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Taifun: 54 Tote bei Unwetter in Japan

Der verheerendste Taifun in Japan seit mehr als zehn Jahren hat mindestens 54 Menschen das Leben gekostet. Die Sturmflut traf tausende Häuser, 13.000 Menschen leben in Notunterkünften.

Mindestens 54 Tote, fast 30 Vermisste und immenser Sachschaden durch Überflutungen und Erdrutsche: Das ist die vorläufige Bilanz des verheerenden Taifuns "Tokage", der Japan mit sintflutartigen Regenfällen und Sturmfluten heimgesucht hat. Tausende Häuser standen unter Wasser oder wurden von Schlamm- und Geröllmassen begraben. Rettungskräfte suchten rund um die Uhr nach Verschütteten. Noch sei das ganze Ausmaß der Schäden nicht abzusehen, sagte ein Polizeisprecher. Die Zahl der Todesopfer werde vermutlich noch steigen.

Das Fernsehen zeigte Bilder von entwurzelten Bäumen, Autos standen metertief im Wasser, Windböen kippten Lieferwagen um, ganze Hänge wurden weggespült. Im Küstenort Muroto auf der Insel Shikoku ließen gewaltige Wellen von einigen Häusern nur das Betongerippe übrig.

Spur der Verwüstung

In weiten Teilen von West- und Südjapan waren Wohngebiete und Ackerland überflutet. Mehr als 13.000 Menschen suchten Zuflucht in Notunterkünften, wie die Behörden mitteilten. Viele Schulen blieben geschlossen, Zugverbindungen waren unterbrochen, mehr als 1.000 Flüge wurden gestrichen.

Nach Angaben des Fernsehsenders NHK wurden bisher 54 Tote gemeldet, 29 weitere Menschen galten als vermisst. Ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes sprach von 48 Toten und 30 Vermissten. Mehr als 300 Menschen seien verletzt worden, knapp 60 davon schwer.

In der Präfektur Okayama auf Honshu fanden Rettungskräfte die Leichen von vier älteren Menschen, deren Häuser unter Erdrutschen begraben worden waren. Auch in der Präfektur Kyoto wurde eine Schlammlawine zwei Frauen im Alter von 72 und 79 Jahren zum Verhängnis. Im selben Ort ertrank ein 70-jähriger Mann. In Kochi auf Shikoku kam eine dreiköpfige Familie ums Leben, deren Haus an der Küste von Wellen überflutet wurde. Ein 68-jähriger Fischer ertrank beim Versuch, sein Boot festzumachen.

Nur knapp dem Tod entgingen die Insassen eines Reisebusses, der in Kyoto von einer Flutwelle erfasst wurde. Alle 36 Fahrgäste und der Busfahrer konnten mit Motorbooten und Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

Tödlichster Taifun seit 1988

Im Hafen von Fushiki, 250 Kilometer westlich von Tokio, wurde ein russisches Schiff schwer beschädigt. Eine riesige Welle schleuderte die ´"Antonina Neschdanowa" gegen die Pier. Eigentlich hätte das Schiff mit 44 Passagieren und 62 Besatzungsmitgliedern an Bord am Mittwoch nach Wladiwostok zurückkehren sollen, konnte aber wegen des Taifuns nicht auslaufen. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax befanden sich 87 Autos im Laderaum der "Antonina Neschdanowa".

"Tokage", auf Deutsch Eidechse, zog unterdessen nach Osten aufs offene Meer ab und wurde bereits von einem Taifun zu einem Tropensturm herabgestuft. "Tokage" war bereits der achte Taifun, der Japan in diesem Jahr heimgesucht hat, und gemessen an der Zahl der Toten war es der schwerste seit 1988. Insgesamt fielen den Wirbelstürmen in dieser Saison schon rund 220 Menschen zum Opfer. Den bis Mitte Oktober entstandenen Schaden bezifferte Finanzminister Sadakazu Tanigaki auf rund 726 Milliarden Yen (5,3 Milliarden Euro).

Kenji Hall/AP / AP