eisfall von einer Lawine in den Tod gerissen.

Die Tragödie trifft das Volk der Sherpa, das für seine Fähigkeiten in den Bergen bekannt ist. Die Sherpas riskieren viel - und verdienen viel, gemessen an den landesüblichen Löhnen. Auch die Unternehmen, die die Expeditionen organisieren und die nepalesische Regierung profitieren vom Mount Everest. Immer wieder gibt es Kritik an der Kommerzialisierung. Die Berge aber sind das Kapital Nepals, das zu den ärmsten Ländern der Erde gehört.

Als das Unglück geschah, warteten im Basislager etwa 350 Bergsteiger, dass Sherpas den Weg vorbereiten. Der Eisfall oberhalb des Lagers gilt als Todesfalle Nummer eins auf der Südseite des Mount Everest. Er streckt sich über etwa 800 Höhenmeter bis auf gut 6000 Meter.

Icefall-Doctors suchen sichere Wege

Der Gletscher bewegt sich einen halben, manche sagen sogar eineinhalb Meter pro Tag. "Da ändern sich die Verhältnisse täglich", sagt der Bergführer und Vize-Geschäftsführer des DAV Summit Clubs, Manfred Lorenz. Erfahrene Sherpas, sogenannte Icefall-Doctors, suchen deshalb für ihre zahlenden Kunden einen sicheren Weg und präparieren ihn. Doch Eislawinen lassen sich nicht voraussehen.

Eisbrocken türmen sich, über riesige Spalten helfen Fixseile und Leitern. Die Route muss ständig gepflegt werden. "Da, wo gestern noch eine begehbare Route war, ist heute eine Spalte", erklärt der Höhenbergsteiger Karl Flock. Immer wieder gibt es Todesfälle. Die Einheimischen müssen öfter als ihre Kunden den Eisfall queren, um das Material in die höhen Lager zu tragen - ihr Risiko ist größer.

"Viele, viele Diskussionen wie es hier weiter gehen soll", bloggt nach der Tragödie der blinde österreichische Alpinist Andreas Holzer aus dem Basislager. "Ich habe gehört, dass die Familien, die jemanden in der Eislawine verloren haben, nur 400 US-Dollar als Abfindung von der Regierung bekommen", schreibt Holzer. Das Permit pro Bergsteiger koste 10.000 US-Dollar. "Also ist es nur verständlich, welches Ungleichgewicht rein finanziell hier herrscht."

40.000 Euro für eine Tour zum Mount Everest

Für eine Tour zum Everest muss man etwa 40.000 Euro hinblättern. Waren in den 1970er und 1980ern in manchen Jahren nur zwei Menschen oder maximal ein paar Dutzend auf dem Gipfel, so steigen heute um die 500 auf den vorbereiteten Routen auf. Auf dem Mount Everest waren schon ein 80-Jähriger sowie ein Nepal-Kanadier ohne Hände. 2001 erklomm den Berg erstmals ein Blinder, 2010 wurde ein 13-Jähriger der jüngste Everestbesteiger.

Reinhold Messner und Peter Habeler waren 1978 als erste ohne Sauerstoff oben, zwei Jahre später Messner im Alleingang. Eine Reihe Extrembergsteiger wie Messner lehnen Massentourismus und Kommerzialisierung ab. Von bergsteigerischem Anspruch bleibe da nicht viel, und der Berg verliere sein Flair.

"Für die Bergsteiger ist es von Vorteil, wenn sie einen Bergführer dabei haben", sagt hingegen der Österreicher Rupert Hauer. In der Gruppe sei es zudem sicherer, alle technischen Möglichkeiten stünden zur Verfügung. Im nächsten Jahr will Hauer erstmals eine Gruppe für den DAV Summit Club zum Everest führen. Die Tochter des Deutschen Alpenvereins hatte die Expedition nach einer Todesserie 1996 aus dem Programm genommen. Damals gab es erstmals Kritik an kommerziellen Organisationen, wie Vize-Geschäftsführer Lorenz sagt. Als der Summit den Everest nun wieder ins Programm hob, folgte erneut Widerspruch.

Aber der Berg ruft - und bietet Einkommen. Lorenz sagt, er glaube nicht, dass die Saison beendet sei. Zu viele Familien hingen davon ab. "Der Everest ist ein Geschäft nicht nur für große Anbieter, sondern es leben auch sehr viele Leute in Nepal davon."

mka/DPA / DPA