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Entsetzen im Sudan: 19-Jährige tötet Vergewaltiger in Notwehr - dafür wird sie zum Tode verurteilt

Der Fall der 19-jährigen Noura Hussein erschüttert den Sudan. Sie wurde zwangsverheiratet und von ihrem Ehemann vergewaltigt. Als er es wieder versuchte, erstach sie ihn. Ein Gericht verurteilte sie dafür zum Tode.

Noura change.org Sudan

Mit diesem Bild kämpft die Kampagne "Gerechtigkeit für Noura" für die junge Frau im Sudan

Das Schicksal einer jungen Frau sorgt im Sudan für große Empörung. Die 19-Jährige Noura Hussein wurde von einem Gericht in der Stadt Omduran zum Tode verurteilt, weil sie ihren Mann mit einem Messer erstach, als er versuchte, sie zu vergewaltigen. Am Tag zuvor war sie laut eigener Aussage schon einmal von ihm vergewaltigt worden, und zwar mit Hilfe seiner Familienangehörigen, die Noura Hussein festhielten, als sie sich weigerte, die Ehe zu vollziehen. Darüber berichteten internationale Medien übereinstimmend.

Das Fall wirft ein Schlaglicht auf das Thema Zwangsehe und Vergewaltigung in der Ehe im Sudan. In dem afrikanischen Land dürfen Mädchen ab dem zehnten Lebensjahr verheiratet werden. Vergewaltigung in der Ehe ist nicht strafbar.

Noura Hussein hat viele Unterstützer

Am Tag der Urteilsverkündung am Donnerstag hatten sich viele Unterstützer von Noura Husseini im Gerichtsaal und draußen auf der Straße versammelt. Sie erlebten, wie die Familie des Ehemanns sich weigerte, ihr zu verzeihen. Zudem wiesen sie finanzielle Zahlungen zurück und forderten stattdessen die Todesstrafe. Das ist im Sudan ihr Recht. Die Anwälte von Hussein haben jetzt 15 Tage Zeit, in Berufung zu gehen.

"Sie steht immer noch komplett unter Schock durch die Urteilsverkündung", sagte Dr. Adil Mohamed Al-Imam, einer ihrer Anwälte, dem US-Sender CNN. Al-Imam arbeitet kostenlos für Hussein, weil ihr erster Anwalt den Fall zurückgeben hatte. Auch von ihrer Familie erhält sie keine Unterstützung.

Im Alter von 16 zwangsverheiratet

Noura Husseins erschütternde Geschichte bewegt das Land und in den sozialen Medien fand sie rasch Verbreitung. Das führte dazu, dass ausländische Medien auf das Schicksal Husseins aufmerksam wurden. Unter dem Hashtag #JusticeforNoura und #SaveNoura bekundeten Tausende ihre Solidarität mit der 19-Jährigen und unterstützen die Petition bei change.org.   

Im Alter von 16 wurde Hussein mit ihrem Mann zwangsverheiratet. Sie floh daraufhin zu ihrer Tante, wo sie für drei Jahre Zuflucht fand. Mit einer Täuschung gelang es ihrem Vater, sie zur Rückkehr zu bewegen. Kaum zu Hause übergab er sie ihrem Ehemann und dessen Familie. Als sie sich weigerte, mit ihrem Mann zu schlafen, vergewaltigte er sie - mit Hilfe von Familienangehörigen, die sie festhielten und schlugen. So schilderte es Husseins Anwalt gegenüber CNN.

Als ihr Mann sie einen Tag später erneut vergewaltigen wollte, konnte sie in die Küche fliehen und sich ein Messer greifen, mit dem sie ihren Ehemann tödlich verletzte. Sie floh zu ihrer Familie, die sie an die Polizei auslieferte. Ahmed Elzobier von Amnesty International sagte gegenüber CNN, dass ein derartiger Fall zum ersten Mall eine solche Aufmerksamkeit erhalte: "Vergewaltigungen in der Ehe kommen häufig vor und die Menschen reden nicht darüber." Husseins Fall könnte das nun möglicherweise - ein wenig - ändern.

tis
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