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Evakuierung gescheitert Schüsse in der Nacht und Bärte zur Tarnung: So erlebt ein Bundeswehr-Helfer die Taliban-Herrschaft in Kabul

Sehen Sie im Video: Schüsse in der Nacht und Bärte zur Tarnung – Bundeswehr-Helfer über die Taliban-Herrschaft in Kabul.












Als ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht habe, musste ich das Haus verlassen. Auch wenn ich meinen Unterschlupf eigentlich nicht verlassen wollte. Draußen gibt es viele Taliban-Checkpoints. Die Männer tragen solche Klamotten. Sie haben keine richtige Uniform und einige tragen einen Kopf-Banner mit ihrem Bekenntnis. Die meisten Taliban tragen eine Kalaschnikow. Sie errichten überall bewaffnete Checkpoints. Manche von ihnen gehen vernünftig mit den Menschen um, andere sind voller Hass. Aktuell gibt es noch keine Richtlinie für die Taliban-Kämpfer, wie sie mit Menschen umgehen sollen. Man sieht in der Stadt überall unterschiedliche Taliban. Viele haben lange Haare und lange Bärte. Sie sehen nicht wie normale Leute aus. Und sie sind überall und ich habe große Angst vor denen. Immer wenn ich die sehe, möchte ich mich verstecken.
 Vor zwei Tagen waren mitten in der Nacht Schüsse zu hören. Ich hatte große Sorge, dass ein Kampf zwischen Terrorgruppen ausgebrochen ist. Erst nach 10 oder 15 Minuten habe ich erfahren, dass die Taliban den Abzug der US-Truppen gefeiert haben. Als ich zum Flughafen gefahren bin, habe ich mich vermummt. Ich zeige dir, wie ich es gemacht habe. Ich habe es so gemacht. So habe ich mein Gesicht verdeckt auf dem Weg zum Airport. Und auch das hier: Wenn man einen längeren Bart hat, ist das für die Taliban auch ein gutes Zeichen. Sie denken dann, dass du ihn nicht schneidest. So verändert man sein Aussehen. Ich muss das tun.
Das Bezahlen mit Bargeld läuft in Kabul so ab wie vorher auch. Ich gehe allerdings nicht mehr zum Essen kaufen raus. Ich schicke mittlerweile meine Frau. Sie trägt Burka. Das ist ein Teil ihrer Vermummung. Sie geht raus, kauft in Shops kleine Mengen Essen für uns und kommt wieder zurück. Mit Karten kann man in den Shops nicht mehr bezahlen. Ausschließlich Bargeld wird angenommen. Sonst habe ich immer das Essen für meine Familie besorgt. Aber jetzt muss meine Frau den Job übernehmen.   
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Videojournalist S. hat viele Jahr für die Bundeswehr in Afghanistan Einsätze dokumentiert – und die Taliban kritisiert. Seine Evakuierung ist fehlgeschlagen. Er und seine Familie verstecken sich weiter in Kabul. Im stern-Interview berichtet er vom Leben unter den Taliban.

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