Sri Lanka Experten erwarten Ausbruch von Seuchen


In den Krisenregionen droht der Ausbruch von Seuchen. Verschmutztes Trinkwasser und das dichte Zusammenleben geschwächter Menschen schaffen ideale Bedingungen für Krankheitskeime.

Mit Beginn der Regenzeit erwarten Experten in der kommenden Woche den Ausbruch von Seuchen wie Cholera in den Krisengebieten Sri Lankas. "Durch die Flut wurden die Häuser und Toiletten zerstört, und nun verteilt der Regen die Exkremente der Menschen", sagte Kamal de Silva, Mitarbeiter des Innenministeriums Sri Lankas, am Freitag in Colombo. Die Regenfälle hatten in dieser Woche eingesetzt.

"Die Menschen sind geschwächt, weil es nicht genügend sauberes Trinkwasser und Nahrungsmittel gibt", sagte de Silva. So müsse manche Familie in den Katastrophengebieten pro Tag mit rund eineinhalb Litern Wasser auskommen. Das Lebensnotwendige sei so knapp geworden, dass die Regierung und die Hilfsorganisationen die Menschen nicht mehr jeden Tag ausreichend versorgen könnten. "In dieser Situation sind die Menschen für Seuchen besonders anfällig", sagte de Silva.

Insbesondere Kinder seien zudem durch das gefährliche Dengue-Fieber bedroht, sagte der Experte. Die Krankheit werde durch Stechmücken übertragen, die in der Regenzeit vermehrt auftreten. "Da die Schulen zerstört sind und die Kinder in Camps leben, kann die Regierung sie nicht gezielt versorgen", sagte de Silva.

Mögliche Seuchen im Katastrophengebiet

In den Krisenregionen drohen nach Experteneinschätzung bei Temperaturen um 30 Grad vor allem Durchfallerkrankungen. Verschmutztes Trinkwasser, Pfützen mit guten Vermehrungsbedingungen für Stechmücken und das dichte Zusammenleben geschwächter Menschen in Notunterkünften schaffen ideale Bedingungen für Krankheitskeime. Die folgenden Krankheiten können sich rasend schnell ausbreiten:

CHOLERA

(Gallenbrechdurchfall) ist eine Infektionskrankheit, die durch den Erreger Vibrio cholerae (Vibrionen) hervorgerufen wird. Die Bakterien setzen sich im Dünndarm fest und sondern ein Gift ab, das zu starkem Erbrechen und Durchfall führt. Die großen Flüssigkeitsverluste können Kräfteverfall, Herzrhythmusstörungen und Kollaps verursachen. Im Extremfall kann der Tod innerhalb von Stunden eintreten. Bei schneller Diagnose und Behandlung (vor allem Flüssigkeitszufuhr) ist die Prognose aber gut. Eine vorbeugende Impfung ist möglich, bietet aber meist nur eingeschränkten Schutz und wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht empfohlen.

TYPHUS

wird vor allem durch verunreinigtes Wasser und Lebensmittel übertragen. Die Infektionskrankheit wird von dem Bakterium Salmonella typhi ausgelöst. Die Erreger geraten vom Darm über das Blut in Leber und Milz, wo sie sich vermehren. 14 Tage kann es dauern, bis die Krankheit ausbricht, die jährlich in Deutschland rund 100 Menschen befällt: Die Symptome reichen von leichter Magenverstimmung bis hin zu extremem Fieber, starken Kopfschmerzen und Durchfall. Eine Impfung bietet nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin einen etwa 60-prozentigen Schutz vor der schweren Krankheit.

RUHR

ist eine meist epidemisch auftretende Darminfektion. Seit der Entdeckung verschiedener Erreger um die Jahrhundertwende unterscheidet man die Bazillenruhr von der Amöbenruhr. Letztere ist eine ausgesprochene Tropenkrankheit, die Bazillenruhr kommt überwiegend in gemäßigten Breiten vor. Beim Menschen äußert sich eine Ruhr-Infektion mit Leibschmerzen und oft eitrig-blutigem Durchfall. Die Krankheit geht mit Mattigkeit, Frösteln, Durst, völligem Mangel an Appetit und anfänglichem Fieber einher. Fliegen spielen eine besonders gefährliche Rolle als Überträger der Ruhr.

MALARIA TROPICA,

die schwerste Form der lebensgefährlichen Infektionskrankheit, kommt vor allem in den Tropen und Subtropen vor. Der Erreger wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen, deren Vermehrung durch Brackwasser gefördert wird. Die auch Sumpf- oder Wechselfieber genannte Tropenkrankheit hat ihren Namen aus dem italienischen: "mala aria" steht für "schlechte Luft". Die Inkubationszeit bei Malaria tropica beträgt acht bis zwölf Tage. Der Anfall beginnt mit plötzlichem hohem Fieber und Schüttelfrost, Magen- und Darmbeschwerden, Erbrechen und Benommenheit. Es können Gefäßschädigungen im Gehirn hinzu kommen. Nach Auskunft der WHO erkranken jährlich rund 300 Millionen Menschen an Malaria, rund zwei Millionen sterben daran.

DENGUE-FIEBER

gehört zu den hämorrhagischen Fiebererkrankungen und damit zu den gefährlichsten Innfektionskrankheiten. Zu den bekanntesten Formen zählen Ebola und das Lassa-Fieber. Hämorrhagisch (griechisch von Blutsturz) beschreibt die Krankheitssymptome: Neben hohem Fieber können Infizierte an Blutungen und Gewebeschäden leiden. In schwersten Fällen stirbt der Kranke an inneren Blutungen und Organversagen. Das durch Stechmücken übertragene Dengue-Fieber führt bei jedem Dritten zum Tod. Bei allen drei Krankheiten können Medikamente nur die Symptome lindern und die Sterberate vermindern.

DPA DPA

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